BDI lehnt Vorschlag zur harmonisierten Einstufung von Titandioxid ab

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Quelle: BDI

Berlin — Eine französische Behörde hat die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung von Titandioxid als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen (Kategorie 1B) / kann beim Einatmen Krebs erzeugen (H350i)“ vorgeschlagen. Dazu reichte de „Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail“ (ANSES) im letzten Jahr einen CLH-Bericht (Vorschlag zur harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung eines chemischen Stoffes) ein. Würde der Vorschlag angenommen, hätte das für die Entsorgungswirtschaft weitreichende Folgen.

Zu diesem CLH-Bericht wurde eine öffentliche Konsultation durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) durchgeführt. Dem Committee for Risk Assessment hat nun bis November 2017 Zeit, sich dazu eine Meinung zu bilden. Die Meinung des RAC mit einem Vorschlag zur harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung wird dann der Europäischen Kommission übermittelt. Die Kommission trifft die endgültige Entscheidung zur harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung im Rahmen eines Regelungsverfahrens mit Kontrolle, das zu einem entsprechenden Eintrag der Einstufung und Kennzeichnung im Anhang VI der CLP-Verordnung führt.

Sehr kritisch bewertet

Der Vorschlag zur harmonisierten Einstufung von Titandioxid wird von der deutschen Industrie sehr kritisch bewertet. Aus Sicht des Bundesverband der Deutschen Industrie e. V.  bestehen aus toxikologischer Sicht erhebliche Zweifel an der Grundlage des Vorschlags, da entgegen allen relevanten Leitlinien (z. B. von Europäischer Chemikalienagentur ECHA oder OECD) Ergebnisse aus „Lung-Overload“-Studien an Ratten auf den Menschen übertragen wurden. Zudem wäre die vorgeschlagene Einstufung aufgrund der automatischen Rechtsfolgen und der breiten Verwendung von Titandioxid in einer Vielzahl von Industriebranchen mit weitreichenden negativen Auswirkungen verbunden.

Titandioxid ist wegen der hervorragenden Eigenschaften ein Allround-Rohstoff in fast allen Industriebereichen. Der Stoff findet überwiegend als weißes Pigment sowie als (photokatalytische) Beschichtung breite Verwendung. Eine Einstufung als karzinogen hätte deshalb gravierende negative Auswirkungen auf nahezu alle Wertschöpfungsketten, obwohl allgemeine Staubeffekte bereits über den Staubgrenzwert geregelt sind.

Marktverlust von 25 bis zu 50 Prozent

In Deutschland wird an fünf Standorten mit einer Gesamt-Kapazität von ca. 480.000 Tonnen überwiegend das pigmentäre Titandioxid hergestellt. Deutschland ist damit weltweit das drittgrößte Produktionsland von Titandioxid, nach den USA und China. Die Einstufung von Titandioxid als karzinogen 1B könnte nach Schätzung des BDI in Europa einen Marktverlust von 25 bis zu 50 Prozent nach sich ziehen. Dies hätte erheblich Auswirkungen auch auf die Standorte in Deutschland.

Nach Abfallrecht würde die Einstufung von Titandioxid als krebserzeugend dazu führen, dass die Grenzwerte nach HP7 gelten und Abfälle bei entsprechenden Grenzwertüberschreitungen als gefährlich einzustufen wären. Die daraus automatisch erwachsenden Pflichten beim Umgang mit derartigem Abfall wären mit zahlreichen Erschwernissen und zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen verbunden.

Der Bundesverband will sich auf nationaler und europäischer Ebene für die Ablehnung des Vorschlages einsetzen. In einem ausführlichen Positionspapier nimmt er zum Einstufungsvorschlag für Titandioxid Stellung. 

Quelle: Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)