Fliegenfarmen sollen Abfälle verwerten und Proteine produzieren

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MagMeal: Insektenproteinen für Tierfuttermittel (Foto: AgriProtein)

Gibraltar — Fliegenfarmen können organische Abfälle zu Insektenproteinen für Tierfuttermittel verwerten. Um den Bau von jährlich 25 solcher Farmen zu realisieren, hat sich AgriProtein, Pionier im Bereich der Verarbeitung von Abfällen zu Nährstoffen, mit der internationalen Engineering-Gruppe Christof Industries zusammengeschlossen.

Anhand einer mit Christof Industries entwickelten High-Tech-Blaupause beabsichtigt AgriProtein den Bau von 100 Produktionsstätten bis 2024 und weitere 100 bis 2027 (insgesamt 200). Diese 10-Millionen-US$-Partnerschaft wird dabei helfen, Insektenprotein in die breite Masse der Futtermittel einzuführen, die in der Aquakultur, auf Geflügelfarmen und in Tiernahrung verwendet werden.

Die Produktion von Fischmehl gilt als umweltgefährdend, während Insektenprotein eine nachhaltigere Alternative darstellt. AgriProtein züchtet Fliegenlarven in industriellem Maße auf Bioabfällen und sammelt die Larven ein, um daraus natürliche, proteinreiche Futtermittelprodukte herzustellen. Der Prozess leitet riesige Mengen an organischen Abfällen von Mülldeponien zur Fütterung der Larven um, wodurch lokale Abfallwirtschaftsprobleme angegangen werden.

Das Gewicht eines Kreuzfahrtschiffes

CEO Jason Drew erklärt: „Bioabfälle machen nahezu die Hälfte der festen Kommunalabfälle aus. Deren Entsorgung auf Mülldeponien ist eine kostspielige Gefahr für die Umwelt und der Grund dafür, weshalb Länder Ziele zur Verringerung oder allgemeine Verbote aufstellen. Eine in Stadtnähe errichtete Fliegenfarm nimmt jährlich das Gewicht eines gewöhnlichen Kreuzfahrtschiffes an Bioabfällen zur Zucht von Fliegenlarven auf und verringert somit das Volumen, die Verschmutzung durch und die Kosten einer Mülldeponie.“

AgriProtein versteht sich als Wegbereiter auf dem aufstrebenden Markt der Verwertung von Abfällen zu Nährstoffen und versucht, den weltweit wachsenden Biomüllberg, der bis 2025 über eine Milliarde Tonne umfassen soll, sinnvoll zu nutzen und die Lebensmittelsicherheit zu verbessern. Die Herausforderung lag jedoch darin, das Ausmaß zu erreichen, um mit der Fischmehlproduktion konkurrieren zu können.

CEO Jason Drew ist sich sicher: „Die Technologie, mit der Abfall zu Nährstoffen umgewandelt wird, nimmt so langsam Fahrt auf, und der Preis pro Tonne ist der Schlüssel im Kampf, Fischmehl zu ersetzen. Christofs Know-how ermöglicht es uns, die Produktion zu steigern und die Kosten zu senken, wodurch wir noch wettbewerbsfähiger werden und ein gesundes Modell für ein schnelles, globales Wachstum erhalten.“

91.000 Tonnen organischer Abfälle pro Jahr

Christof Industries, als EPC-Partner (Engineering, Procurement, Construction) von AgriProtein, wird die Produktionsstätten schlüsselfertig übergeben. Die Fliegenfarmen werden in Zukunft von örtlich ansässigen Lizenznehmern der AgriProtein-Technologie in Asien, im Mittleren Osten, in Europa und in Amerika betrieben.

Der Vertrag folgte der weiteren Automatisierung der Industrieanlage von AgriProtein in Kapstadt durch Christof Industries, bei der die Abfallverwertungskapazität der vorhandenen Automation mehr als verdoppelt wurde. Jede der errichteten Fliegenfabriken wird jährlich 91.000 Tonnen organischer Abfälle upcyceln und somit 7.000 Tonnen Insektenmehl und -öl zu produzieren.

CEO Johann Christof dazu: „Wir haben nun ein EPC-Modell, mit dem wir überall auf der Welt kostengünstige Fliegenfarmen mit hoher Kapazität liefern können. Die Nachfrage nach nachhaltigem Insektenprotein wächst rasant an, und als Partner von AgriProtein werden wir dabei helfen, diese Nachfrage zu bedienen.“

Für Mehl oder Öl

AgriProteins industriell skalierbare Lösung auf die Ausbeutung der Fischbestände im Indischen Ozean war ein wichtiger Erfolgsfaktor für eine mit 450.000 Australischen Dollar dotierten Auszeichnung in der Blue Economy Challenge der australischen Regierung im November 2016. Und ihr Beitrag zur Verringerung der Abfälle auf Mülldeponien verschaffte dem Unternehmen einen Platz in der letzten Monat angekündigten Global Cleantech 100-Liste.

Jason Drew fügte hinzu: „Unsere Mission ist es, eine bessere Möglichkeit zur Ernährung der Welt zu finden. Indem wir Fischmehl durch Insektenmehl in Tierfutter ersetzen, können sich die Ozeane regenerieren und werden die Treibhausgase in jeder Stufe der Produktionskette, vom Fang bis hin zum Verkauf, verringert. Es trägt außerdem zur Lösung der Herausforderungen bei der Sicherheit von Nahrungsmitteln bei und geht die Abfallkrise an. Wir müssen aber schnell handeln, da der Welt die Fischbestände ausgehen. Mit der steigenden Kundennachfrage nach Fisch und Geflügel sagte die FAO voraus, dass die Nachfrage nach Fischmehl das Angebot bis 2024 um 5 Mio. Tonnen übertreffen wird.“

Die in industriellem Maß gezüchteten Larven der Schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens) werden zu MagMeal™ (55 Prozent Protein, 100 Prozent nachhaltiges, natürliches, organisches Tierfutter) und MagOil™ (vielseitiges, natürliches, omega-fettsäurereiches Öl zu Nutzung in Futtermittel) verarbeitet. Das Nebenprodukt MagSoil ist ein hochwertiger Kompost zur Nutzung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Eine Standard-Fliegenfarm kann mithilfe einer Armada von 8,5 Mrd. Fliegen 250 Tonnen organischen Abfall pro Tag nutzen, um nahezu 5.000 Tonnen MagMeal™ und 2.000 Tonnen MagOil™ pro Jahr zu produzieren.

Quelle: AgriProtein