Deutsche Edelmetallwirtschaft: in stabiler Verfassung trotz instabilem Umfeld

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Im Pressegespräch (v.l.): Dietmar Becker (Agosi), Georg Steiner (Heimerle + Meule) sowie Wilfried Held (Fachvereinigung Edelmetalle) (Foto: Fachvereinigung Edelmetalle)

Pforzheim — Die deutsche Edelmetallwirtschaft ist in stabiler Verfassung, in einem allerdings instabilen Umfeld, bilanzierte Dietmar Becker, der stellvertretende Vorsitzende der Fachvereinigung Edelmetalle, auf dem gestrigen Pressegespräch der Fachvereinigung Edelmetalle in Pforzheim.

Seiner Darstellung nach sichern permanent schwankende, aber insgesamt leicht steigende Preise dem Recycling auskömmliche Mengen, obwohl weiterhin wertvoller Elektroschrott in Drittländer exportiert wirde. Ein verlässliches, aber nicht gerade überragendes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts spiegelt sich in den wichtigen Abnehmerindustrien für Edelmetalle (Automobilindustrie, Elektronikindustrie, Chemie, Schmuck) nieder. Der Einsatz von Edelmetallen wachse hier auch nur verhalten. Trotz seines Rufes als „sicherer Hafen“ in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sei das Investmentgeschäft rückläufig. Investmentprodukte, die traditionell ein stark volatiles Geschäft darstellen, verzeichneten 2016 bei Gold einen Mengenrückgang von 20 Prozent.

An der gesamten Goldversorgung in der Welt von ca. 4.525 t hat laut Becker das Recycling einen Anteil von 1.280 t (+ 10 Prozent). Der Bedarf könne jederzeit gedeckt werden. Gold, das in Deutschland, aber auch weltweit in High-Tech-Anlagen verarbeitet wierde, sei zudem „konfliktfrei“: Industrie-Initiativen und klare Compliance-Regeln weltweit stellten sicher, dass Gold verantwortungsvoll gehandelt werde.

Das Technologiemetall Silber sieht Becker in einer guten Verfassung. 55 Prozent gehen in Industrieanwendungen wie Elektrotechnik / Elektronik, Verbindungstechnik, Photovoltaik, Chemie. Der weltweite Absatz in diese Sektoren ist stabil. Schwächen (- 10 Prozent) zeigen sich bei Schmuck und Silberwaren. Bei einer weltweiten Silberproduktion von 30.400 t entstammen mehr als 80 Prozent der Minenproduktion (Zink-, Blei- und Silberminen).

Weitere Technologiemetalle sind die Platingruppenmetalle (Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Osmium, Iridium), die z.B. in Autoabgaskatalysatoren, Brennstoffzellen und in der Elektronik zum Einsatz kommen. Der Gesamtbedarf sei, wie Becker erklärte, 2016 weiter gestiegen, deutlich bei Autokats mit 40 Prozent. Im Schmuckbereich gebe es Schwächen wegen eines Nachfrageeinbruchs in China.

Quelle: Fachvereinigung Edelmetalle e.V.