Deutsche Unternehmen noch reserviert gegenüber Ökodesign

416
Fragebogen (Foto: © einzmedia /http://www.pixelio.de)

Köln — Unabhängig von der Ökodesign-Richtlinie nutzen in Deutschland bislang recht wenige Unternehmen die Idee des Ökodesigns, um ihre Materialeffizienz zu steigern: Rund 37 Prozent der im Rahmen des IW-Zukunftspanels befragten Industriefirmen sagen, an ihren Produkten ließe sich mithilfe von Ökodesign kein Material sparen.

Dies betrifft vor allem kleinere Betriebe. Weitere 9 Prozent der Unternehmen achten noch nicht auf umweltfreundliches Produktdesign und 21 Prozent tun dies nur in geringem Maß. Das erscheint zumindest vor dem Hintergrund erstaunlich, dass eine verbesserte Materialeffizienz nicht nur die Umwelt schont, sondern auch Produktionskosten verringern kann.

Produktdesign korreliert mit Digitalisierung

Bei jenen 12 Prozent der Unternehmen, die Ökodesign großschreiben, fällt auf, dass vier von zehn Herstellern mit einem starken Fokus auf Ressourcenschonung in der Produktentwicklung auf eine gute digitale Vernetzung setzen, um dieses Ziel zu erreichen. Damit sind sie überdurchschnittlich fortschrittlich aufgestellt. Denn von denjenigen Unternehmen, die Ökodesign nur mäßig oft oder kaum einsetzen, hat lediglich jedes neunte beziehungsweise keins seine interne und externe digitale Vernetzung forciert.

Dass ressourcenschonendes Produktdesign und Digitalisierung oft Hand in Hand gehen, hat vor allem einen Grund: Wenn ein Hersteller mit seinen Lieferanten und Kunden digital verbunden ist, hilft ihm das, Innovationspotenzial zu heben und seine Prozesse und Produkte zu optimieren.

Ökodesign: mittels Verordnung erlassen

Die Ökodesign-Richtlinie der EU existiert seit 2005. Sie wurde über das Energiebetriebene-Produkte-Gesetz in deutsches Recht überführt. Daraus folgten unter anderem die Regulierung des Stand-by-Verbrauchs und das Verbot von Glühbirnen. Im Jahr 2009 bezog die EU auch energieverbrauchsrelevante Produkte in ihre Richtlinie ein; Deutschland setzte dies 2011 in nationales Recht um.

Angewendet werden darf die Richtlinie allerdings nur auf Produkte, die in der EU in erheblichen Mengen verkauft und gehandelt werden, die erhebliche Umweltauswirkungen haben und deren Umweltverträglichkeit sich spürbar und relativ kostengünstig verbessern lässt.

Gezielte Ökodesign-Anforderungen für einzelne Produkte oder Produktgruppen legt die EU in sogenannten Durchführungsmaßnahmen fest, die dann mittels Verordnung erlassen werden. Einer Durchführungsmaßnahme gehen in aller Regel gründliche Studien voraus.

EU will Ressourceneffizienz vorantreiben

Enthalten kann eine solche Maßnahme dann konkrete technische Vorgaben für ein Produkt – so brauchen zum Beispiel Waschmaschinen für den Haushalt ein 20-Grad-Programm – oder auch Pflichtangaben für die Bedienungsanleitung. Außerdem kann die EU auf die Einhaltung bestimmter messbarer Grenzwerte pochen, etwa den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten reglementieren oder die Mindestbrenndauer von Lampen vorgeben.

Hält ein Produkt alle EU-Vorschriften ein, darf der Hersteller dies mit dem CE-Kennzeichen dokumentieren. Es besagt: Dieses Produkt darf in der EU verkauft und benutzt werden.

Nun will die EU die Ressourceneffizienz weiter vorantreiben und hat dazu Ende 2015 einen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft vorgelegt. In Rahmen eines Arbeitsprogramms für die Jahre 2016 bis 2019 soll der Beitrag des Ökodesigns zur Kreislaufwirtschaft ausgeweitet werden. Künftige Durchführungsmaßnahmen sollen demnach über die Energieeffizienz hinausreichende Kriterien einbeziehen, dazu gehören Nachhaltigkeit, Reparierbarkeit, Nachrüstbarkeit, demontagefreundliche Konstruktion, einfache Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit.

Was so komplex klingt, könnte allerdings auch kompliziert werden. Die Kunst wird für die EU-Kommission darin bestehen, mit ihren neuen Regeln zur Materialeffizienz die Energieeffizienz nicht zu torpedieren, sämtliche Kriterien überprüfbar zu gestalten und den Wettbewerb um Materialien und Technologien nicht durch zu spezifische Vorgaben auszubremsen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft