Chemikalien öffentlich machen: Neue Studie untersucht Fracking-Förderung

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Bohrstelle (Foto: © Thomas Max Müller / http://www.pixelio.de)

Darmstadt / Bayreuth — Um Akzeptanz für die Fracking-Technologie zu schaffen, ist eine größere Transparenz wichtig. Welche Chemikalien genau mit Wasser und Sand in den Boden verpresst werden, sollte stets öffentlich gemacht werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die den Schiefergas-Boom in den USA untersucht hat.

Kaum ein anderes Thema polarisiert die energiepolitische Diskussion derzeit so stark wie die Gewinnung von Schiefergas und Schieferöl mit Hilfe von Fracking-Verfahren. In ihrem Buch „Schiefergas-Boom in den USA – Technologie-Ökonomie-Umweltaspekte“ untersuchen der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Martin Meyer-Renschhausen und Philipp Klippel anhand der Entwicklungen in Nordamerika, welche Chancen und Risiken Fracking bietet. Die Auswertung zahlreicher Studien und Daten zum Thema gibt einen umfangreichen Überblick über die ökonomischen Zusammenhänge zum Thema Fracking auf internationaler Ebene.

Für die Befürworter von Fracking bietet der Ausbau der unkonventionellen Gas- und Ölförderung die Chance, den Wettbewerb auf den Märkten für Öl und Gas zu intensivieren, die Preise zu senken und durch erhöhte einheimische Produktion die Abhängigkeit von unsicheren Lieferungen der OPEC und Russlands zu verringern. Die Kritiker betonen dagegen die Umweltrisiken und sehen in der Ausweitung der fossilen Energiebasis ein Hemmnis für den Übergang zu erneuerbaren Energien. Als Übergangstechnologie halten die Autoren Fracking allerdings für interessant: „Es gibt Berechnungen, die zeigen, dass ein niedriger Gaspreis die klimapolitisch unerfreuliche Kohle verdrängt“, sagt Prof. Dr. Martin Meyer-Renschhausen vom Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Darmstadt. Vor diesem Hintergrund sei die von US-Präsident Trump gewollte Revitalisierung des Kohlebergbaus unwahrscheinlich.

Derzeit konzentriert sich das Fracking fast ausschließlich auf die USA. Zahllose Studien untersuchen die Potentiale, die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Gewinnungsverfahren sowie die Umwelteffekte. Die amerikanische Schiefergasförderung bietet daher ein hervorragendes Anschauungsobjekt, um die Technologie, ihre Wirtschaftlichkeit und ihre Folgen abzuschätzen. Das Buch wertet die aktuellen Studien und Daten aus und leistet einen Beitrag zur Einschätzung der längerfristigen energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Bedeutung der Schiefergasgewinnung im internationalen Rahmen.

Die Technologie werde künftig eine noch stärkere Rolle in der Welt spielen. Nicht nur, weil die weltweiten Vorkommen ebenso groß seien wie die konventionellen Gasvorkommen. Sondern auch, weil es sich China zum Ziel gesetzt habe, stark in Fracking zu investieren. Selbst die zurzeit niedrigen Öl- und Gaspreise würden Fracking nicht unwirtschaftlich machen, da die Branche eine enorme technologische Innovationskraft aufweise. Auch ohne Förderung in Deutschland profitiere die heimische Wirtschaft, so Renschhausen: „Das Schreckgespenst der hohen Energiepreise ist weg. Das wirkt für Verbraucherländer wie Deutschland wie eine Konjunkturspritze.“ Hierzulande spare man gegenüber den hohen Energiepreisen von 2008 50 Milliarden Euro jährlich an Energiekosten ein. Auf der Kehrseite litten Erzeugerländer wie Russland oder Venezuela. Um Akzeptanz für die Technologie zu schaffen, sei eine größere Transparenz wichtig. Welche Chemikalien genau mit Wasser und Sand in den Boden verpresst werden, sollte stets öffentlich gemacht werden.

Schiefergas-Boom in den USA – Technologie-Ökonomie-Umweltaspekte, hrsg. von Martin Meyer-Renschhausen und Philipp Klippell kann im Internet unter metropolis-verlag.de oder schriftlich beim Metropolis-Verlag, Weimar bei Marburg, bestellt werden.

Quelle: Hochschule Darmsadt / Informationsdienst Wissenschaft e. V.