Arbeitsgemeinschaft EHDA will HBCD-Einstufung als „gefährlicher Abfall“ stoppen

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Styropor-gedämmte Hausfassade (Foto: marcin049 / Pixabay)

Berlin — Die neu gegründete Aktionsgemeinschaft „Sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen“ (AG EHDA) besteht aus 17 Unternehmen und Verbänden aus Handwerk, Fachhandel, Bau-, Dämmstoff-, Entsorgungs- und Kunststoffbranche. Sie begrüßt das 12-monatige Moratorium und das Bestreben der Bundesländer und des Bundesumweltministeriums, eine einheitliche, praxistaugliche Lösung zur Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen zu erarbeiten. Die AG EHDA bietet den politischen Entscheidungsträgern für die Lösungsfindung ihre Gesprächsbereitschaft und Unterstützung an.

Die AG betont, dass die energetische Verwertung HBCD-haltiger Dämmstoffabfälle in thermischen Abfallbehandlungsanlagen und gemischt mit anderen Abfällen einerseits ein jahrzehntelang bewährter, für Mensch und Umwelt sicherer und zudem wirtschaftlicher Prozess ist. Andererseits haben die akuten Entsorgungsengpässe im Herbst 2016 gezeigt, dass die Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen als „gefährlicher Abfall“ nicht wie geplant zu einer besseren Nachverfolgung und Ausschleusung des als POP-Stoff klassifizierten HBCD führt. Stattdessen wurde ein etablierter Entsorgungsweg zum Erliegen gebracht.

Etablierte Wege wieder nutzen

Durch die Rückkehr zur alten Verfahrensweise aus der Zeit vor dem 30.9.2016, gegebenenfalls ergänzt durch eine angepasste Dokumentationspflicht, könnten etablierte Wege der Ausschleusung und Zerstörung des POP-Stoffs HBCD wieder genutzt werden. Zurzeit gibt es noch keine alternativen Verwertungsverfahren im Markt. Die AG EHDA sieht sich auch als Plattform, weitere Ansätze für zukünftige Entsorgungswege zu entwickeln.

Auf Basis des weltweiten Handels- und Verwendungsverbots für das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) unterstützt die Aktionsgemeinschaft das Vorhaben der Politik, HBCD aus dem Stoffkreislauf aus zu schleusen und dies auch zu dokumentieren. AG EHDA ist gerne bereit an der umweltgerechten Entsorgung von Dämmstoff-Abfällen mit HBCD mitzuwirken. Die Einstufung als „gefährlicher Abfall“ ist für die umweltgerechte und nachverfolgbare Entsorgung nicht notwendig, sondern kann die reibungslose Ausschleusung erschweren. Der Entsorgungsengpass im Herbst 2016 hatte nicht nur negative Auswirkungen auf die energetische Gebäudesanierung, sondern hat auch die Existenz von Handwerksbetrieben, insbesondere von Dachdeckern, gefährdet.

Wirtschaftliche Entsorgung mit kontrollierter Ausschleusung

Die Aktionsgemeinschaft engagiert sich für eine transparente und bundesweit einheitliche Lösung nach Ablauf des Moratoriums am 31. Dezember 2017. Diese Lösung muss einen sicheren und wirtschaftlich darstellbaren Entsorgungsweg ermöglichen und zugleich die kontrollierte Ausschleusung von HBCD aus dem Stoffkreislauf sicherstellen. Durch die Rückkehr zur alten Verfahrensweise aus der Zeit vor dem 30.9.2016, gegebenenfalls ergänzt durch eine angepasste Dokumentationspflicht, könnten etablierte Wege der Ausschleusung und Zerstörung des POP-Stoffs HBCD wieder genutzt werden. Zurzeit gibt es noch keine alternativen Verwertungsverfahren im Markt. Die AG EHDA sieht sich auch als Plattform, weitere Ansätze für zukünftige Entsorgungswege zu entwickeln.

Unterstützung durch bvse und BDE

Gegenüber Stimmen, die HBCD-haltige Dämmplatten ab dem 1. Januar 2018 wieder zu gefährlichen Abfällen einstufen wollen, wendet bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock ein: „Der bvse warnt vor einem solchen Schritt. Umgehend würden wieder gravierende Entsorgungsprobleme entstehen. Es gibt heute keinen Grund, HBCD-haltiges Dämmmaterial als gefährlichen Abfall einzustufen und den wird es auch nach am 31. Dezember 2017 nicht geben. Das Material wurde in der Vergangenheit ordnungsgemäß der Verbrennung bzw. der energetischen Verwertung zugeführt und das wird auch in Zukunft so erfolgen. Wir hoffen daher, dass die Skeptiker in den nächsten Monaten erkennen werden, dass es keinen Grund dafür gibt, das Material wieder zu einem gefährlichen Abfall zu machen und somit der Weg für eine dauerhafte Lösung bereitet wird. Zusammen mit der Aktionsgemeinschaft ‚AG EHDA‘ werden wir daher für eine tragfähige und vernünftige Lösung arbeiten.“

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. unterstützt die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft, um HBCD-haltige Dämmstoffabfälle wieder als „nicht gefährlichen Abfall“ einzustufen. Das derzeitige Moratorium läuft am 31. Dezember 2017 ab. Nach jetzigem Stand würde HBCD danach wieder als „gefährlicher Abfall“ eingestuft. BDE-Präsident Peter Kurth: „Dazu darf es nicht kommen. Die Entsorgungsengpässe im Herbst 2016 haben allen Beteiligten gezeigt, dass die Einstufung keinen Mehrwert bietet und nur unnötige Probleme schafft.“

Weitere Informationen sind unter agehda.de erhältlich.

Quellen: AG ADEH, bvse, BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.