Leitfaden: Wie sich Lebensmittelabfälle in der Ernährungsindustrie vermeiden lassen

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Food waste (Foto: © Thorsten Freyer /http://www.pixelio.de)

Witten/Herdecke — In Deutschland fallen jährlich schätzungsweise 11 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle an. Hiervon sind rund 1,85 Mio. Tonnen durch die Ernährungsindustrie verursacht; dies entspricht einem Anteil von etwa 17 Prozent. Daher hat das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung einen Leitfaden für Unternehmen der Ernährungsindustrie erarbeitet, der sie dabei unterstützen soll, Lebensmittelverluste besser zu identifizieren, zu erfassen und nicht zuletzt zu vermeiden.

Der Handel ist schätzungsweise für 5 Prozent des Gesamtaufkommens an Lebensmittelabfällen verantwortlich, Großverbraucher verursachen rund 17 Prozent und bei privaten Haushalten entstehen schätzungsweise 61 Prozent. Im Hinblick auf das Thema Lebensmittelverluste – so der Leitfaden – spielt die Lebensmittelindustrie dennoch eine zentrale Rolle, da sie unter anderem für Produktgestaltung und -kommunikation verantwortlich zeichnet und so verschiedentlich Einfluss auf Aufkommen bzw. Vermeidung von Lebensmittelverlusten hat. Das betrifft nicht nur die eigene Stufe der Lebensmittelkette, sondern auch indirekt vor- und nachgelagerte Stufen.

Der Leitfaden entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Lebensmittelabfalldaten für mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsbranche“ (LeDaNa)“. Darin ist zu lesen, dass zwar der politische Fokus gegenwärtig noch häufig auf die Stufe der Endverbraucher gerichtet. Dennoch sollten zukünftig sämtliche Akteure der Lebensmittelkette verstärkt in die Pflicht genommen werden. Dabei sollte vor allem an den Schnittstellen der Lebensmittelkette angesetzt werden, nicht separat auf einzelnen Stufen: „Denn ein nicht zu unterschätzender Teil der Lebensmittelverluste entsteht durch spezifische (ästhetische) Anforderungen, Vertragsklauseln oder Unternehmenspraktiken, die sich vor- oder nachgelagert auf das Verlustaufkommen auswirken.“ Im selben Atemzug sollten Industrie und Handel ihre privatrechtlichen Verträge und Normen einer eingehenden Überprüfung unterziehen und gemeinsam an stufenübergreifenden Vermeidungsmaßnahmen arbeiten.

Allerdings stellen die Autoren des Leitfadens auch klar: „Lebensmittelverluste stellen nicht allein die Akteure der Lebensmittelkette vor Herausforderungen, vielmehr sind Politik und Gesellschaft als Ganzes betroffen und in der Pflicht, Veränderungen mit anzustoßen. Denn letztlich lassen sich wirksame, zielführende Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten nur entlang der kompletten Lebensmittelkette unter gemeinsamer Kooperation der Akteure realisieren.“

Der Leitfaden zum Umgang mit Lebensmittelverlusten in der Lebensmittelindustrie kann unter plattform-nachhaltigkeit.com heruntergeladen werden.

Quelle: ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Private Universität Witten/Herdecke gGmbH)