Bakterien helfen bei der Rückgewinnung von Edel-/Metallen aus Beschichtungen

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Vergoldete Armatur (Foto: rgerber / Pixabay)

Bonn — Ob vergoldete Schaltkontakte, Schutzglas oder Zierteile im PKW: Kunststoffe und andere Materialien sind oft mit sehr dünnen edel- oder wertmetallhaltigen Schichten überzogen. Diese können bisher kaum recycelt werden. Ein Projektteam arbeitet daran, Metalle und Edelmetalle aus Beschichtungen auf biologischem Wege rückzugewinnen.

Um ihre technischen oder ästhetischen Eigenschaften zu verbessern, werden Armaturen oder Gebrauchsgegenstände oft mit Gold oder anderen edel- bzw. wertmetallhaltigen Beschichtungen versehen. Diese Schichten werden durch galvanische Prozesse, Aufdampfen, Sputtern o. ä. auf die Trägermaterialien aufgebracht und sind extrem dünn. Da sie meist nur wenige Mikrometer stark sind, lassen sie sich mit konventionellen Recyclingverfahren nicht oder nur in geringen Anteilen rückgewinnen. Dadurch gehen wertvolle Materialien verloren, da der hohe Aufwand für eine Rückgewinnung der Metalle unwirtschaftlich ist.

Das Kernelement des „ReMetsplus“-Projekts zur der Rückgewinnung von Edelmetallen und Wertmetallen ist der Einsatz und die Adaption von Bakterien der Gattung „Acidothiobacillus ferrooxidans“. Deren Kulturen sind in der Lage, Metalle zu lösen und in eine gut separierbare Form zu überführen. Mit der biologischen Laugung, dem sog. Bioleaching oder Biomining, werden die dünnen metallischen Schichten von ihren Grundkörpern aus Kunststoff, Glas oder Edelstahl getrennt. Neben den zentralen Bioleachingprozessen untersuchen die Forscher aber auch die selektive Rückgewinnung der Metalle aus den Stoffgemischen und die Regeneration der Laugungslösung. Im Ergebnis entsteht eine komplexe und effiziente Verfahrenstechnik entwickelt, die dann in einer Demonstrationskonfiguration umgesetzt wird.

Die spätere industrielle Verwendung des Verfahrens bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Fehlchargen, die beim Galvanisieren von Kunststoffteilen für PKW entstehen, können mit der Technologie nahezu sortenrein recycelt werden. Verwerter von Altfahrzeugen kommen als potenzielle Anwender infrage, ebenso Metall- und Edelmetallrecyclingunternehmen. Selbst von Designbeschichtungen bei Modeschmuck oder Medizinkomponenten kann die metallische Auflage effektiv zurück gewonnen werden.

Ein Forscherteam der Universität Cottbus-Senftenberg aus den Fachgebieten Aufbereitungstechnik und Technische Mikrobiologie hat sich deshalb mit drei mittelständischen Unternehmen zusammengetan: Neben der Erlos GmbH und der m&k GmbH als spezialisierten Kunststoff- bzw. Metallaufbereitungsunternehmen ist mit der Silberland Sondermaschinen und Fördertechnik GmbH auch ein Maschinenbaubetrieb an dem Projekt beteiligt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der KMU innovativ-Forschungsreihe gefördert.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)