ReUse-Conference fordert Trennung von Recycling- und Wiederverwendungsquote

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Glasflaschen-Produktion (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Berlin — Mehrwegsysteme sollten viel stärker als bisher im aktuellen EU-Kreislaufwirtschaftspaket berücksichtigt werden. Hierzu müssten verbindliche Ziele zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und zum Ressourcenverbrauch festgelegt werden. Dazu forderten gestern auf der ReUse-Conference in Brüssel die Konferenzveranstalter Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Europäische Verband der Getränkefachgroßhändler (Cegrobb), die Vereinigung kleiner und mittelständischer Brauereien in Europa (S.I.B.) und die Reloop-Plattform die Europäische Kommission auf.

Mehrwegsysteme spielen eine besonders wichtige Rolle bei der Umsetzung der fünfstufigen europäischen Abfallhierarchie. Nicht vermeidbare Abfälle sollten in abnehmender Prioritätenfolge wiederverwendet, recycelt, verwertet oder beseitigt werden. Mehrwegverpackungen entsprechen dieser Zielfolge in idealer Weise und schneiden besser ab als das Recycling. Die Wiederverwendung von Verpackungen und Produkten spare im Vergleich zur ständigen Neuherstellung nicht nur Ressourcen ein, vermeide Abfälle und schütze das Klima, sondern sei auch ein Motor zur Schaffung grüner Arbeitsplätze in der Region.

In Europa muss ein Umdenken stattfinden

Damit wirksame Maßnahmen zur Abfallvermeidung und zur Förderung der Wiederverwendung ergriffen werden, braucht es nach Ansicht des DUH-Bundesgeschäftsführers Jürgen Resch klare Vorgaben zur Verringerung des Aufkommens von Siedlungsabfällen. „In Europa muss ein Umdenken stattfinden. Abfälle sollten nicht als gegeben hingenommen, sondern aktiv vermieden werden. Zielquoten zur Abfallvermeidung stärken Maßnahmen zur Wiederverwendung und tragen zum Aufbau von Mehrwegsystemen bei. Die Wiederbefüllung von Mehrwegflaschen und der Transport von Obst und Gemüse in Mehrwegkisten werden einen Sprung nach vorne machen.“ Für Restabfälle sollte ein Ziel von maximal 150 kg in 2025 und 130 kg in 2030 pro Jahr und Einwohner gelten. Für Verpackungsabfälle sollte das Ziel maximal 120 kg in 2025 und 90 kg in 2030 pro Jahr und Einwohner betragen. Im Durchschnitt verursacht jeder Europäer derzeit etwa 260 kg Restabfälle und etwa 160 kg Verpackungsabfälle.

Trennung von Recycling- und Wiederverwendungsquote

Günther Guder, Präsident von Cegrobb, weist darauf hin, dass es für die Wiederverwendung und das Recycling keine gemeinsame Zielquote geben darf, so wie es bislang im von der EU-Kommission vorgelegten Entwurf des Kreislaufwirtschaftspakets vorgesehen ist. „Einerseits würde eine gemeinsame Quote zu weniger Recycling führen, da z.B. ohnehin vorhandene Mehrwegsysteme hinzugerechnet würden; andererseits gäbe es kaum Anreize für eine Stärkung der Wiederverwendung. Nur durch eine Trennung der Recycling- und Wiederverwendungsquote kann sichergestellt werden, dass die Abfallhierarchie eingehalten, die Wiederverwendung gefördert wird und der Fokus der Wirtschaft sich nicht überwiegend auf das Recycling richtet.“

Zur konkreten Umsetzung von Mehrwegpotentialen fordert Reloop-Geschäftsführerin Clarissa Morawski separate Wiederverwendungsquoten für Verkaufs-, Transport- und Getränkeverpackungen. „Das Europaparlament hat sich für Wiederverwendungsquoten von Verpackungen zwischen 5 und 10 Prozent ausgesprochen. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings müssen diese Ziele verbindlich sein. Zusätzlich zu diesen Zielen brauchen wir eine noch klarere Abgrenzung zwischen unterschiedlichen Systemen, wie beispielsweise Getränkeflaschen, Transportkisten oder herkömmlichen Verkaufsverpackungen.“ Für Verkaufs-, Transport- und Getränkeverpackungen sollte daher der verbindliche Anteil wiederverwendeter Verpackungen an der in Verkehr gebrachten Menge um 10 Prozent bis 2025 und um weitere 20 Prozent bis 2030 im Vergleich zum Stand von 2018 erhöht werden.

Wiederverwendung durch Anreize fördern

„Auf europäischer Ebene müssen wiederverwendbare Verpackungen durch ökonomische Anreize gefördert werden“, sagt Jürgen Resch. „So lange es billiger ist, das ökologisch Falsche zu tun und auf Einweg- oder Müllverbrennung zu setzen, fehlt für die meisten Unternehmen der Anreiz, nachhaltiger zu wirtschaften. Steuerliche Vorteile für Mehrwegverpackungen wären eine Möglichkeit deren wirtschaftliche Attraktivität deutlich zu steigern. Die EU-Kommission sollte hier klare Handlungsempfehlungen aussprechen.“

Damit Verbraucher ihre Kaufentscheidung zugunsten ökologischer Mehrwegverpackungen treffen können, sollten diese gut sichtbar als Mehrweg oder Einweg auf dem Produkt gekennzeichnet werden. Dies ist insbesondere bei Getränkeverpackungen notwendig, weil es sowohl Mehrweg- als auch Einwegflaschen aus Glas und Plastik gibt und im Fall von Pfandsystemen beide wieder im Handel zurückgegeben werden.

Pfandsysteme für Einweg-Getränkeverpackungen

Die Einführung von Pfandsystemen für Einweggetränkeverpackungen kann auch die Einführung von Mehrwegflaschen erleichtern. Der Aufbau von Infrastrukturen zur Rücknahme von Einweg ermöglicht gleichfalls die problemlose Rücknahme von Mehrweg. Pfandsysteme sind darüber hinaus besonders gut geeignet, die Verschmutzung der Umwelt mit Plastikflaschen zu stoppen und Wertstoffe für denselben Einsatzzweck bereitzustellen. Aus diesem Grund sollten europaweit Pfandsysteme auf Einwegplastikflaschen und Getränkedosen eingeführt werden.

Zum sechsten Mal zeichnen die DUH, Cegrobb, S.I.B. und Reloop richtungsweisende Beispiele zur Optimierung und Stärkung von Mehrwegsystemen mit dem European Refillable Award aus. In diesem Jahr wird die Auszeichnung an die Logipack Pool GmbH verliehen, welche durch neutral gestaltete Multipack-Kisten, standardisierte Trays für Einzelflaschen, einheitliche Mehrwegfässer und durch sechs Sortierzentren in Deutschland Transportentfernungen von Mehrwegflaschen stark verkürzt. Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und das Klima entlastet. Das Beispiel der Logipack Pool GmbH ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und sollte europaweit Schule machen.

Das gemeinsame Positionspapier „Reuse“ ist unter duh.de zu finden.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V.