Akademien veröffentlichen Stellungnahme zu „Rohstoffen für die Energiewende“

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Quelle: die unterzeichneten Akademien

Weltweit gibt es genügend Metalle und Energierohstoffe für die Energiewende. Die Versorgung hängt jedoch davon ab, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln, wie transparent und zugänglich die Märkte sind und ob hohe Umwelt- und Sozialstandards im Bergbau erzielt werden können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS).

Für den Ausbau von Windparks, Solaranlagen, Speichern und intelligenten Netzen müssen immer mehr verschiedene Metalle importiert werden. Gefragt sind vor allem wertvolle Elemente wie Seltene Erden, Platingruppenelemente, Germanium, Indium und Kobalt. Von den Energierohstoffen werden besonders Erdgas und Biomasse benötigt, um die Schwankungen der Wind- und Solarenergie auszugleichen. Wie Deutschland unabhängiger von Rohstoffimporten werden kann, beschreibt die Stellungnahme „Rohstoffe für die Energiewende. Wege zu einer sicheren und nachhaltigen Versorgung“. In ihr sprechen sich acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften für strategische Rohstoffpartnerschaften mit Lieferländern, die Erschließung neuer Lagerstätten und mehr Metallrecycling aus.

Technologien für Abbau und Verarbeitung weiterentwickeln

Mit zwischenstaatlichen Handelsabkommen und -verträgen kann der Staat den privatwirtschaftlichen Rohstoffimport und die Lieferbeziehungen unterstützen. Strategische Rohstoffpartnerschaften können auch dazu beitragen, Umwelt- und Sozialstandards zu etablieren. Sie sind sowohl ethisch geboten als auch Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb. Außerdem sollten Energieaufwand und Umweltbelastungen bei der Rohstoffgewinnung die ökologischen Vorteile der Energiewende nicht übersteigen, hißt es in der Stellungnahme.

Mit der Erschließung neuer Lagerstätten in Deutschland und Europa sowie in der Tiefsee ließe sich die Rohstoffbasis erweitern: „In Deutschland gibt es etwa Lagerstätten für Indium und Germanium; am Meeresboden lagern unter anderem Kobalt, Kupfer und Nickel. Um die Vorkommen wirtschaftlich zu fördern, müssen jedoch die Umweltfolgen besser erforscht und Technologien für Abbau und Verarbeitung weiterentwickelt werden“, erläutert Jens Gutzmer vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, der an der Stellungnahme mitgearbeitet hat.

Wiedergewinnungsraten verbessern

Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Metallrecycling: Alte Autos, Elektronikgeräte und Leitungen sind wertvolle Rohstoffquellen. „Da die Wiedergewinnungsraten bei vielen Hightech-Elementen gering sind, sollte die gesamte Prozesskette verbessert werden“, sagt Christian Hagelüken von Umicore, der ebenfalls Mitglied der ESYS-Arbeitsgruppe ist. Labels für recyclingfähige Produktdesigns würden schon bei der Herstellung ansetzen. „Auch verbraucherfreundlichere Sammelsysteme und verbesserte, breit genutzte Recyclingverfahren könnten die Wiedergewinnungsraten erhöhen. Außerdem sollten Ausfuhr und Verbleib von Elektroschrott besser kontrolliert werden“, erklärt Hagelüken.

Landwirtschaft in Emissionshandel einbeziehen

Biomasse kann die Schwankungen von Strom aus Wind- und Solarenergie ausgleichen. Würde die Landwirtschaft in den europäischen Emissionshandel einbezogen, könnte der CO2-Ausstoß der Biomasseproduktion reduziert werden. Auch durch Nachhaltigkeitsvorgaben für den Energiepflanzenanbau und -import sowie eine Steuer auf Stickstoffdünger würde die Bioenergieproduktion klimafreundlicher werden.

Erdgas ist vor allem für den Übergang zu einem klimafreundlichen Energiesystem wichtig, weil es weniger CO2 verursacht als Kohle. Um sich weniger abhängig von einzelnen Lieferländern zu machen, könnte die Flüssiggasinfrastruktur ausgebaut werden. Schiefergas und Erdgas aus Kohleflözen in Deutschland können die Versorgung zusätzlich absichern.

Die Ergebnisse der Stellungnahme werden am 16. Februar 2017 auf der Fachkonferenz „Rohstoffe effizient nutzen – erfolgreich am Markt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vorgestellt.

Die ESYS-Stellungnahme ist verfügbar unter acatech.de, leopoldina.org oder akademienunion.de. Die Ergebnisse der Stellungnahme werden am 16. Februar 2017 auf der Fachkonferenz „Rohstoffe effizient nutzen – erfolgreich am Markt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vorgestellt.

Quelle: Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina / acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften / Union der deutschen Akademien der Wissenschaften