bvse-Alttextiltag: Die Branche sollte offensiver werden

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MdB Peter Stein: Keynote Speaker auf dem 6. Internationalen Alttextiltag (Foto: bvse)

Bonn — In der internationalen Entwicklungspolitik spielt der Recycling- und Entsorgungsbereich eine große Rolle. Hier mit Wirtschaftskooperationen unterstützend tätig zu werden, bietet für die gut entwickelte deutsche Recycling- und Entsorgungswirtschaft – auch im Alttextilbereich – zusätzlich große Marktchancen. Das erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Stein in seiner Keynote-Speech auf dem 6. Internationalen Alttextiltag am 11. Mai in Warnemünde.

Vorreiter bei der Entwicklung neuer Ideen und Technologien

„Die Branche muss offensiver werden – unsere Zukunft ist, in die Welt hinauszugehen. Wir haben etwas anzubieten, beispielsweise im Bereich beruflicher Ausbildung. Bereits heute beginnen wir in bilateralen Projekt-Verträgen in Indien, die Aufnahme betrieblicher Ausbildung in den Ausschreibungsunterlagen als eine zwingende Voraussetzung für den Zuschlag zur Auftragserteilung zu nehmen. Jedoch fehlt das Ausbildungs-Know-how vor Ort. Mit dem Wissen um globale Zusammenhänge und die Fachexpertise über die vollständige textile Wertschöpfungskette hinweg, ist auch die deutsche Textilrecycling-Branche prädestiniert, dort tätig zu werden“, machte Stein deutlich.

„Das Know-how und die hochentwickelten Verfahren der Branche sind die Produkte für die Welt! Die Unternehmen des deutschen Mittelstandes sind Vorreiter, wenn es um die Entwicklung neuer Ideen und Technologien geht. Dieses Business sollte die Branche nicht nur nutzen, um Geschäfte abzuwickeln, sondern, um auch im Sinne einer Entwicklungszusammenarbeit Wirtschaftspartnerschaften zu bilden. Dabei darf die Branche ruhig Geld verdienen“, führte der Bundestagsabgeordnete weiter aus.

Alttextilbranche bedeutsam für Wirtschaftswachstum

Gerade im Hinblick auf das 2. und 3. Leben eines Kleidungsstücks spiele die Alttextilbranche eine große ökonomische und ökologische Rolle. „Es muss nicht doppelt und dreifach produziert werden. Arbeitsplätze werden weltweit geschaffen und Bedürftige und Arme mit bezahlbarer Kleidung versorgt. Zudem gibt es den Menschen, die ihre alte Kleidung spenden, ein gutes Gefühl“, so Stein. Der Wohlstand der Industriegesellschaft habe mit der Entwicklung im Textilbereich durch die Erfindung des Webstuhls begonnen und auch heute sei für die Entwicklungs- und Schwellenländer die Bedeutung der Textilwirtschaft für das Wirtschaftswachstum nach wie vor immens.

„Alleine in den asiatischen Schwellenländern hängen Millionen von Arbeitsplätzen an der Textilproduktion. Und dies mag in Zukunft auch für den afrikanischen Markt gelten“, prognostiziert Stein. Allein der Aspekt höherer Nachhaltigkeit dürfe dort aber nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen führen; vielmehr müsse gerade den jungen Menschen dort eine Perspektive geboten werden, „sonst machen sie sich auf den Weg“.

Mehr globale Kooperation nötig

Seiner Meinung nach müsse die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette muss auch den Afrikanern zur Verfügung stehen: „Wenn afrikanische Staaten im Zuge der Entwicklungs- und Partnerschaftsabkommen heute beginnen, ihre Märkte mehr zu schützen, zeigt dies eigentlich nur noch umso deutlicher das Problem auf. Der Ansatz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit liegt nicht darin, die Aktivitäten der Unternehmen vor Ort zu unterbinden, sondern Unterstützung zu geben – sich als deutsche Unternehmen in diese stark entwickelnden Märkte hineinzubegeben und vor Ort gemeinschaftlich und partnerschaftlich zu wirken.“

Es liege – so Stein – auch in der Verantwortung der entwickelten Welt, die Exportgewohnheiten und das Verbraucherverhalten den globalen Herausforderungen anzupassen. Konkret setze sich die Bundesregierung mit dem Bündnis für nachhaltige Textilien im Kontext von globalen Textilliefer- und Wertschöpfungsketten für mehr Arbeit und nachhaltiges Wirtschaften ein. Rund 200 Firmen und Organisationen, die etwa 60 Prozent des deutschen Textilhandels abbilden, haben sich in diesem Bündnis mit der ab 2018 zwingenden Verpflichtung angeschlossen, ihre Aktivitäten über die vollständige Liefer- und Nutzungskette hinweg transparent zu machen.

„Wir müssen uns vielmehr global aufstellen und kooperieren, wenn uns das Raumschiff Erde auch in Zukunft sicher tragen – und uns nicht um die Ohren fliegen soll!“, schlussfolgerte der Bundestagsabgeordnete Peter Stein.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.