kunststoffland NRW diskutierte „Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“

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kunststoffland NRW-Treffen: Begrüßung durch  Geschäftsführerin Dr. Bärbel Naderer und Vorstandsmitglied Dr. Hermann Bach (Quelle: kunststoffland NRW)

Düsseldorf — Es war „eine überaus spannende und sehr anregende Veranstaltung“. Darin waren sich die Teilnehmer am Treffen der kunststoffland NRW-Vereinsplattform Nachhaltigkeit am 21. Februar 2017 einig. Viele Mitgliedsunternehmen waren der Einladung zum Vereinsmitglied Covestro nach Leverkusen gefolgt. Drei Experten lieferten fachlichen Input und sorgten für reichlich Diskussionsstoff, bevor Vertreter der mittelständischen Kunststoffverarbeitung, Kunststofferzeugung, der Forschung sowie der Abfall- und Recyclingwirtschaft engagiert und außerordentlich lebhaft über aktuelle Chancen und Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft debattierten.

Wo macht Kreislauf wirklich Sinn?

Über aktuelle Diskussionen auf EU-Ebene und mögliche Auswirkungen auf die Kunststoffverarbeiter referierte Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Er bedauerte, dass die Debatte über Kunststoffe auf EU-Ebene aktuell nicht systematisch genug geführt werde. Stattdessen beschränke man sich in Brüssel primär auf Themen wie „Plastiktüte“ und „Plastikmüll“, ohne – auch unter ökologischen Vorzeichen – die positiven Beiträge von Kunststoffen in den Blick zu nehmen. Konkrete Impulse der Kommission seien aus seiner Sicht geboten, um innovative Unternehmen entsprechend zu belohnen, aber auch um regulatorische Hemmnisse zu beseitigen, die einer echten Kreislaufwirtschaft im Wege stünden. Man müsse sich allerdings fragen, ob es tatsächlich Sinn mache, alles in den Kreislauf zu überführen. Hier sei in jedem Fall der Zusammenhang zwischen verstärktem Recycling und einer eventuellen Zunahme von Schadstoffen im Kreislauf zu beachten. Tragfähige Ansätze zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft sieht Wilts etwa bei kunststoffspezifischen Quoten, Mindestrezyklatquoten oder Ökodesign-Vorgaben.

Kreislaufwirtschaft – zu kurz gesprungen?

Dr. Frank Buckel von Covestro Deutschland forderte dazu auf, ganzheitlich über das Thema Kreislaufwirtschaft nachzudenken. Oberste Priorität habe aus seiner Sicht die Reduktion der Abfallentstehung, nicht die Kreislaufführung – hier seien natürlich besonders auch die Endverbraucher gefordert. Für die Kunststoffindustrie selbst bestehe die zentrale Herausforderung eher darin, Kunststoffe besser und nachhaltiger zu machen. Das Thema Ressourceneffizienz gehöre klar in den Fokus der Diskussion – und der Wertstoff Kunststoff sei ein wahrer „Ressourceneffizienzmeister“, wenn man den ganzen Lebenszyklus von Kunststoffprodukten betrachte.

DBU fördert Kreislaufwirtschaftsprojekte

Dr. Jörg Lefèvre von der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellte in seinem Vortrag diese Stiftung vor, die innovative modellhafte und lösungsorientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt besonders im Mittelstand fördert. Anhand praxisorientierter Beispiele, unter anderem aus dem Bereich der Kunststoffgalvanisierung, skizzierte Dr. Lefèvre Förderprojekte von der Strategie bis zur Umsetzung und forderte ausdrücklich dazu auf, die Unterstützungsmöglichkeit der DBU aktiv zu nutzen.

Die vielschichtige und vor allem hochaktuelle Thematik „Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“, ausgewiesene Top-Referenten und ein außergewöhnlicher Veranstaltungsort sorgten bei den Anwesenden für durchgängig positives Feedback und den vielfachen Wunsch nach Verstetigung des aufgenommenen Dialogs.

Quelle: kunststoffland NRW