Schweizer BAFU liefert Entscheidungshilfe über biologisch abbaubare Werkstoffe

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Biogas-Anlage (Foto: Jan Nijman /pixabay)

Bern, Schweiz — Biokunststoffe oder richtigerweise Biologisch Abbaubare Werkstoffe (BAW): Sie werden als nachhaltiger Weg im Übergang von fossilen zu biogenen Rohstoffen betrachtet, führen aber auch zu Verwirrung und Verwechslungen bei KonsumentInnen sowie der Entsorgungsbranche. Eine neue Studie gibt eine Übersicht über die aktuelle Situation von BAW in der Schweiz und hat Grundlagen für den Entscheid ihrer Verwertung entlang der Grüngutschiene, also in Vergärungs- und Kompostierungsanlagen erarbeitet.

In der Schweiz bestimmen ein gutes Dutzend Player den dynamischen BAW-Markt. Insgesamt sind der Studie zufolge jährlich ca. 3.000Tonnen an BAW-Produkten auf dem Schweizer Markt, vor allem in Form von Behältern, Trinkbechern und Grünabfallbeuteln. Die eingesetzten Materialien sind in erster Linie Zellulose- und Faserprodukte auf der Basis von Zuckerrohr- und Palmblättern. Als Grünabfälle werden jährlich rund 640 Tonnen BAW entsorgt.

Die beiden Hauptfaktoren, welche den Abbau von BAW in Vergärungs- und Kompostierungsanlagen beeinflussen, sind Temperatur und Abbauzeit, also die Verweilzeit im biologisch aktiven Milieu. Werden BAW Produkte nicht abgebaut, können sie zur Beeinträchtigung von Apparaten und betrieblichen Abläufen führen oder auch die visuelle Qualität von Gärgut und Kompost als Endprodukten beeinträchtigen. Über die ökologische Relevanz nicht abgebauter BAW im Boden und eine mögliche Akkumulation besteht keine Klarheit.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass zur Beurteilung der biologischen Abbaubarkeit von BAW eingesetzten Testverfahren die Bedingungen in realen Anlagen nur ungenügend wiedergeben. Die Attribute „biologisch abbaubar“ und „kompostierbar“ resp. „vergärbar“ seien nicht geeignet, das Verhalten unter sämtlichen Realbedingungen abzubilden. Während thermophile Vergärungen bei 55 °C generell zur Erreichung eines weitgehenden Abbaus von BAW tauglich sind, stossen mesophile Biogasanlagen bei 35 bis 42 °C beim BAW-Abbau an Grenzen. Industrielle Platzkompostierungen erreichen für die meisten BAW einen weitgehend gesicherten Abbau. Bei Feldrandkompostierungen ist dies für gewisse BAW nicht der Fall.

Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, stehen Branche und Anlagenbetreibern keine zuverlässigen und praxistauglichen Methoden zum Nachweis und zur qualitativen Analytik von BAW und generell von Kunststoffen in den Produkten zur Verfügung. Der Bericht über „Produkt- und sortenspezifische Beurteilung der Eignung von biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW) zur Verwertung in Schweizer Biogas- & Kompostieranlagen“ soll Klarheit schaffen. Er wurde von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. dem ICBT Institut für Chemie und Biotechnologie und der Fachstelle Umweltbiotechnologie CH imAuftrag des Schweizer BAFU Bundesamt für Umwelt erstellt.

Das Dossier des BAFU zum Thema kann unter bafu.admin.ch(1) eingesehen werden. Der Schlussbericht steht unter bafu.admin.ch(2) zum Download bereit.

Quelle: BAFU Bundesamt für Umwelt