Auftaktkonferenz der IRBau: Schonung von Ressourcen durch hochwertiges Recycling

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Gründungsmitglieder der IRBau mit Staatssekretär Flasbarth (v.l.): T. Lauritzen, W. Lonsinger, S. Flamme, J. Flasbarth, A. Hillebrandt, A.v. Hagel, A.Rosen und R. Brunkhorst (Foto: IRBau 2017)

Berlin — Die „Initiative Ressourcenschonende Bauwirtschaft“ (kurz: IRBau) hat sich mit einer gut besuchten Konferenz am 31.5. in Berlin erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Inhaltlich ging es um den Ausbau der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, nach der Energieeffizienz das große Zukunftsthema für mehr Klimaschutz, schadstofffreie Bauprodukte und den effizienten Einsatz knapper Ressourcen.

Energieeffizienz und Klimaschutz beherrschen seit vielen Jahren die Bau- und Industriepolitik. Bislang wurde viel erreicht: der Energieverbrauch pro Quadratmeter sank kontinuierlich; Gebäude können heute sogar mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Kaum im Fokus der Öffentlichkeit liegt jedoch das Thema Kreislaufwirtschaft, das bislang eher mit Dosenpfand, Abfalltrennung und gelbem Sack verbunden ist. Dass beim Recycling noch viel Luft nach oben ist und Politik, Wissenschaft und Bauindustrie Großes vorhaben, zeigte die Konferenz der IRBau.

Noch viel zu wenig Beachtung

Im ersten Teil der von Annette von Hagel moderierten Konferenz stellte Rolf Brunkhorst (Schüco International KG) die IRBau und ihre Mitglieder vor und nannte als wichtigen Beweggrund für ihre Gründung, dass Recycling im Baubereich trotz hoher Zukunftsrisiken und -potentiale noch viel zu wenig Beachtung fände. Jochen Flasbarth (BMUB Staatssekretär) erläuterte im Anschluss die Rahmenbedingungen der deutschen Umweltpolitik beim Übergang zur modernen Kreislaufwirtschaft. Dazu verdeutlichte er auch den umfassenden Ansatz des deutschen Ressourceneffizienzprogramms. Er begrüßte die Gründung der IRBau und sagte seine Unterstützung sowie die von Gunther Adler (BMUB Staatssekretär) zu.

Matthias Kopp (WWF Deutschland) betonte das richtige Timing bei der Umsetzung von Maßnahmen für eine nachhaltige und effiziente Bauwirtschaft im Rahmen einer Dekarbonisierungsstrategie und plädierte für ein weitreichendes Umdenken zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Prof. Annette Hillebrandt (Universität Wuppertal) forderte Transparenz über die Materialzusammensetzung aller im Bauwesen verwendeten Stoffe zum Umwelt- und Verbraucherschutz und eine erhöhte Produktverantwortung der Hersteller. Das Ergebnis könnte ein „Gebäude-Rohstoff-Pass“ sein. Damit würde ein geplantes „Urban Mining“ ermöglicht. Die in der Immobilie gebundenen Ressourcen könnten nach Ablauf der Nutzungsdauer effizient weiter genutzt werden. Ihre Berücksichtigung als „Recyclingpotenzial“ würde bereits im Entwurfsprozess nachhaltig zur Wertsteigerung von Immobilien beitragen.

Am Lebenszyklus von Gebäuden orientieren

Auch die von Michael Hölker (Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel) moderierte, lebhafte Panel Diskussion mit Anja Rosen (agn Niederberghaus), Thomas Lauritzen (Schüco International KG) und Stephan Riemann (GF Lightcycle) betonte die Bedeutung von Urban Mining, Wertstoffkreisläufen und neuen Instrumenten für die Bauwirtschaft. Neben fehlenden oder unvollständigen Regeln für eine Kreislaufwirtschaft am Bau sei auch ein Umdenken bei Architekten und Planern sowie den beteiligten Industrie- und Bauunternehmen erforderlich. Ziele sollten eine Orientierung am Lebenszyklus von Gebäuden, ein klares Bewertungsschema nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien, z.B. nach dem Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) oder dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) sowie der Ausbau von Rücknahme- und Recyclingsystemen in der Bauwirtschaft sein.

