CreaSolv-Verfahren – eine Lösung für Deutschlands EPS- und HDBC-Problem

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Polystyrol-Granulat (Foto: EPC Group)

Alzenau — Mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) behandeltes expandiertes Polystyrol (EPS) muss am Ende seiner Verwendung rückstandsfrei zerstört werden. Bislang wurden HBCD-haltige EPS-Abfälle nur verbrannt. Die beiden deutschen Unternehmen EPC Engineering Consulting GmbH und CreaCycle GmbH haben gemeinsam mit dem renommierten Fraunhofer Institut eine Lösung für diese Problematik entwickelt: die CreaSolv®-Technologie.

Polystyrol-Abfälle gelten als POP

Probleme mit Polystyrol treten erst bei der Entsorgung auf. Sie beginnen bereits beim Abtransport des Abfalls, der aufgrund der sehr niedrigen Schüttdichte ein großes Volumen aufweist und sehr kostenintensiv ist. Zudem mussten Polystyrol-Abfälle bislang in aufwändigen Verfahren vorsortiert werden, da nicht alle Produkte auf die gleiche Weise recycelt werden konnten. Das liegt vor allem an beigefügten chemischen Zusatzstoffen, wie dem Flammschutzmittel HBCD. Dieses wurde 2013 während des Stockholmer Übereinkommens als persistenter organischer Schadstoff (POP) eingestuft, da es sich im Körper von Lebewesen ablagern und dort Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Abfälle, die HBCD als Flammschutzmittel enthalten, konnten nur an besonderen, zertifizierten Verwertungsanlagen entsorgt werden, da dieses Additiv rückstandslos zerstört werden muss. Dies führte in Deutschland im vergangen Jahr zu Entsorgungsnotständen und damit steigenden Entsorgungskosten von bis zu 8.000 Euro pro Tonne.

Für jegliche Art von Polystyrol-Abfällen

EPC Engineering Consulting GmbH und CreaCycle GmbH haben nun gemeinsam mit dem renommierten Fraunhofer Institut (IVV Freising) eine Lösung für dieses Problem gefunden: die CreaSolv-Technologie. Recycling-Anlagen, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, können jegliche Art von Polystyrol-Abfällen verwerten – egal, wie stark das Material verunreinigt ist. Dafür wird der Zielkunststoff mit einer speziellen Lösungsmittel-Formulierung selektiv herausgelöst. Die Flüssigkeit wird anschließend gefiltert und in mehreren Stufen gereinigt. Das gegebenenfalls enthaltene HBCD wird dadurch vom Polystyrol abgetrennt. Zurück bleibt nur der hochreine Kunststoff, welcher wieder als Granulat vorliegt. Das Endprodukt ist geruchsneutral, enthält so gut wie keine Rückstände und kann nahezu uneingeschränkt wiederverwendet werden.

„Mit dieser Anlagentechnik steht zum Recycling von EPS jetzt zum ersten Mal ein geschlossener ökonomischer und wirtschaftlicher Wertstoffkreislauf für HBCD-haltige Polystyrol-Abfallströme zur Verfügung,“ erklärt Jörg Hamann, Technischer Direktor der EPC Engineering Consulting GmbH, einem Tochterunternehmen der EPC Group. „Bisherige Recyclingmethoden konnten nur saubere und HBCD freie Eingangsströme wiederverwerten. In aufwändigen Schritten musste der Müll vorsortiert und gewaschen werden – trotzdem war das Endprodukt weder rein noch geruchsneutral.“ Laut Jörg Hamann kann bei der CreaSolv-Technologie das Vorsortieren und Waschen des Abfalls je nach Verschmutzungsgrad entfallen.

Wirtschaftlich und kohlendioxid-ärmer

Prinzipiell können sämtliche Polystyrol-Produkte – egal ob EPS, GPPS (General Purpose), HIPS (High Impact) oder XPS (Extrudiertes Polystyrol) in einem Durchlauf und zur gleichen Zeit verarbeitet werden. Je nach Abfallzusammensetzung können bisher etablierte Vorsortier- und Waschschritte weitere Verbesserungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Endproduktqualität bringen. Damit bieten die CreaSolv-Anlagen zusätzliche Vorteile in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit und die Gesamtrecyclingquote im Sinne der „Circular Economy“ in Verbindung mit bestehenden Sortiersysteme.

Da Polystyrol aus Erdöl gewonnen wird, ist das Recyceln dieses Kunststoffs auch im Hinblick auf die Schonung von natürlichen Ressourcen nicht nur lohnenswert, sondern auch notwendig. Laut vorläufigen Ergebnissen des TÜV Rheinland bietet das Recyceln mit der CreaSolv-Methode sogar einen bis zu 50 Prozent geringeren Kohlendioxidausstoß als das Verbrennen von Polystyrol-Abfällen. Die Technologie ist schon jetzt einsatzbereit und kann in bestehende Recycling-Anlagen integriert werden.

Quelle: EPC Engineering Consulting GmbH