Re-Use: Sind Quoten für den Second-Hand-Markt realistisch?

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Flohmarkt (Foto: mermyhh / Pixabay)

Wien — Im EU-Aktionsplan ist die Forderung nach Design-Optimierung von Produkten vorgesehen, um diese reparatur- und recyclingfreundlicher zu machen. Das – meint die UFH Holding GmbH – sei ein zweischneidiges Schwert, denn hier gehe es um Vorgaben im Rahmen des Öko-Designs und konkrete Ziele für die Wiederverwendung von Produkten.

Im letzten Jahresbericht des Fachverband der Elektro & Elektronikindustrie haben UFH-Geschäftsführerin Marion Mitsch und der stellvertretende Geschäftsführer des FEEI, Manfred Müllner, zu diesem Themenkomplex Stellung genommen. Müllner verweist darauf, dass fixe Quoten für einen Second-Hand-Markt nicht zu realisieren sind. „Gebrauchte Produkte werden auch privat über Online-Plattformen, Tauschbörsen, als Spenden und vieles mehr in Umlauf gebracht. Die Überwachung der Warenströme ist praktisch unmöglich“.

Gefahr der unbekannten Quoten

Der Zugang zu Abfällen ist für die Wieder- bzw. Weiterverwendung von Abfällen entscheidend. Immer noch gehen in Europa jedoch jährlich rund 600 Mio. Tonnen Materialien aus Abfällen, die recycelt oder wiederverwendet werden könnten, in anderen „Kanälen“ verloren. Auch im Bereich Elektroschrott wird nur ein Drittel der geschätzten 9,45 Mio. Tonnen Abfall EU-weit erfasst. „Unser gemeinsames Ziel sollte daher sein, Sammelquoten zu steigern und gemeinsame Standards für die Abfallverwertung zu erzielen“, ist Marion Mitsch überzeugt.

Die Dunkelziffer bei Elektro-Altgeräten wird auch deshalb zum Problem, weil ab 2019 in der WEEE-Richtlinie eine Sammelquote von 65 Prozent der in Verkehr gesetzten Menge vorgesehen ist. Mitsch: „Diese kann nur erfüllt werden, wenn der ungemeldete Elektroschrott in den Kreislauf zurückgeführt wird.“ Die gesetzliche Alternative, 85 Prozent der Elektroaltgeräte zu sammeln, kann de facto nicht erfüllt werden, weil man die 100 Prozent gar nicht kennt.

Gefahr der illegalen Entsorgung

Dennoch sieht die UFH-Geschäftsführerin die EU-Initiative zur Kreislaufwirtschaft „prinzipiell positiv, weil es unser gemeinsames Ziel sein muss, den Materialkreislauf noch enger zu schließen. Faktum ist, dass immer noch ein großer Teil des Elektroschrotts illegal, das heißt umweltschädlich, entsorgt wird. Hier ist noch viel zu tun.“

Ins gleiche Horn stößt Manfred Müllner, wenn er das Beispiel Altautos anspricht. Im Kfz-Bereich stellen sich konkrete rechtliche Fragen: Wann wird ein Altauto als „Abfall“ und wann als ein noch in Gebrauch stehendes „Produkt“ klassifiziert? „Am Beispiel Autos lässt sich dieses Problem leicht demonstrieren: Ein Lkw fährt mit alten Autos Richtung Osteuropa. Man weiß nicht, ob diese dort verschrottet oder repariert und weiterverwendet werden. Unter dem Deckmantel Re-Use könnte daher viel als Nicht-Abfall über die Grenzen gelangen“, so Müllner.

Gefahr der Überregulierung

Viele Hersteller befürchten im Zuge der EU-Kreislaufinitiative und der Maßnahmen zur Steigerung der Re-Use-Fähigkeit der Produkte eine unverhältnismäßige Überregulierung. „Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden, dass man Dinge repariert und wiederverwendet – aber mit Augenmaß“, sagt Marion Mitsch dazu – und warnt vor nachteiligen Effekten: „Mit überzogenen Re-Use-Ambitionen läuft man Gefahr, dass Sekundärrohstoffe verloren gehen“.

Für Manfred Müllner gehen Eingriffe ins Produktdesign zu weit. „Eine Überregulierung schränkt definitiv den unternehmerischen Handlungsspielraum ein. Aus Industriesicht lehnen wir nationale Vorschriften zur Produktgestaltung ab, da sich daraus Handelsschranken ergeben.“

Quelle: UFH Holding GmbH