Thüringens Umweltministerin fordert Gipsrecycling statt Raubbau an der Natur

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Gipsabfälle (Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de)

Erfurt — In Deutschland werden jährlich ca. 9 Mio. Tonnen Gips zu Baustoffen verarbeitet, davon fast die Hälfte aus Naturgips. Gegenwärtig führt das Gipsrecycling in Deutschland jedoch ein Nischendasein. Daher will Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund die Wiederverwertung von natürlichen Baustoffen wie Gips voranbringen.

„Thüringen ist von der Vernichtung einzigartiger Naturlandschaften durch den Gipsabbau besonders betroffen. Die Gipskarstregion Südharz hat eine einzigartige Dichte und Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Um solche Schätze zu bewahren, brauchen wir mehr Gipsrecycling“, sagte Siegesmund im Vorfeld der ersten Bundesratssitzung des Jahres. Im Jahr 2013 stammten 12 Prozent des bundesweit abgebauten Naturgipses aus den Thüringer Abbaugebieten im Südharz.

Am Freitag wird in Berlin die Novelle der Gewerbeabfallverordnung behandelt. Der vorliegende Entwurf sieht die Einführung einer getrennten Erfassung von Bau- und Abbruchabfällen vor; davon wären auch Gipsabfälle betroffen. Anja Siegesmund: „Ich begrüße die neue Regelung ausdrücklich. Damit wird ein Grundstein für eine konsequente Wiederverwertung von Gipsabfällen gelegt.“

Bundesweit fallen jährlich rund 600.000 Tonnen Bauabfälle auf Gipsbasis an. Etwa die Hälfte dieser gipshaltigen Bauabfälle könnten nach Schätzungen des Bundesverbandes der Gipsindustrie dem Recycling zugeführt werden. Dem stehen derzeit Recyclingkapazitäten in Höhe von 150.000 Tonnen gegenüber. Tatsächlich wird jedoch deutlich weniger Material wiederverwertet, als an Recyclingkapazität zur Verfügung steht. Ursache dafür ist u.a. die bislang mangelhafte Trennung von Bauabfällen.

Da seit 1990 verstärkt Baustoffe auf Gipsbasis verwendet wurden, ist in den nächsten 20 Jahren mit einem deutlichen Anstieg des Gipsanteils im Bauabfall zu rechnen. Ziel ist, einen deutlich größeren Teil des wertvollen Rohstoffs Gips in den Stoffkreislauf zurückzuführen.

Quelle: Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz