Thermische Abfallbehandlung: Es gibt Alternativen zur Verbrennung

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Müllverbrennungsanlage (Foto: Marco Umminger / pixabay)

Dessau-Roßlau — Die Verbrennung ist das weltweit dominierende Verfahren zur thermischen Behandlung von Abfällen. Neben dieser etablierten Behandlungsvariante werden mit der Abfallpyrolyse und der Abfallvergasung weitere thermische Prozesse am Markt angeboten. Diese auch als „alternative“ thermische Behandlungsverfahren bezeichneten Prozesse werden seit den 1970er Jahren von wechselnden Anbietern unter verschiedenen Bezeichnungen wiederkehrend präsentiert.

Ziel des vorliegenden Gutachtens war die Bereitstellung und Bewertung von Informationen zum Stand der Technik von alternativen thermischen Prozessen für die Behandlung von festen gemischten Siedlungsabfällen. Betrachtet wurden solche Verfahren, für die eine relevante Dauerbetriebszeit unter industriellen Rahmenbedingungen nachgewiesen werden konnte. Dabei wurden auch jene Technologien berücksichtigt, die aktuell zwar nicht mehr betrieben werden, aber ihre Praxistauglichkeit in der jüngeren Vergangenheit nachweisen konnten. Außerdem fanden einige Neuentwicklungen Eingang in die Betrachtung, die laut Herstellerangaben in Kürze marktverfügbar sein sollen.

Neben den „klassischen“ alternativen thermochemischen Prozessen drängen in den letzten Jahren weitere Alternativprozesse auf den Markt. Plasmaverfahren (umgesetzt als Plasmavergasung) realisieren die Konversion des Abfalls bzw. seiner Schwelprodukte durch Kontakt mit mindestens 2.000 °C heißem Plasma (teilionisiertes Gas). Den Anbietern der Technik zufolge können dadurch niedrige gasseitige Emissionen bei gleichzeitig hoher Qualität der Konversionsrückstände realisiert werden. Eine weitere alternative thermochemische Verfahrensvariante, die (katalytische) Direktverölung, soll feste Abfälle – meist in einem Schritt und häufig unter Einsatz von Katalysatoren – zu flüssigen Kohlenwasserstoffen umwandeln. Die Produkte sollen treibstoffähnliche Eigenschaften besitzen und als Dieselersatz verwendet werden können. Sogenannte HTC-Prozesse (hydrothermale Karbonisierung) werden vorzugsweise für die Behandlung von (nassen) Bioabfällen und (Klär-)Schlämmen herangezogen. Dabei werden die Reststoffe in flüssiger, wässriger Phase unter Druck in ein Karbonisat umgewandelt, das eine optimierte energetische oder stoffliche Nutzung erlauben soll.

Zusätzlich zur technischen Reife von Abfallbehandlungsverfahren sind auch lokale gesetzliche und (gesellschafts-)politische Rahmenbedingungen für den Erfolg oder das Scheitern neuer Technologien von großer Bedeutung. Daher wurden im Rahmen der Studie auch länderspezifische Rahmenbedingungen beleuchtet und diskutiert.

Die Studie zum „Sachstand zu den alternativen Verfahren für die thermische Entsorgung von Abfällen“ kann unter umweltbundesamt.de heruntergeladen werden.

Quelle: Umweltbundesamt