Im zweiten Teil der Konferenz wies Dr. Markus Beukenberg (Vorstand WILO Gruppe) auf das große Recyclingpotential der technischen Gebäudeausstattung (TGA) hin. Am Beispiel der Wiederverwendung von Magneten aus seltenen Erden, die millionenfach in Pumpen zum Einsatz kommen, wurde deutlich, dass eine Dokumentation der TGA über den gesamten Lebenszyklus für eine nachhaltige und damit erfolgreiche Wiederverwendung der Materialien erforderlich ist. Hier könne die Modellierung der Bauwerksdaten (BIM) künftig entscheidende Beiträge leisten.

Prof. Dr. Sabine Flamme (FH Münster) zeigte die aktuelle Situation der deutschen Kreislaufwirtschaft am Bau. Um den Gebäudebestand stärker als Rohstoffquelle nutzen, wäre eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten bereits während der Planungsphase sowie deren Dokumentation notwendig. Herausforderungen für das Recycling stellten vor allem Verbundwerkstoffe und -konstruktionen sowie fehlende Informationen über Inhaltsstoffe in Baumaterialien dar. Begrenzte Entsorgungskapazitäten in Verbrennungsanlagen und auf Deponien würden den Handlungsdruck künftig weiter erhöhen. Kreislauf-Lücken in der Bauwirtschaft müssten geschlossen und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Informationsdefizite verringern

Reinhold Rünker (NRW-Wirtschaftsministerium) stufte die „Zirkuläre Wertschöpfung“, eine umfassende Kreislaufwirtschaft mit neuen Wertschöpfungsstufen, als bedeutendes Innovations- und Wachstumskonzept der Zukunft ein. Eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Rohstoffentnahme sei langfristig möglich, wenn Produkte von Anfang an so entwickelt werden, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus als Werkstoff in einen neuen Produktionsprozess eingehen können. Dabei betonte er die notwendige Verschränkung mit den modernen disruptiven Technologien wie Digitalisierung, additiver Fertigung etc. Manfred Fuchs (Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission) machte am Ende der Konferenz deutlich, dass die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, die Orientierung am Lebenszyklus von Gebäuden neben höherer Ressourceneffizienz und der Vermeidung gesundheitsschädlicher Baustoffe auch für die Arbeit der Kommission hochaktuelle Themen seien. Eine besondere Herausforderung werde es künftig sein, die Informationsdefizite in diesen Bereichen zu verringern. Am Ende der Konferenz traf diese Aussage auf allgemeine Zustimmung.

IRBau – Initiative Ressourcenschonende Bauwirtschaft Die Initiative Ressourcenschonende Bauwirtschaft (kurz: IRBau) ist eine unabhängige Allianz der Bauwirtschaft mit Mitgliedern aus Industrie, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Sie wurde 2016 gegründet. Die IRBau entwickelt gemeinsame Ziele zur Ressourcenschonung und kommuniziert diese an relevante Zielgruppen. Die IRBau möchte eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen durch Umsetzung einer echten zirkulären Wertschöpfung im Bauwesen erreichen. Zugleich will sie zur kommunikativen Aufklärung dieses Themas in Wirtschaft und Gesellschaft beitragen.

Die Gründungsmitglieder der IRBau sind Rolf Brunkhorst (Schüco International KG), Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme (Fachhochschule Münster), Annette von Hagel (PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH), Prof. Dipl.-Ing. Annette Hillebrandt (Bergische Universität Wuppertal), Thomas Lauritzen (Schüco International KG) Walter Lonsinger (Vorstandsvorsitzender A|U|F e.V.) und Anja Rosen (agn Niederberghaus & Partner GmbH)

Quelle: Fachhochschule Münster