Projekt Geisternetze: Tönsmeier und WWF ziehen nach ersten Tests positive Bilanz

917
Fischernetz (Foto: 2204574 / Pixabay)

Porta Westfalica — Tönsmeier und der WWF Deutschland sind seit 2015 Partner im Projekt „Geisternetze“, das die Lösung eines drängenden Problems zum Ziel hat: Plastikmüll. In den Weltmeeren besteht er zu einem beträchtlichen Teil aus herrenlosen Kunststoffnetzen aus der Fischerei. In der Ostsee wird die umweltschonende Bergung dieser Netze geprobt: Für das eingesammelte Material soll ein optimaler Prozess gefunden werden, der einen umweltgerechten Transport sowie eine effektive Aufbereitung und Verwertung umfasst.

Nachdem im Kalenderjahr 2016 zunächst aufwändige Bergungen von Netzen vorgenommen wurden, konnten nunmehr die eingesammelten Materialien erstmals getestet werden. Eine wesentliche Versuchsreihe erfolgte im März im Technologiezentrum der Firma Vecoplan im rheinland-pfälzischen Bad Marienberg. Der renommierte Hersteller von Aufbereitungsanlagen bündelt dort seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten – ideale Voraussetzungen also für die Suche nach Möglichkeiten, die geborgenen Netze werkstofflich zu verwerten.

Stofftrennung durch Schwimm- / Sink-Verfahren

Zu den echten Herausforderungen in diesem Projekt zählt es, die Netze für die weitere technische Verarbeitung vorzubereiten. „Das vom Meeresgrund geborgene Material hat zum Teil viele Jahre im Wasser gelegen; es ist in seiner Zusammensetzung sehr heterogen und extrem stark verschmutzt“, erklärt Andrea Stolte, Projektmanagerin im WWF Ostseebüro. Großformatige Störstoffe wie Steine, Metalle oder Holzstücke mussten daher zunächst manuell entfernt werden. Im Rahmen dieser händischen Präparation wurde gleich eine Einteilung in verschiedene Fraktionen wie Netze, Stellnetze und Taue vorgenommen. Nach einer separaten Zerkleinerung dieser Fraktionen und einer Entnahme der restlichen Metalle durch einen Metallabscheider starteten die eigentlichen Trennversuche.

Dazu wurden unterschiedliche Tests mit dem sogenannten Schwimm- / Sink-Verfahren durchgeführt. „Diese Verfahren funktionieren zur Trennung von Stoffen mit verschiedenen Dichten sehr zuverlässig und zeitigten auch bei den diesmal realisierten Versuchsreihen die erhofften Resultate“, betont Dr. Michael Krüger, der das Projekt Geisternetze für die Tönsmeier Gruppe begleitet.

Lösungsperspektiven für weitere Umweltthemen

In Summe haben die durchgeführten Experimente vor allem Erkenntnisse über die sehr aufwändige Reinigungsprozedur erbracht, die einer weiteren Verarbeitung vorangehen muss. Nach der anschließenden Zerkleinerung kann das Material durch gängige Trennverfahren so aufbereitet werden, dass es für verschiedene Recyclingverfahren infrage kommt. „Welche Verwertungsart sich ökologisch und ökonomisch am besten eignet, soll im zweiten Halbjahr ermittelt werden“, plant Krüger.

Insgesamt – darüber besteht bei den Projektbeteiligten Einigkeit – passen die durchgeführten Tests in den Anforderungskatalog, der sich aus den umweltpolitischen Herausforderungen ergibt. Das Thema „Meeresverschmutzung“ wurde inzwischen als eine zentrale Bedrohung identifiziert, für die schnellstmöglich Lösungsansätze gefunden werden müssen. Wissenschaftler schätzen, dass bereits heute 150 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren schwimmen. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, könnte im Jahr 2050 das Plastik in den Ozeanen mehr wiegen als alle Fischbestände zusammen. „Insofern wäre es großartig, wenn wir mit den Ergebnissen unseres Projektes auch Lösungsperspektiven für weitere Umweltthemen anbieten können“, hofft Krüger.

Quelle: Karl Tönsmeier Entsorgungswirtschaft GmbH & Co. KG