Nachhaltigkeitsrat: Kreislaufwirtschaft ist äußerst relevant für Industrie 4.0

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Folienaufbereitungs-Anlage bei Rodepa Plastics (Foto: Herbold Meckesheim)

Berlin — Neue Produktionsverfahren ermöglichen ein recyclingorientiertes Produktdesign und eine bessere Wiederverwendung von Ersatzteilen, bzw. ökonomisch darstellbare Produktion entsprechender Teile mit verbesserter Reparatur-Option. Eine neue Regulierung im Rahmen von Industrie 4.0 kann gleichzeitig zur Regelung von Recyclingstandards kombiniert mit funktionierenden Sanktionsmechanismen genutzt werden. Zu dieser positiven Einschätzung einer Circular Economy kommt der Rat für Nachhaltige Entwicklung in einer neuen Studie zu „Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit“.

Im Rahmen eines Expertenworkshops wurde das Themenfeld „Circular Economy“ als besonders relevant für die Betrachtung der Auswirkungen neuer technologischer Möglichkeiten durch Industrie 4.0 auf die nachhaltige Entwicklung bewertet. Im Kern ging es um die folgenden vier Gebiete: Sustainable Products mit der Schaffung eines Kreislaufwirtschafts-„Mind-Sets“ sowie Produkten mit verlängerter Lebensdauer, Sustainable Processes mit dem Fokus auf Reduzierung von Verschwendung vor allem im Bereich der Hilfs- und Betriebsstoffe, Governance mit dem Aufbau von Netzwerkstrukturen zur ökonomischen Nutzung abgestimmter Kreislaufführung, sowie Entwicklung von Unternehmen durch die Steigerung des Zukaufs an lokal verfügbaren Teilen.

Das Thema „Circular Economy“ wurde von Seiten der Experten als äußerst relevant eingeschätzt. Deutschland sei hier schon gut aufgestellt und es ergäben sich sichtbare Synergien zwischen den neuen Möglichkeiten mit Industrie 4.0 und der Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele. So reduziert beispielsweise die Nutzung lokal verfügbarer biobasierter Materialien sowie die dezentrale Materialisierung einer digitalisierten Produktion die Transporte entlang der Wertschöpfungskette erheblich. Darüber hinaus würden die Daten aus Industrie 4.0-Prozessen für eine gute Transparenz sorgen und damit auch hinsichtlich der späteren Wiederverwertung eine höhere Transparenz in der Zusammensetzung von Stoffen schaffen. Das führe bei Unternehmen zu Prozess- und Kostenvorteilen und bei Verbrauchern zu einer höheren Akzeptanz. Und mit der Software als leistungsdominierendem Element seien Produktupdates ohne materiellen Aufwand zunehmend möglich, sodass sich die Lebensdauer des physischen Produkts bei steigendem Kundennutzen verlängert.

Allerdings bestünden auch einige Zielkonflikte, die für eine Nachhaltige Entwicklung noch gelöst werden müssten:

  • Mit immer günstiger werdender Produktion lohnt sich ein aufwendiges Recycling von Materialien nicht mehr (zu ressourcenintensiv), teilweise ist auch die Zusammensetzung der Materialien unbekannt, bzw. zu komplex, um daraus wieder Rohstoffe zu gewinnen.
  • Recycling, bzw. längere Nutzungsdauern von Produkten verhindern Innovation in Materialien und neue Produkte, die im Einsatz aber deutlich effizienter wären.
  • Bestehende Systeme zum Recycling kombiniert mit günstigeren Produktionskosten könnte auf Verbraucherseite die Wegwerfkultur weiter verstärken und zu entsprechenden Rebound-Effekten führen So führe zum Beispiel Dosenpfand zu steigendem Dosenabsatz, weil der Kunde durch die Rückgabeoption kein schlechtes Gewissen mehr hat.

Die vollständige Studie zu „Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit: Chancen und Risiken für die Nachhaltige Entwicklung“ kann unter nachhaltigkeitsrat.de heruntergeladen werden.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung