ITAD hält BMUB-Aussage zur Klärschlamm-Entsorgung für missverständlich

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Klärschlamm-Aufbereitung (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Düsseldorf — Das Bundesumweltministerium hatte in einer Pressemitteilung über „Phosphor – zu wertvoll für die Müllverbrennung“ erklärt: „Phosphor ist der verborgene Schatz im Klärschlamm. Trotzdem wird er immer noch in Müllverbrennungsanlagen vernichtet.“ Die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen hält diese Aussage für missverständlich.

ITAD-Vorstandsvorsitzender Gerhard Meier zeigt sich überrascht von dieser Argumentation des Fachministeriums: „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, warum in der Pressemitteilung des BUMB der Eindruck vermittelt wird, dass die Thermischen Abfallbehandlungsanlagen dafür verantwortlich sind, eine Phosphatrückgewinnung im großen Stil zu verhindern.“ Daher sieht die ITAD die Notwendigkeit, falschen Eindrücken entgegenzutreten.

Laut letzten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (destatis) fielen 2013 aus öffentlichen und nicht öffentlichen Kläranlagen rund 3,38 Mio. Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse an. In den öffentlichen Kläranlagen, die der Klärschlamm-Verordnung unterliegen und in denen somit die Phosphatrückgewinnung geboten ist, fielen laut destatis 2015 rund 1,8 Mio. Tonnen Klärschlamm an. Davon wurden rund 64 Prozent (rund 1,2 Mio. Tonnen) thermisch entsorgt.

Schadstoffminimierung an erster Stelle

Von den 1,8 Mio. Tonnen Klärschlamm werden laut destatis rund 0,45 Mio. Tonnen in Mitverbrennungsanlagen entsorgt. Hierunter fallen insbesondere Braunkohlekraftwerke und Zementwerke, die dadurch Kohle substituieren. Bei der Mitverbrennung in MVA/EBS- Kraftwerke steht hingegen die Schadstoffminimierung an erster Stelle. Eine weitere Differenzierung, welche Mengen in Müllverbrennungsanlagen mitverbrannt werden, nimmt destatis nicht vor.

Nach Erhebungen der ITAD wurden in den rund 80 Anlagen in 2015 rund 0,2 Mio. Tonnen Klärschlamm (Originalsubstanz) eingesetzt. Dazu muss diese Menge auf Trockenmasse umgerechnet und berücksichtigt werden, dass es sich auch um Klärschlämme aus nicht öffentlichen Kläranlagen handelt. Somit werden in den Müllverbrennungsanlagen weit unter 5 Prozent der öffentlichen Klärschlämme mitverbrannt.

Teil der Problemlösung

ITAD begrüßt die Initiative des BUMB unter dem Aspekt der Ressourceneffizienz, den im kommunalen Klärschlamm enthaltenen Phosphor zukünftig stärker als bisher zu nutzen. Zahlreiche Betreiber thermischer Anlagen sind daher in der Projektierung von Verwertungsmaßnahmen zur Rückgewinnung von Phosphor. Daher stellt Gerhard Meier klar: „Wir sind seit Jahren ein verlässlicher Partner, auch bei der kommunalen Klärschlammentsorgung. Wir sind Teil der Lösung des Problems und nicht – wie suggeriert wird – Teil des Problems. Durch neue Vortrocknungsanlagen und Bau von Monoverbrennungslinien an unseren etablierten Standorten stellen wir uns der Verantwortung für eine nachhaltige Klärschlammnutzung.“

Quelle: ITAD e.V.