bvse-Schrottmarktrückblick 2016: Durchschnitts-Preisniveau um 12 % gefallen

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Metallschrott (Foto: Marc Weigert)

Bonn — Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV-Stahl) erzeugten die deutschen Stahlwerke im vergangenen Jahr rund 42,1 Mio. Tonnen Rohstahl gegenüber 42,7 Mio. Tonnen im Jahr 2015. Die Produktion sank leicht um 1,4 Prozent bzw. knapp 600.000 Tonnen. Die Kapazitätsauslastung blieb mit 86 Prozent nahezu unverändert gegenüber der Auslastung 2015. Dies ist eine der Kernaussagen den aktuellen Schrottmarktrückblicks 2016, den der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. jetzt veröffentlicht hat.

Die Elektrostahlproduktion lag mit 12,6 Mio. Tonnen um moderate 26.000 Tonnen bzw. 0,2 Prozent unter der Menge des Jahres 2015 und war damit stabil. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion verbesserte sich von 29,6 Prozent im Jahr 2015 auf 29,9 Prozent im vergangenen Jahr. Dies dürfte vor allem auf die zunehmende Bautätigkeit in Deutschland und den Nachbarländern zurückzuführen sein, die nicht zuletzt von einem günstigen Zinsumfeld profitierte. Der Produktionsausstoß der integrierten Hüttenwerke lag mit 29,5 Mio. Tonnen um knapp 2 Prozent unter der 2015 erzeug- ten Menge. Hochofenzustellungen bei der Dillinger Hütte und den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) haben im abgelaufenen Jahr die Stahlmengenbilanz negativ beeinflusst. Alleine bei HKM sind in der Zeit der Zustellung von September bis Mitte Januar rund 1 Mio. Tonnen weniger Stahl erzeugt worden.

Gießereiproduktion um 3 Prozent gefallen

Der Bundesverband der Deutschen Gießereiindustrie (bdguss) meldete mit 3,9 Mio. Tonnen eine um rund 3 Prozent bzw. gut 120.000 Tonnen niedrigere Produktion als 2015. Im Jahresverlauf war die Auslastung der Unternehmen sehr unterschiedlich. Nach wie vor leiden beispielsweise große Teile des deutschen Maschinenbaus unter den Sanktionen gegen Russland und mit ihnen die Zulieferer. Die weggebrochenen Märkte in den GUS-Ländern haben daher bei einigen Gießereien deutliche Spuren hinterlassen. Die Zulieferer für die Automobilindustrie oder die Windkraftindustrie hatten dagegen weniger zu klagen.

Februarpreise erreichten Jahrestiefpunkt

Das Durchschnittspreisniveau 2016 ist um knapp 12 Prozent gegenüber 2015 gefallen. Der Durchschnittspreis der Sorte E2 auf Basis des von der bdsv in Düsseldorf monatlich veröffentlichten Preises ab Station fiel von € 190 pro Tonne auf € 168 pro Tonne. Da während des gesamten Jahres eine latente Altschrottunterversorgung vorlag, überstiegen die Preise auf der vorgenannten Grundlage für die Sorten E3 und E40 zum Teil den der Sorte E2 bzw. entsprachen ihm. Im Februar hatten die Preise ihren Jahrestiefpunkt erreicht. Sie stiegen, hier beispielhaft für die Sorte E3, bis Mai um knapp 60 Prozent bzw. rund € 93 auf den Spitzenwert 2016 in Höhe von € 227 pro Tonne. Danach sackte er um knapp 32 Prozent bzw. € 72 auf etwa € 156 im Juli ab, bis er sich im Dezember wieder auf rund € 198 erholte.

Deutschland weiterhin Schrottnettoexporteur

Die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für den Außenhandel des Jahres 2016 weisen Deutschland weiterhin als Schrottnettoexporteur aus. Ausgeführt wurden rund 8,5 Mio. Tonnen und eingeführt rund 4,3 Mio. Tonnen, mit einem positiven Saldo von 4,3 Mio. Tonnen. Eine deutliche Mengenverschiebung gab es im Osthandel. Die für die Versorgung der ostdeutschen Verbraucher wichtigen polnischen Importmengen sanken um über 14 Prozent. Durch die gute Stahlnachfrage in Polen brauchten die Werke verstärkt Schrott. Insbesondere seit der zweiten Jahreshälfte 2016 und angepassten marktgerechten Preisen sinken die polnischen Ausfuhren. Der gleiche Trend war zum Jahresende bei den Lieferungen aus Tschechien zu beobachten.

Ausblick: Erwartungen positiv

Für Deutschland ist ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 2 Prozent prognostiziert. Ebenso beurteilen andere Länder die zu erwartende Marktentwicklung recht optimistisch. Angesichts der steigenden Nachfrage und der verbesserten Auftragslage der Abnehmer sind zudem die Erwartungen für das Jahr 2017 positiv. Bei konstanten geopolitischen Rahmenbedingungen ist zumindest für das 1. Halbjahr 2017 mit einer national und international hohen Schrottnachfrage und einem moderaten Schrottaufkommen zu rechnen. In den USA werden der Elektroofenanteil und mit ihm der Schrotteinsatz steigen und im Mittleren Osten sehen Produzenten den Schrott durchaus als eine interessante Alternative zum Eisenschwamm an. Die Schrottnachfrage wird weltweit steigen, denn der Sekundärrohstoff Schrott ist einerseits gegenüber den anderen konkurrierenden Rohstoffen kostengünstiger geworden und er weist andererseits eine positive Umweltbilanz auf. Die mittelständisch geprägte Schrottwirtschaft muss daher, neben einer verbesserten Schrottaufbereitung, die sich bietenden Exportmöglichkeiten nutzen, um die Stellung im Markt zu festigen.

Der komplette, detailliertere Schrottmarkt-Rückblick 2016 kann unter bvse.de heruntergeladen werden.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.