Zweiter bifa-Talk im Technikum: Ist Deutschlands Abfallwirtschaft noch Spitze?

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Quelle: bifa Umweltinstitut

Augsburg — Die Frage, ob Deutschland in der Abfallwirtschaft noch an der Spitze ist, diskutierten die 200 Gäste des Augsburger bifa Umweltinstituts am 28. März 2017 im dortigen Technikum. In Vorträgen und einer lebhaften Podiumsdiskussion trafen sieben deutsche und internationale Experten aufeinander. Anschließend feierte bifa mit einer Festrede sein 25-jähriges Jubiläum und mehr als 1.000 abgeschlossene Projekte.

„Was heißt eigentlich Spitze in der Abfallwirtschaft?“ fragt bifa Geschäftsführer Prof. Wolfgang Rommel. Kommt es auf hohe Recyclingquoten, geringe Umweltbelastungen oder geringe Abfallmengen, auf niedrige Gebühren oder Geld in den richtigen Taschen an? Reden wir in Deutschland noch über die richtigen Themen? Haben wir uns zu sehr auf unseren Erfolgen ausgeruht? Sind wir zu perfektionistisch? Neigen wir heute eher zu populären Aktivitäten als zu effektiven Maßnahmen?

Per Video-Übertragung stellte Erik Hunt, Wirtschaftsattaché des Generalkonsulats München, die Situation in den USA dar. Hier sei noch einiges zu tun, aber Amerika komme gut voran. Hunt versicherte: „Wir Amerikaner wollen die Umwelt schützen, und wir wollen dazu auch das Recycling voranbringen.“

Entsorgungswirtschaft braucht Anreize

Prof. Roland Pomberger, Montanuniversität Leoben, wies auf den Konflikt zwischen marktoptimaler und ökologisch optimaler Recyclingrate hin. Entsorgungswirtschaft brauche Anreize, denn „Abfall geht immer den Weg des geringsten Geldes“. Man müsse aber auch bedenken, dass der genaue Nachweis der Recyclingquote wenig aussagt, wenn in Österreich beispielsweise von 240.000 Altfahrzeugen nur 50.000 im Lande recycelt werden.

Laut Henning Krumrey, Leiter Unternehmenskommunikation & Politik des Entsorgungsunternehmens ALBA, ist in China noch vieles im Argen. So würden allein im Fluss Jangtse jährlich 14 Milliarden Tonnen Abfall entsorgt. China entwickle sich aber schnell und zielstrebig weiter und werde seine Umweltprobleme in den Griff bekommen. Die Nation investiere große Summen in modernste Technologien. Dies sei für die deutsche Wirtschaft eine echte Chance.

Abfallwirtschaft kann Umweltprobleme nicht alleine lösen

„Es kommt auch auf die richtigen Ziele an“, meinte Dr. Karine Siegwart, Vizedirektorin des Schweizer Bundesamtes für Umwelt. So würde der größte Teil der Umweltbelastungen von Produkten verursacht und nicht von deren Verpackung. Auch könne die Abfallwirtschaft das Problem der Umweltbelastung nicht alleine lösen. Wichtig seien auch Ökodesign, Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Produkten sowie nachhaltige Gewinnung von Rohstoffen.

Otto Heinz, Präsident des Verbands der Bayerischen Entsorgungsunternehmen wies darauf hin, dass aus deutschen Haushalten jährlich zusätzlich 4,8 Millionen Tonnen Bioabfälle getrennt gesammelt werden könnten, aber immer noch nicht alle Landkreise die Biotonne anbieten. Im Restmüll fänden sich jährlich pro Kopf ein bis zwei Kilogramm Elektrokleingeräte. Auch könnten mit einer trockenen Wertstofftonne jährlich bis zu fünf Kilogramm Wertstoffe pro Kopf zusätzlich gesammelt werden.

Mehr als 1.000 Projekte

Anschließend feierte bifa sein 25-jähriges Jubiläum. Prof. Rommel wies auf die mehr als 1.000 Projekte hin, die bifa in dieser Zeit mit 40 Mitarbeitern bearbeitet hat. bifa sei kein typisches Forschungsinstitut: „Wir wollen nicht nur Fachartikel publizieren. Wir wollen, dass unsere Ideen umgesetzt werden.“

In diesem Sinne hob Staatssekretär Franz Josef Pschierer in seiner Festrede die weit über Bayern hinaus erfolgreiche Arbeit von bifa hervor. Ebenso betonten Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Augsburg, die Bedeutung des Instituts für die schwäbische Umweltkompetenz.

Quelle: bifa Umweltinstitut GmbH