Bürokratie-Wertstoffe: Plant BMUB weitere Abfalltonne?

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Die "Ganz Graue Tonne" (2.v.l.) (Foto: Tomasz Mikolajczyk / Pixabay)

München, 1. April — Wie aus möglicherweise gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, plant das Bundesumweltministerium die Einführung eines weiteren Abfallsammelbehälters. In der neuen „Ganz Grauen Tonne“ (kurz: GGT) sollen alle Abfall- und Reststoffe gemischt gesammelt werden, die in der Bürokratie des öffentlichen Dienstes anfallen.

Die in Bälde startende Kampagne für den neuen Büro-Container läuft unter dem Slogan „BÜR“ für Bürokratie-Überbleibsel-Restabfälle. Sie ist an alle Beamten und Angestellten im öffentlichen höheren, mittleren und niedrigen Dienst gerichtet und zielt ab auf die Erfassung von Rest- und Wertstoffen wie Heftern, Papieren, Kunststoffen oder auch Rotstiften.

Für deren stoffliche Verwertung wurden im Ministerium bereits erste Zielvorschläge erarbeitet. Metall-haltige Produkte wie Locher, Brieföffner oder Büroklammen werden eingeschmolzen; das Metall dient der Herstellung von zweirädrigen Rollern, um die innerbehördlichen Dienstwege zu beschleunigen. Den Rotstiften werden die Minen entzogen, geshreddert und zur Produktion neuer rosaroter Brillen verwendet, um Antragsteller oder sonstige Petenten für die Beamten in angenehmerem Licht erscheinen zu lassen. Eventuell anfallendes Plastik lässt sich zu farbenfrohen Besucherstühlen weiterverarbeiten, die sich bei Nichtgebrauch stapeln lassen (die Stühle) und auf tristen Behördenfluren eine freundliche Atmosphäre verbreiten.

Für das Papier ist geplant, es werkstofflich zu verwerten und zu Papiertaschentüchern zu verarbeiten, die die Beamten alltäglich brauchen, wenn sie verschnupft über die unmäßigen Forderungen von Antragstellern sind oder bittere Tränen über die Undankbarkeit ihrer Besucher vergießen müssen. Und letztlich sollen überflüssige Paragraphen aus wichtigen Erlassen gesammelt und in einem Datenpool zwischengelagert werden, um sie später an belanglosere Richtlinien anzuhängen, die damit bedeutungsvoller aussehen.

Als Schirmherr für die GGT-Kampagne ist der ehemalige EU-Kommissar Edmund Stoiber im Gespräch, der auf diesem Gebiet über einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen verfügen soll.

Quelle: 1. April