STFI: Neues Zentrum für Textilen Leichtbau in Chemnitz eröffnet

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Erste wissenschaftliche Projektarbeiten und Versuchen mit Carbonfaserabfällen am neuen Leichtbau-Zentrum (Foto: STFI/ Wolfgang Schmidt)

Chemnitz — Das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) ist seit 2006 auch ein An-Institut der Technischen Universität Chemnitz. Im 25. Jahr seines Bestehens hat es die Weichen in Richtung Zukunft neu gestellt. Das neue „Zentrum für Textilen Leichtbau“ will u.a. Verfahren zur Aufbereitung von Carbonfaserabfällen und Erzeugung von Faserkunststoffverbunden optimieren.

„In unserem neuen Leichtbau-Zentrum laufen bereits erste wissenschaftliche Projektarbeiten sowie Versuche, die wir im Auftrag von Industriekunden ausführen. Bestimmende Themen sind die Aufbereitung von Carbonfaserabfällen, die Herstellung textiler Halbzeuge und die Erzeugung von Faserkunststoffverbunden. Damit sind wir für die wachsenden Anforderungen in diesen Marktsegmenten bestens gerüstet“, berichtete STFI-Direktor Andreas Berthel. Die aus eigener Kraft getätigte Investition von über vier Millionen Euro sei der vorläufige Höhepunkt des vom STFI konsequent beschrittenen Weges auf dem Feld des textilen Leichtbaus, der vor rund zwölf Jahren mit dem Aufbau von Technika für Carbonfaservliesstoffe und Faserverbundstoffe sowie eines Prüflabors für Leichtbaustrukturen begann. Das neue Technikum ermögliche Arbeiten im semi-industriellen Maßstab.

Geschäftskontakte zu rund 800 Auftraggebern

Wie Friedmar Götz, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti), hervorhob, gehört das STFI zu den führenden Textilforschungseinrichtungen in Deutschland und darüber hinaus. Schwerpunkte in der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit des STFI sind Technische Textilien, Vliesstoffe und textiler Leichtbau. Das Institut unterhält Geschäftskontakte zu rund 800 Auftraggebern in 60 Ländern der Welt. Gegenwärtig bearbeiten die 150 Mitarbeiter des STFI über 100 Forschungs- und Entwicklungsprojekte, vier davon im Auftrag der Europäischen Union. Jedes Jahr meldet das STFI zirka zehn Patente bzw. Schutzrechte an.

Das Institut erhält keine staatliche Grundfinanzierung, d. h. Forschungsprojekte von Land, Bund und EU werden über Bewerbungsverfahren akquiriert. Außerdem bearbeitet es Aufträge aus der Industrie. Im Vorjahr belief sich der Gesamtumsatz auf 15 Mllionen Euro. Das STFI ist Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen. Eines seiner Tätigkeitsfelder sind Dienstleistungen für Industrie und Handel als akkreditierte Prüfstelle, darunter für den Öko-Tex Standard 100, sowie als Zertifizierungsstelle für persönliche Schutzausrüstungen und Geotextilien.

Ziel: das modernste textile Wertschöpfungsnetzwerk Europas

Ein vom STFI geführtes Forschungsnetzwerk ist seit Herbst 2016 Preisträger in dem von der Bundesregierung unterstützten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Das bislang größte textile Forschungsverbundvorhaben der BRD trägt den Titel „futureTEX – Ein Zukunftsmodell für Traditionsbranchen in der vierten industriellen Revolution“. Ziel von „futureTEX“ ist der Aufbau des modernsten textilen Wertschöpfungsnetzwerkes in Europa bis 2030. Die vier Basis-Themen lauten „Smart Factory“, „Mass Customization“, „Open Innovation“ und „Arbeitswelt 4.0“.

Im Resultat eines Wettbewerbs hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2013 einem vom STFI geführten Bewerber-Konsortium rund 45 Millionen Euro für branchenübergreifende interdisziplinäre Forschungsvorhaben zugesprochen. Im Rahmen des Projektes werden gegenwärtig zwei Forschungs- und Versuchsfelder aufgebaut, um den Unternehmen die Chancen der Digitalisierung zu demonstrieren. Gegenwärtig beteiligen sich rund 180 kleine und mittelständische Unternehmen, Institute sowie Verbände und andere Organisationen aus 14 Bundesländern an dem interdisziplinär angelegten Großprojekt. Laut Fördermittelrichtlinie des BMBF kommen mehr als 80 Prozent der Akteure aus den jungen Bundesländern.

Weitere Informationen zu futureTex sind unter www.futuretex2020.de erhältlich.

Quelle: Technische Universität Chemnitz