VDM sieht Geschäftsklimaindex verbessert, doch befürchtet Protektionismus-Folgen

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Metallschrott (Foto: Marc Weigand)

Berlin — Ob Brexit, die chinesische Wirtschaftspolitik, die unklare Zukunft des türkischen Marktes oder Zolldrohungen aus den USA: Die deutschen Metallhändler sind alarmiert. Auf seiner Jahrespressekonferenz stellte der Verband Deutscher Metallhändler e.V. das Ergebnis des aktuellen Geschäftsklimaindex vor. Danach beurteilen 92 Prozent der Mitgliedsunternehmen ihre Lage als besser oder gleichbleibend im Vergleich zum Vorquartal.

Gleichzeitig warnt der VDM davor, die protektionistischen Tendenzen nicht aus den Augen zu verlieren. „Abschottungsmaßnahmen schränken den freien Handel ein und haben direkte Konsequenzen für unsere Mitglieder“, erklärt Thomas Reuther, Präsident des Verband Deutscher Metallhändler e.V.

Mit sinkenden Preisen gerechnet

Insgesamt ist die weltpolitische Situation der Märkte derzeit äußerst diffus. Obwohl bereits Preisschwankungen in einigen Industriemetallen zu verzeichnen sind und Planungsunsicherheiten bestehen, sind es vor allem konkrete Konsequenzen, die die Branche fürchtet. Eine interne Umfrage ergab, dass rund 70 Prozent der Metallhändler mit weniger Wachstum, 19 Prozent mit sinkenden Preisen rechnen, sofern beispielsweise Zölle erhoben werden. Wie realistisch und nah diese Gefahr ist, zeigt der amerikanische Beschluss zur Einführung von Zöllen für die Stahlindustrie sowie dem Vorhaben zur Ausweitung auf die Aluminiumhersteller. „Wir müssen aufpassen, dass die chinesischen Wettbewerber nicht an uns vorbeieilen und uns obsolet machen, indem sie mit Endprodukten in den deutschen Markt eindringen“, erklärt Thomas Reuther.

Den weltwirtschaftlichen Tendenzen zum Trotz bewerten Metallhändler die gegenwärtige Auftragslage sowie Erwartungen an die kommenden Monate als durchweg positiv. Damit geht die Branche den Weg weiter, der bereits zu Beginn des Jahres bergauf führte. „Grund für diese erfreulichen Aussichten sind in erster Linie die volatilen Märkte und eine konstante Konjunktur der deutschen Wirtschaft“, sagt Thomas Reuther. „Auch die stabilen Metallpreise geben unseren Mitgliedern Planungssicherheit und befeuern den Handel.“ Die Ausweitung der LKW-Maut wäre eine essentielle Bedrohung für kleine und mittelständische Betriebe.

Belastung durch finanzielle und bürokratische Hürden

Wichtiges Thema der Jahrespressekonferenz war zudem die Forderung nach einer Ausweitung der LKW-Maut auf alle LKW-Klassen und Straßen. Ins Spiel gebracht wurde das Vorhaben von Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts. Dies betrifft vor allem die LKW-Klassen zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen sowie die Metallhändler, die vornehmlich regional und auf Landstraßen unterwegs sind. Der VDM positioniert sich hier klar gegen eine solche Ausweitung.

„Bereits die Mehrkosten für die zu 2018 beschlossene LKW-Maut werden sich auf rund 61.000 Euro belaufen. Das wäre ein kompletter Vollzeitarbeitsplatz. Wie wir diese Kosten auffangen sollen, wissen wir heute noch nicht. Schon bei der heutigen Maut konnten wir die Kosten nicht an unsere Kunden

weitergeben. Eventuell müssen sogar Arbeitsplätze abgebaut werden“, erklärt Michael Diekmann, Mitglied des Vorstandes im VDM. „Eine weitere Ausweitung auf Klein-LKW würde Kleinbetriebe, wie Schrottsammler in der Existenz bedrohen. Dagegen müssen wir uns aufs Schärfste wehren.“

Die Belastung der Unternehmen durch finanzielle und bürokratische Hürden würde dadurch weiter ansteigen. Auch die neue Entsorgungsfachbetriebeverordnung ist dafür ein Beispiel. Diese verursacht nicht nur zusätzliche Kosten sondern stellt auch nicht vollständig ausgefüllte Formulare unter Strafe.

Quelle: Verband Deutscher Metallhändler e.V.