Projekt PlastX: Umweltbelastung durch Kunststoffe reduzieren

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Plastikmüll (Foto: © C. Falk/ http://www.pixelio.de)

München — Kunststoffe sind aus Computern, Autos und natürlich Verpackungen kaum mehr wegzudenken. Doch da sie so stabil sind und oft nicht adäquat entsorgt werden, sammelt sich immer mehr Plastikabfälle in den Meeren an. Um die Risiken durch Kunststoffe und mögliche Alternativen zu erforschen, beteiligen sich Forscher des Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung am Projekt PlastX.

„Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern gelangen Kunststoffe oft aus Achtlosigkeit in die Umwelt“, sagt Frederik Wurm, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz. „Aber in Ländern wie Deutschland, wo Plastikabfälle meistens in der Mülltonne oder im gelben Sack landen, liegt das Problem eher im ungewollten Kunststoff-Abfall, das heißt in Mikropartikeln, die von Autoreifen oder beim Waschen von Kunstfaser-Textilien abgerieben werden und in die Gewässer geraten.“

Um das Risiko abzuschätzen, das von den Kunststoffen ausgeht, wenn sie sich in der Umwelt statt der Mülltonne ansammeln, arbeiten die Chemiker um den Mainzer Forscher Frederik Wurm gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt und des Instituts für sozialökologische Forschung am Projekt PlastX. Die Forscher wollen darin auch mögliche Alternativen zu den gängigen Polymer-Materialien vorstellen und Vorschläge machen, wie man die Umweltbelastung durch Kunststoffe nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländer reduzieren kann. An dem Projekt, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, sind auch die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und verschiedene Unternehmen wie etwa die Supermarktkette Tegut beteiligt.

„Bislang ist aber noch nicht klar, inwieweit Kunststoffe vor allem in Form von Mikropartikeln für Tiere und Menschen gefährlich sind“, sagt Frederik Wurm. „Wir wissen zum Beispiel noch nicht, ob daraus Nanopartikel entstehen, die vom Körper viel besser aufgenommen werden als Mikropartikel.“ Unklar sei zudem, ob über die Plastikteilchen Schadstoffe in den tierischen oder menschlichen Organismus gelangen und ob sie dort dann auch von den Plastikteilchen abgelöst werden.

Eine Lösung des Problems wären Kunststoffe, die entweder biologisch oder durch Wasser, Luft und Licht in einer überschaubaren Zeit abgebaut werden. Genau an solchen Polymeren arbeiten der Mainzer Chemiker und seine Mitarbeiter. Sie erforschen Synthesewege für phosphathaltige Polymere. Diese Kunststoffe lösen sich im Wasser allmählich auf und bringen sich bereits für die eine oder andere Anwendung in Position. Etwa als abbaubare Flammschutzmittel oder als Beschichtung von Mikro- und Nanotransportern, die im menschlichen Körper einmal medizinische Wirkstoffe direkt zum Krankheitsherd bringen sollen. „Unsere Polyphosphorester eignen sich nur für solche relativ speziellen Anwendungen“, sagt Frederik Wurm. „Für kurzlebige Massenprodukte wie Verpackungen sind sie zu teuer.“

Die Mainzer Chemiker gehen nun folgendermaßen vor: „Wir analysieren jetzt erst einmal, was wir wollen, welche Alternativen zu gängigen Kunststoffen es bereits gibt und welche davon für die Umwelt unterm Strich am besten ist“, sagt Frederik Wurm. Um Mikropartikel aus den Gewässern fernzuhalten, bleibe wahrscheinlich ohnehin nur die Möglichkeit, Kläranlagen mit Filtern auszustatten, die diese Verunreinigungen aus dem Abwasser entfernen.

Weitere Informationen sind unter https://www.mpg.de/11252702/plastik-nicht-nur-muell erhältlich.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.