DBU bewilligt erneut Gelder für innovative Elektro-Kehrmaschine

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Bewilligung erteilt: (v.l) J. Hesselbach, L. Frerichs, S. Wenzel und H. Bottermann (Foto: © TU Braunschweig/Presse und Kommunikation)

Braunschweig — Eine weitere Projektbewilligung zum Bau einer elektrisch betriebenen Kehrmaschine hat jetzt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt erteilt. Die Innovation: Nicht nur der Antrieb des Fahrzeugs und die Rotationsbewegungen der Kehrbesen, sondern auch die Vorwärts-, Seitwärts- und Rückwärtsbewegungen der Kehrbesen sollen elektrisch angetrieben werden. „Diese sogenannten linearen Schwenkbewegungen brauchen große Kräfte, müssen schnell sein und die Antriebe müssen dazu noch kompakt gebaut sein, da liegt die Schwierigkeit“, erläuterte Prof. Dr. Ludger Frerichs von der Technischen Universität Braunschweig. Verglichen mit einer Kehrmaschine mit Verbrennungsmotor und hydraulischen Antrieben könne der Energieverbrauch der Maschine um mehr als 75 Prozent reduziert werden.

Elektrik statt Hydraulik

Dieses Ergebnis resultierte aus Computersimulationsmodellen der ersten Phase des Projekts, das von der DBU mit insgesamt 873.000 Euro fachlich und finanziell gefördert wird. Elektrische Antriebe, die immer mehr im Kommen sind, sollen bisher nur für rotatorische Bewegungen wie etwa Fahrzeugantriebe gebräuchlich sein; lineare Schwenkbewegungen würden derzeit ausschließlich hydraulisch erfolgen. Nachteilig sei, dass zum einen Hydrauliköl benötigt werde, das in die Umwelt austreten und Schaden anrichten könne, und zum anderen, dass Hydrauliksysteme vergleichsweise viel Energie verbräuchten. Die erste Phase des Forschungsvorhabens ergab, dass eine vollständige Elektrifizierung möglich sei.

Voll elektrifizierte Arbeitsmaschinen

Mit der jetzt erfolgten Übergabe des Bewilligungsschreibens wird die zweite Phase des Projekts eingeläutet. „Wenn wir die Energiewende voran bringen wollen, brauchen wir durchdachte, alltagstaugliche Innovationen. Vollelektrifizierte Arbeitsmaschinen sparen Energie und sind insbesondere im Zusammenspiel mit Strom aus erneuerbaren Quellen umweltfreundlich“, betonte Niedersachsens Umweltminister und Kuratoriumsmitglied der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Stefan Wenzel anlässlich der Übergabe einer Projektbewilligung.

Johannes Oswald, Firmeninhaber des gleichnamigen Unternehmens für Elektromotoren, erklärte: „Jetzt wird es darum gehen, die neuartigen Antriebe zu optimieren und sie auf ein reales Versuchsfahrzeug zu überführen und zu erproben.“ Die Kehrmaschine diene dabei nur als Beispiel. Der Fokus liege zunächst auf Anbaugeräten, wie Kehrbesen und Balkenmäher, die im kommunalen Bereich eingesetzt werden. Ein vollständig elektrifiziertes Fahrzeug hätte in diesen geräusch- und umweltsensiblen Umgebungen den zusätzlichen Vorteil, dass es vergleichsweise leise ist. Langfristig könnten die Ergebnisse aus dem Projekt bei einer Vielzahl von alltäglichen Arbeitsmaschinen – zum Beispiel aus dem Straßenbaubereich oder aus der Landwirtschaft – Verwendung finden.

Nachhaltige Zukunftskonzepte entwickeln

„Die Projektergebnisse haben vor dem Hintergrund der Energiewende große Bedeutung“, sagte Dr. Heinrich Bottermann, DBU-Generalsekretär. „Nicht nur bei den Antrieben, sondern auch bei den mobilen Arbeitsmaschinen müssen daher realistische, tragfähige, robuste und nachhaltige Zukunftskonzepte entwickelt werden. Darauf zielt das Projekt ab.“ Das der TU Braunschweig bewilligte Verbundvorhaben zeige dabei geradezu prototypisch, wie im Verbund von Wissenschaft und Unternehmen innovative und umweltfreundliche Lösungen entwickelt werden können. Auch die Bedeutung und Leistungsfähigkeit kleiner und mittlerer Technologieunternehmen für derartige Lösungen werde deutlich.

Den Startschuss zur zweiten Projektphase gaben vor wenigen Tagen Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Hesselbach, Präsident der TU Braunschweig, Prof. Dr. Ludger Frerichs, Leiter des Instituts für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge der TU Braunschweig, Stefan Wenzel, Niedersächsischer Umweltminister und Kuratoriumsmitglied der DBU, Dr. Heinrich Bottermann, DBU-Generalsekretär.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt