EQAR fordert, dem EU Waste Management Protocol Taten folgen zu lassen

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Abbruch (Foto: Michael Gaida / Pixabay)

Berlin — Nach mehrjähriger Beratung mit Wirtschaftsakteuren hat die EU-Kommission das EU- Protokoll über die Bewirtschaftung von Bau- und Abbruchabfällen (Waste Management Protocol) im Herbst letzten Jahres veröffentlicht. Ausdrücklich weist das Protocol auf angemessene politische und sonstige Rahmenbedingungen für das Bewirtschaften von Bau- und Abbruchabfällen als Schlüssel für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft Bau hin. Die europäische Baustoff-Recycling-Branche hat dieses Protocol unterstützt und befürwortet. Doch gelte es nunmehr, den Erkenntnissen Taten folgen zu lassen, fordert Manfred Wierichs, Präsident der European Quality Association for Recycling e.V. (EQAR).

Eine hohe Recycling- und Verwertungsquote von mineralischen Bau- und Abbruchabfällen kann nur bei Gewährleistung einer hohen Qualität der Recycling-Baustoffe erzielt werden. Dafür sind Schadstofferkundungen bereits im Vorfeld der Abbruchmaßnahme, eine Vorplanung des selektiven Rückbaus sowie die Klärung von Verwertungsmöglichkeiten erforderlich. Aus Sicht der EQAR sind die österreichischen Regelungen und insbesondere die Ö-Norm B 3151 „Rückbau von Bauwerken als Standardabbruchmethode“ als Benchmark anzusehen.

Wierichs kritisiert, dass in dem Waste Management Protocol der entscheidende Akzeptanzfaktor für das Baustoff-Recycling fehlt – nämlich der Produktstatus für qualitätsgesicherte Recycling-Baustoffe. Dies ist umso unverständlicher, da Recycling-Baustoffe unter harmonisierte europäische Bauproduktnormen nach EU- Bauproduktenverordnung fallen und CE-kennzeichnungspflichtig sind. Mit den nunmehr kurz vor der Verabschiedung stehenden europäischen Prüfnormen für die Umweltverträglichkeit von Gesteinskörnungen ist ein Produktstatus für Recycling-Baustoffe europäisch definierbar.

Mineralische Bau- und Abbruchabfälle stellen wertvolle Ressourcen dar, aus denen mit einem qualitätsgesicherten Baustoff-Recycling Bauprodukte hergestellt werden können, die Primärbaustoffen technisch, ökologisch und auch wirtschaftlich mindestens ebenbürtig sind. Deshalb sind die im Waste Management Protocol in Erwägung gezogenen Deponieverbote und -steuern bei einer entsprechenden Akzeptanzförderung von Recycling-Baustoffen verzichtbar, zumal sie das Bauen in Europa verteuern würden, so Wierichs.

Das Waste-Management-Protocol hinterfragt den Vollzug bestehender Rechtsvorschriften in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zu recht kritisch. Ohne einen entsprechend stringenten Vollzug können jedoch Missbrauch und unsachgerechte Ablagerung von mineralischen Abfällen nicht verhindert werden, so Wierichs.

Die EQAR sieht in einigen EU-Mitgliedsstaaten deutlichen Handlungsbedarf. Nur durch Behebung der Vollzugsdefizite bei gleichzeitiger Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Baustoff-Recycling wird sich die nach EG-Abfallrahmenrichtlinie geforderte Verwertungsquote von 70 Prozent für mineralische Abfälle europaweit realisieren lassen.

Quelle: European Quality Association for Recycling e.V.