BBU fordert Stopp für „Freimessen“ radioaktiv belasteter Abfälle

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Atomkraftwerk (Foto: ©Viktor Mildenberger /http://www.pixelio.de)

Bonn, Berlin — Mehr als 40 Städte und Gemeinden sind bundesweit von der Lagerung oder Verbrennung von radioaktiv kontaminiertem Müll betroffen. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) befürchtet dadurch eine zusätzliche Gesundheitsgefährdung der Menschen durch die Verteilung von radioaktiven Stoffen. Das müsse vermieden werden. Deshalb fordert der BBU ein Moratorium bei der Freigabe von radioaktiv belastetem Abfall aus Atomanlagen und eine Neubewertung der Abgabe von radioaktiven Stoffen aus Atomanlagen, aus der Industrie, der medizinischen Nutzung und möglichen weiteren Quellen.

In vielen Bundesländern wird radioaktiv kontaminierter Müll deponiert, verbrannt und zur freien Verwertung abgegeben. Die Bevölkerung ist darüber oft nicht informiert und selbst die Behörden haben keinen umfassenden Überblick über den Verbleib der strahlenden Reste der Atomindustrie. In Baden-Württemberg – das ergaben intensive Recherchen des BBU – sind acht Kommunen betroffen, in Brandenburg sechs und in Sachsen fünf. In fast allen Bundesländern liegen entsprechende Deponien oder stehen Verbrennungsanlagen, so z. B. auch in Nordrhein- Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Aktuell wird besonders in Baden-Württemberg und in Schleswig- Holstein über den Verbleib so genannter „freigemessener“ Materialien diskutiert.

Noch keine Lösung für langfristige Aufbewahrung

Im Rahmen des Umweltinformationsgesetzes (UIG) hat der BBU Anfragen zum „freigemessenen“ Müll an die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländer gerichtet. Die Informationen, die von den Behörden mitgeteilt wurden, hat der BBU ausgewertet und in einer Tabelle zusammengestellt; die Details zu den Deponien und Müllverbrennungsanlagen können unter bbu-online.de heruntergeladen werden.

Bisher gibt es nach Darstellung des Bundesverbandes keine Lösung für die langfristige Aufbewahrung der nuklearen Hinterlassenschaften aus der Atomtechnik. Um die Mengen für diese kostenträchtige Aufbewahrung aller Atommüllmengen möglichst gering zu halten, soll ein großer Teil der Materialien aus Atomanlagen zu „normalem“ Müll umdeklariert werden. Dazu wird auf der Basis des § 29 der Strahlenschutzverordnung die sogenannte Freigabe durchgeführt. Dies bedeutet, dass Materialien, deren radioaktive Belastung eine gewisse Grenze unterschreitet, „freigemessen“ werden und dann an Deponien, Müllverbrennungsanlagen oder zum Recycling abgegeben werden.

Völlige Transparenz gefordert

Der BBU lehnt zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt die Freigabe von radioaktiv belasteten Abfällen aus Atomanlagen ab und fordert, dass die bisherigen Freigabegenehmigungen aufgehoben werden. Alle radioaktiv belasteten Abfälle sollen am jeweiligen Standort aufbewahrt werden, bis klar ist, wie viel nach dem Abbau aller Atom- anlagen insgesamt anfällt, und ein Konzept für die weitere Aufbewahrung erstellt werden kann. Weiter erwartet der BBU von den zuständigen Behörden völlige Transparenz beim Umgang mit den nuklearen Hinterlassenschaften. Dazu gehört auch die Offenlegung der Information über Mengen und Verbleib von radioaktiv belastetem Abfall.

Quelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e.V.