Scholz Gruppe: Geordneten Rücktransport von Altfahrzeugen aus Afrika organisieren

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Fahrzeugrecycling (Foto: Marc Weigert)

Rheinbreitbach — Über 1 Mio. Altfahrzeuge verschwinden jedes Jahr ohne jeglichen Nachweis. Die „statistische Lücke“ hat ein UBA-Forschungsvorhaben inzwischen geklärt, das Kernproblem jedoch ist weiterhin ungelöst. „Die Altauto-Branche leidet unter Unterauslastung, fehlendem Vollzug, unklaren Regelungen und illegalem Export“, kritisiert Kai Lohmann, Geschäftsführer der Scholz Recycling GmbH, zu den Ergebnissen des Vorhabens. „Unsere Investments sind in Gefahr, wenn Politik und Behörden weiterhin die Augen verschließen, statt den illegalen Betrieb von Anlagen in der EU und die illegalen Exporte von Altfahrzeugen konsequent zu verfolgen.“

Kai Lohmann: „Den vorgelegten Daten müssen nun endlich Taten folgen.“ Zudem sei nicht zufriedenstellend, dieses Instrument weiter als geeignetes Mittel für einen funktionierenden Vollzug anzusehen, wenn nur bei 10 Prozent der zurück genommenen Altfahrzeuge Verwertungsnachweise vorliegen. Der boomende Online-Handel mit riesigem Wachstumspotenzial, über den in der Zwischenzeit ein Großteil der Teilevermarktung stattfindet, trägt erschwerend dazu bei, dass der Vollzug immer schwieriger und aufwändiger wird.

Anpassung an neue Marktbedingungen notwendig

Alle geplanten politischen und rechtlichen Maßnahmen müssten nun in enger Abstimmung mit der gesamten Branche stattfinden. Dies gelinge aber nur im gegenseitigen Austausch mit Herstellern und Lieferanten, denn der Einfluss der Automobilindustrie reiche massiv in die Verwerterbranche hinein. „Wir wollen keinen Protektionismus der Rohstoffe proklamieren, fordern aber klare Verhältnisse bei der Aufgabenverteilung in der Behandlung von Altfahrzeugen und die Beendigung illegaler Exporte aus der EU“, sagte Lohmann. Neben einem besseren Vollzug sei dringend die Anpassung der Richtlinie an neue Marktbedingungen notwendig. Dazu gehöre beispielsweise eine rechtsverbindliche Beweislastumkehr beim Export ,wie sie bereits im Elektronikschrottbereich gilt. Die gemeinsame Produktverantwortung der Hersteller, Demontagebetriebe und Verwerter müsse eindeutiger definiert werden.

Zudem ist mehr Kommunikation, mehr Information und eine Kostenbeteiligung seitens der Hersteller an Forschungsvorhaben für neue Recyclingtechniken notwendig. Das Konzept der Recyclingquoten muss auf neue Füße gestellt werden. Quoten, die ausschließlich auf Massenmetalle abzielen, sind nicht mehr zeitgemäß. Notwendig sind quantitative als auch qualitative Recyclingziele. Zudem sind Anreize für höhere Rücklaufquoten zu diskutieren, eine gesetzlich festgelegte kostenlose Rücknahme ist nicht mehr marktgerecht und zeitgemäß.

Den riesigen afrikanischen Markt erschließen

Um der Produktverantwortung exportierter Altfahrzeuge gerecht zu werden, sind neue Wege zu gehen. „Die europäische Industrie muss ihrer Verantwortung gerecht werden und auch den riesigen afrikanischen Markt erschließen. Die Scholz Gruppe kann ihre Recyclingkompetenzen einbringen“, sagte Lohmann. Steigende Exporte von (Alt-)Fahrzeugen vom europäischen Markt machen Investitionen in Recyclingtechniken auch in Afrika notwendig. „Bis heute werden die Altautos ausschließlich händisch demontiert, Stahlschrott wird in heimischen Stahlwerken eingeschmolzen und Nichteisenmetalle werden exportiert, weil keine Metallschmelzhütten vorhanden sind,“ erklärte ein Experte des Unternehmens City Waste Recycling in Ghana auf einer Konferenz in 2016. Ohne Shreddertechnik oder andere großtechnischen Aggregate ist es jedoch kaum möglich, das Fahrzeug vollständig zu zerlegen. Restkarossen werden deshalb entweder erneut exportiert oder verschwinden in Anlagen mit geringsten Umweltstandards. Der Rücktransport nach Mitteleuropa in Shredder- und Postshredderanlagen könnte für alle Wirtschaftsbeteiligten zur Wertschöpfung beitragen – so lange keine Großaggregate existieren.

Potenzial des afrikanischen Markts nutzen

Das Potenzial des afrikanischen Markts ergibt sich durch viel geringere Arbeitskosten. Dieses sollte genutzt werden, weil gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. Fahrzeuge enthalten bereits heute einen stark zunehmenden Anteil an Elektronik. Vor einigen Jahren lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent an der Wertschöpfung in Neufahrzeugen, im heutigen Automobil kann es bis 35 Prozent sein. Dazu gehören Navigationssysteme, Fahrassistenzsysteme und Elektromotoren zur Steuerung der Sitze. Dies erhöht den Druck immer mehr für händische Vordemontageschritte. Der Ausbau der händischen Demontage ist in Mitteleuropa nicht wirtschaftlich. Die Umwelt- und Ausbildungsstandards in Ghana und Nachbarstaaten sind dringend anzuheben. Kooperationsprojekte mit den Recycling-Partnern vor Ort, der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und den Auslandshandelskammern können hier wertvolle Entwicklungshilfe leisten.

Noch wird ein Großteil von unbekannt verbliebenen oder außerhalb der EU exportierten Altfahrzeugen illegal exportiert. „Weil die Politik und Behörden diesen Abfluss bis heute nicht stoppen können, müssen wir aus der Not eine Tugend machen. Wir können den afrikanischen Staaten helfen, indem wir unser Recycling-Know-How mitbringen; gleichzeitig müssen wir gemeinsam mit den afrikanischen Partnern einen geordneten Rücktransport von Restkarossen für die Shredderanlagen organisieren,“ bekräftigt Kai Lohmann.

Quelle: Scholz Gruppe