EUMICON Rohstoffenquete 2017: Digitalisierung braucht Rohstoffe

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Quelle: EUMICON

Wien — „Rohstoffe sind die Basis jeder erfolgreichen Wirtschaft. Ohne die entsprechenden Rohstoffe gibt es keine Energiewende, keine schnellen Breitbandnetze, keine Elektromobilität und keine Industrie 4.0“, erklärte Franz Friesenbichler. Am 15. März eröffnete er als Eumicon-Präsident und Obmann des Fachverbandes Bergbau-Stahl in der Wirtschaftskammer Österreich die diesjährige Konferenz der Europäischen Rohstoffinitiative Eumicon.

Friesenbichler sieht die Mineral-Rohstoffindustrie in einer Schlüsselrolle. Die Themenpalette reicht von der Prozessanalyse und Prozessoptimierung als Voraussetzung für die Digitalisierung bis zu Technologien der Automation und der Robotik. Dabei steht die Betrachtung der Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette vom Bergbau bis zum fertigen Industrieprodukt im Vordergrund. „Durch die Digitalisierung ändern sich auch die Anforderungen an die Arbeitnehmer, die angepasste Ausbildungskonzepte und Qualifizierungsmaßnahmen erfordern“, stellte Friesenbichler die Bedeutung der Fachkräfteausbildung in den Mittelpunkt. Die Investition in die Ausbildung sichere ein gutes Arbeitskräfteangebot sowie hochwertige und spannende Arbeitsplätze gleichermaßen. Der steigende Bedarf an Rohstoffen und an qualifizierten Mitarbeitern sichere die Zukunft der Branche.

Verlässliche Rahmenbedingungen statt Belastungen

„Die Digitalisierung der Industrie braucht verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen. Von zentraler Bedeutung ist es, Überregulierung zu vermeiden und die Kosten des Standorts nicht weiter zu erhöhen“, stellte Roman Stiftner kalr, Generalsekretär von Eumicon und Geschäftsführer der Fachverbände Bergbau-Stahl und Nichteisen-Metallindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich. Er sieht die Branche durch Innovationen, leichte gesamtwirtschaftliche Erholung und durch die Stabilisierung der Rohstoffpreise gut aufgestellt. „Das Wachstum von 1.8 Prozent im Jahr 2016 darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter anderem die Stahlimporte in die EU seit 2012 kontinuierlich gestiegen sind und die europäische Rohstoffindustrie keine weiteren Belastungen verträgt“, sensibilisierte Stiftner für die aktuell anstehenden handels- und umweltpolitischen Entscheidungen. Insbesondere bei den Energiekosten und -abgaben stehe Europa bereits weltweit an der Spitze.

Chancen für Rohstoffeffizienz und Klimaschutz

Wilfried Eichlseder, Rektor der Montanuniversität Leoben, erläuterte den Wandel, den die Mineralrohstoffbrache selbst erfährt: „Digitalisierung im Bergbau und Rohstoffwesen hebt durch riesige Datensammlungen viele Potentiale für die Optimierung betrieblicher Abläufe, der Rohstoffeffizienz und erhöht die Zuverlässigkeit und Sicherheit von Anlagen und Bergbaubetrieben.“ Durch smarte Prozesse könnten Energie und Rohstoffe eingespart werden und tragen so zum Klimaschutz bei. Ein besonderes Highlight der Enquete war in diesem Zusammenhang der Vortrag des Automationsexperten Eric Reiners, der für den Bergbau-Ausrüster Caterpillar den „Robotic Mining Contest“ mit der NASA koordiniert und neueste Technologien für intelligente und autonom arbeitende Abbaugeräte auch im Einsatz auf unserem Heimatplaneten entwickelt.

Investitionsschutz und fairer Handel gefordert

„Wir müssen Unternehmen zu Investitionen in Innovation und Produktion ermutigen“, sprach Friesenbichler das verloren gegangene Vertrauen in die Planungssicherheit in Europa an. „Was wir brauchen, sind also klar formulierte, langfristige Vorgaben, die kalkulierbare Grundlagen schaffen, auf die wir uns als Industrie auch langfristig verlassen können“, appellierte der Eumicon-Präsident an die politischen Verantwortungsträger. Insbesondere für neu zu errichtende Industrieanlagen, die für eine Nutzungsperiode von 20 bis 30 Jahren geplant werden, müsse durch verlässliches Rahmenrecht und kalkulierbare Rahmenbedingungen für mindestens 10 bis 15 Jahre Planungssicherheit geschaffen werden, forderte er.

Die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen werde in den kommenden Jahren drastisch steigen. Daher müsse der Versorgungssicherheit durch fairen Handel unter international gleichen Rahmenbedingungen politisch höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Modernisierung handelspolitischer Schutzinstrumente sei dafür ein wesentlicher Meilenstein zur Sicherung der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen. „Ohne mineralische Rohstoffe bleiben Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Wirtschaft nur Schlagwörter“, betonte Stiftner abschließend.

Plattform der Rohstoffbranche

Die European Mineral Resources Confederation Eumicon versteht sich als Plattform der internationalen Rohstoffbranche im Schnittpunkt zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Der Verband wurde als Wissens-und Informationsplattform der Mineralrohstoffwirtschaft ins Leben gerufen. Die diesjährige Tagung wurde von der Europäischen Rohstoffinitiative Eumicon gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie mit Unterstützung der Montanuniversität Leoben, dem Wirtschaftsressort des Landes Steiermark und zahleichen Partnern aus der Mineral-Rohstoffindustrie veranstaltet.

Quelle: Wirtschaftskammer Österreich