Der globale Altkunststoffmarkt befindet sich im Umbruch

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Gesammelte Kunststoffabfälle (Foto: mauriceangres / Pixabay)

Bonn — Der Markt für Kunststoffabfälle ist weltweit im Umbruch und hat sich von einem Anbietermarkt zu einem Nachfragemarkt gewandelt. Das für 2018 angekündigte chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle wird diesen Trend weiter verstärken. Während die Kunststoff-Recyclingunternehmen diese Entwicklung naturgemäß begrüßen, werden sich insbesondere für Sammler und Sortierer in nächster Zeit neue Herausforderungen stellen, lautet die Prognose des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling.

Viel Quantität – wenig Qualität

Die guten konjunkturellen Bedingungen, ausgelastete Verbrennungsanlagen und deren daraus resultierendes hohes Preisniveau sorgen dafür, dass große Mengen von Altkunststoffen in den Verarbeitungsmarkt drängen. Zusätzlich wird in vielen europäischen Nachbarländern derzeit das bestehende Kunststoffrecycling ausgebaut. Deren Verarbeitungsabfälle gelangen ebenfalls vermehrt nach Deutschland. Infolgedessen ist ein Preisverfall für Kunststoffabfälle festzustellen. Gleichzeitig sind die Kunststoff-Recyclingunternehmen nun besser in der Lage, ihre Qualitätsanforderungen für das benötigte Input-Material ihrer Anlagen durchzusetzen.

„Die Recycler akzeptieren nur noch die Ware, die die Obergrenzen für Fremdstoffe einhält. Problematisch ist hier auch der teilweise recht hohe Feuchtigkeitsgehalt der Kunststoffe. Stark verschmutzte Folien oder vermischte Kunststoffabfälle, die keine Abnehmer finden, können dann nur noch zu Ersatzbrennstoffen aufbereitet werden oder gelangen in die Müllverbrennung“, beobachtet bvse-Kunststoffexperte Dr. Thomas Probst.

Chinesisches Importverbot wird Situation verschärfen

Die Situation der Überschussmengen wird sich fortsetzen und verstärken, wenn die angekündigten chinesischen Importverbote tatsächlich umgesetzt werden, da zu den hiervon betroffenen 24 Abfallarten insbesondere die Kunststoffabfälle gehören. In Fortführung ihrer Green Fence Politik hatte die chinesische Regierung schon in den letzten Jahren die Einfuhrbedingungen und Überwachungen immer weiter verschärft. Nun reagieren die Behörden mit weiteren Restriktionen und Verboten darauf, dass die zugesagten Qualitäten in den letzten Jahren kaum noch eingehalten wurden.

China ist der wichtigste Absatzmarkt für Kunststoffabfälle – vor allem Folienabfälle und solche aus der E-Schrottaufbereitung. Allein im vergangenen Jahr importierte die Volksrepublik rund 7,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle aus den USA, Japan und Europa im Wert von rund 3,7 Mrd. US-$. Eine Beschränkung dieses Marktes hätte nach Einschätzung des bvse erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Marktgeschehen und würde auch in Deutschland nicht ohne Folgen bleiben.

„Es wird nahezu unmöglich sein, diese Mengen in andere Märkte umzulenken. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es nach einiger Zeit wieder Phasen geben wird, in denen die Einfuhrverbote gelockert werden. Dies wird spätestens dann geschehen, wenn China feststellt, dass es bestimmte Materialien benötigt, weil die eigenen Sammelstrukturen noch nicht ausreichen“, prognostiziert Probst.

Zufriedenstellende bis gute Aussichten für Recyclate

Im Gegensatz zur Sammlung und Sortierung von Kunststoffabfällen befinden sich die Kunststoffrecycler hinsichtlich Absatz- und Preissituation in ungleich besserer Lage. Sie garantieren der kunststoffverarbeitenden Industrie Versorgungssicherheit. Auf diese Weise können Fehlmengen bei Neuware vermindert werden. Zusätzlich stabilisiert das Kunststoffrecycling Preisschwankungen bei der Primärware. In Anbetracht des anhaltenden Trends der kunststoffverarbeitenden Industrie zu höheren Qualitäten sind die Aufbereiter und Recycler auf eine gute Inputqualität angewiesen.

Große Nachfrage gibt es nach qualitativ hochwertigen Mahlgütern und Regranulaten aus HDPE, PP und PS seitens der kunststoffverarbeitenden Industrie. Der Absatz von Kunststofferzeugnissen, die in den Bereichen Hoch- und Tiefbau sowie Landschafts- und Gartenbau oder Wassereinbauten eingesetzt werden, profitiert von der guten Inlandsnachfrage.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.