Von Asbest- bis Ziegelverwertung: Die 23. Fachtagung Abbruch war ein voller Erfolg

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Pausengespräch auf der Fachtagung Abbruch (Foto: Deutscher Abbruchverband)

Köln — Die 23. Fachtagung Abbruch war für den veranstaltenden Deutschen Abbruchverband wie auch für Tagungsteilnehmer und Aussteller ein voller Erfolg. Mit über 900 Teilnehmern und insgesamt 115 Ausstellern konnten neue Bestmarken erreicht werden, gab Verbands-Geschäftsführer Andreas Pocha in seiner Eröffnung bekannt. Ebenso waren 75 Teilnehmer aus 15 Ländern nach Berlin gekommen und unterstrichen einmal mehr, dass die internationale Bedeutung der Fachtagung stetig zunimmt.

Bundesweiter Sanierungsbedarf durch Brückenabbruch

Mit Enak Ferlemann, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, hielt vor dem Abbruchverband erstmals ein Vertreter der Bundespolitik einen Vortrag. Sein Thema „Potential im Brückenabbruch durch bundesweiten Sanierungsbedarf“, stieß auf großes Interesse. Wie Ferlemann berichtete, sind in der aktuellen Finanzplanung für die Jahre 2017 bis 2020 im Brückenmodernisierungsprogramm Haushaltsansätze in Höhe von insgesamt rd. 2,9 Mrd. € vorgesehen. Dabei gelte die Devise: „Jede Ertüchtigungsmaßnahme einer Brücke, die Baurecht erhält, wird finanziert werden.“ Da im Rahmen der Brückenmodernisierung viele Brücken aus technischen oder wirtschaftlichen Erwägungen heraus durch einen Ersatzneubau ersetzt werden müssten und dabei im bebauten Umfeld gearbeitet würde, bestehe für Abbruchunternehmen ein großes Potenzial, da diese Projekte zwangsläufig mit einem Rückbau bzw. Abbruch des abgängigen Vorgängerbauwerks verbunden seien. Aufgrund des immensen Ertüchtigungsbedarfs seien hierbei innovative Abbruchmethoden und Konzepte gefragt – sicher, schnell und mit möglichst wenig Beeinträchtigung des Verkehrs.

Ziegelverwertung und das Wrack der Concordia

Die weiteren Vorträge der Fachtagung deckten ein breites Themenspektrum ab. So sprach Dieter Rosen vom Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie über „Recycling und Verwertung von Dach- und Mauerziegel“. Er verdeutlichte, dass die Verwertung keramischer Abfälle in der Praxis bereits weitgehend etabliert ist und ihr Einsatz vielfältig. Ziegelanteile im Recycling-Gemisch eignen sich zur Verwendung in Trag- und Frostschutzschichten im Straßenbau. Ziegelbruch wiederum wäre besonders gut geeignet für die Anwendung im Vegetationsbau, und als Baum-, Pflanz- und Dachsubstrat und aus Ziegelsand würden die obersten Spielbeläge im Sport- und Tennisplatzbau hergestellt.

Über das „Abwracken der Concordia im Genueser Hafen“ informierte Herr Omini von F.IIi Omini in Mailand. Dieses Großprojekt mit einer Gesamtabbruchzeit von 19 Monaten wurde in zwei Stufen durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 45.000 Tonnen Metall bewegt. Neben der sehr anspruchsvollen technischen Aufgabe war dies gerade unter Sicherheitsaspekten ein Mammutprojekt.

Asbest-Lebenswege, Sprengtechnik und Opel-Abbruch

Stefan Hiltpolt von der Firma Carbotech aus der Schweiz berichtete über „Asbest – Erfahrungen aus der Schweiz“. Besonders müsse man bei Schadstoffsanierungen beachten, dass eine Sanierung, wie jegliche Tätigkeit, auch mit Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt verbunden wäre, z. B. durch Transporte, Energiebereitstellung, Herstellung und Entsorgung von Hilfsstoffen. Diese Belastungen fallen meist nicht am Ort der Sanierung an. Notwendig wäre daher die Betrachtung des gesamten Lebensweges.

Im wahrsten Sinne des Wortes explosiv ging es beim gemeinsamen Vortrag der Mitglieder des Fachausschusses Sprengtechnik des Deutschen Abbruchverbandes zu. Sie wiesen daraufhin, dass das Sprengen sich für fast alle Bauwerke und Bauwerksteile im Abbruch eignet. Gerade in technologischer Sicht hätten sich die Zünd- und Sicherungsverfahren enorm verbessert und würden zu wesentlich weniger unerwünschten, aber völlig beherrschbaren Nebenwirkungen führen. Sprengen wäre wirtschaftlich, sicher und zeitgemäß.

Der „Abbruch des OPEL-Werks I in Bochum“ wurde von Andreas Stolle von der Firma Reinwald vorgestellt, stellvertretend für alle sechs daran in einer ARGE beteiligten Firmen: Freimuth Abbruch und Recycling GmbH, Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH & Co. KG, Prangenberg & Zaum GmbH, Heinrich-Walter-Bau GmbH, Kafril Abbruch GmbH und Reinwald GmbH. Da die Aufgabenstellung lautete, den Abbruch von vier benannten Rückbaubereichen zur Reaktivierung des Geländes als Industrie- und Gewerbestandort in einer Bauzeit von 11 Monaten zu realisieren, ließ sich dies nur in einer Arbeitsgeeinschaft bewältigen. Auf insgesamt 20 Hektar Geländefläche galt es 3,7 Mio. Kubikmeter umbauten Raum abzubrechen, was mit großem Erfolg gelang.

Quelle: Deutscher Abbruchverband e.V.