ALBA SE: Trotz Marktunsicherheiten für zukünftige Herausforderungen gut aufgestellt

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Axel Schweitzer (Foto: © ALBA Group)

Köln — In den vergangenen Jahren gestalteten sich die Märkte für Eisen- und Nichteisenmetalle äußerst schwierig. Globale Überkapazitäten, geringe verfügbare Schrottmengen und ein Preisverfall für Schrotte auf historische Tiefststände prägten die Metallmärkte. Wie der aktuelle Geschäftsbericht der ALBA SE ausweist, hat das Unternehmen gemeinsam mit seiner Muttergesellschaft ALBA Group frühzeitig zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Preisverfall abzufedern und sich für die Erholung der Märkte zu positionieren. Wie, erklärte Dr. Axel Schweitzer, Verwaltungsratsvorsitzender der ALBA SE, im Interview.

Herr Dr. Schweitzer, im Segment Stahl- und Metallrecycling ist der Umsatz im Geschäfts- jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 41,3 Prozent gesunken, das EBITDA ist aber nur um 2,0 Millionen Euro zurückgegangen. Das EBT hat sich sogar von –21,2 Millionen Euro auf –3,3 Millionen Euro verbessert. Wie ist das zu erklären? 

Axel Schweitzer: Hier spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Durch die enormen weltweiten Überkapazitäten waren die Rahmenbedingungen, wie erwartet, auch im vergangenen Jahr eine Herausforderung. Die Rohstahlproduktion in Deutschland reduzierte sich um 1,4 Prozent, in der Europäischen Union sogar um 2,3 Prozent. Die deutsche Elektrostahlproduktion, bei der überwiegend Stahlschrotte eingesetzt werden, sank in Deutschland um 1,3 Prozent. Entspre- chend entwickelten sich auch die Preise. Der Durchschnittspreis für eine Tonne Stahlschrott betrug 2016 168,40 Euro und lag damit um 21,40 Euro unter dem durchschnittlichen Wert von 2015. Auch der Markt für Nichteisen-Metalle war alles andere als einfach. Die Durchschnitt- preise sanken im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls.

Wir haben aus den seit Jahren schwierigen Rahmenbedingungen im Schrottmarkt frühzeitig die Konsequenzen gezogen und das Stahl- und Metallrecyclinggeschäft mit dem klassischen Entsorgungsgeschäft der ALBA Group eng verzahnt. Vor diesem Hintergrund haben wir uns konsequent von Unternehmen und Standorten getrennt, mit denen wir die geplanten Struktur- optimierungen nicht erreichen können.

Es kamen also niedrigere Preise und kleinere Mengen zusammen? 

Axel Schweitzer: Richtig. Beide Entwicklungen – Nachfrage- und Preisrückgänge sowie die Optimierung in der gesamten ALBA Group – führten zu dem geringeren Umsatz im Segment Stahl- und Metallrecycling. Dies hatte ebenfalls maßgeblichen Einfluss auf das EBITDA. Statt einer geplanten deutlichen Verbesserung sank das EBITDA von 7,9 Millionen Euro 2015 auf 5,9 Millionen Euro im Berichtsjahr.

Das EBT hat sich jedoch von –21,2 Millionen Euro auf –3,3 Millionen Euro besser entwickelt als erwartet. Grund dafür sind deutlich niedrigere Finanzierungsaufwendungen als angenommen infolge geringerer Cashpool-Verbindlichkeiten. Außerdem waren im zurückliegenden Geschäftsjahr – anders als 2015 – keine außerplanmäßigen Abschreibungen auf Firmenwerte und nur geringe Abschreibungen auf sonstige immaterielle Vermögenswerte notwendig.

Was erwarten Sie im Stahl- und Metallrecycling im laufenden Jahr? 

Axel Schweitzer: Auch wenn wir aktuell einen moderaten Aufwärtstrend in der Rohstahlproduk- tion mit entsprechenden Auswirkungen auf die Schrottnachfrage und die -preise sehen, ist der Markt mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Unsere Planungen für 2017 berücksichtigen deshalb anhaltend schwierige Bedingungen. Aufgrund unserer Maßnahmen rechnen wir aber für das laufende Geschäftsjahr nicht nur mit einem positiven EBITDA, sondern auch mit einem positiven EBT.

Wie entwickelte sich das Segment Dienstleistung 2016? 

Axel Schweitzer: Auf der einen Seite war das Segment Dienstleistung im Berichtsjahr geprägt von einem preisintensiven Wettbewerb und rückläufigen Vermarktungskonditionen für Kunststoffe. Auf der anderen Seite wirkten sich der private Konsum als Treiber der konjunkturellen Entwicklung und höhere Vermarktungserlöse für Pappe, Papier und Kartonagen positiv aus. Insgesamt ist es uns gelungen, die Umsatzerlöse im Dienstleistungsgeschäft um fast 20 Millionen Euro zu steigern. Maßgeblich dazu beigetragen haben das Duale System Interseroh sowie der internationale Bereich des Verkaufsverpackungsrecyclings.

Durch geschäftsmodellbedingte periodenfremde Effekte aus dem operativen Systemgeschäft wurden das für 2016 prognostizierte EBT und EBITDA weit übertroffen. Das EBT stieg von 31,1 Millionen Euro auf 32,5 Millionen Euro. Hierzu kam es infolge geringerer Abschreibungen der zur Veräußerung bestimmten langfristigen Vermögenswerte.

In diesem Jahr stehen einige Gesetzesvorhaben auf der Agenda der Bundesrepublik Deutschland. Was erwarten Sie von der Politik? 

Axel Schweitzer: Meine Erwartungen lassen sich schnell auf den Punkt bringen: Ich verlange von der Politik ein klares Bekenntnis zum Recyclingstandort Deutschland. Ob Verpackungs- gesetz, Gewerbeabfallverordnung oder Bundestagswahl – das laufende Geschäftsjahr bietet das Potenzial, um wesentliche Weichen zu stellen. Deutschland darf sich nicht weiter darauf ausruhen, führend in Sachen Umwelttechnologie zu sein – wir müssen daran arbeiten, diese Führung auch weiter zu behaupten. Es ist an der Zeit, das Beste für die Kreislaufwirtschaft und den Ressourcenschutz zu erreichen. Von der Politik erwarte ich, dass sie dafür die erforderlichen Rahmenbedingungen schafft.

Was bringt das laufende Geschäftsjahr für die ALBA SE?

Axel Schweitzer: Die ALBA SE ist für zukünftige Herausforderungen gut aufgestellt. Alle Maß- nahmen, die wir gemeinsam mit unserer Muttergesellschaft ALBA Group auf den Weg gebracht haben, ermöglichen es uns, einerseits Preissenkungen für Schrotte abzufedern und anderer- seitsvoneinerErholungderMärktezuprofitieren.

Wir arbeiten gemäß unserem Leitbild und den Anforderungen und Wünschen unserer Kunden an der Entwicklung neuer Zero-Waste-Solutions. Denn wir haben uns in der ALBA Group – und damit auch in der ALBA SE – das Ziel gesetzt, die Nummer eins zu werden. Nicht beim Umsatz, denn Größe ist kein Wert an sich. Wir möchten die Nummer eins in der Leistung sein. Wir arbeiten an der besten Qualität recycelter Rohstoffe und den besten Innovationen. Wir wollen die beste Umweltbilanz und maximale Kundenfreundlichkeit und -orientierung. Das ist ein Marktvorteil, den wir konsequent verfolgen und ausbauen.

Das vollständige Interview kann im Geschäftsbericht 2016 der ALBA SE nachgelesen werden. 

Quelle: ALBA SE