Umfrage: Entsorgungsunternehmen unsicher gegenüber Digitalisierung

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Digitalisierung (Fot: geralt/ Pixabay)

Hamburg — Das digitale Zeitalter macht auch vor der Abfallwirtschaft nicht Halt. Entsorgungsunternehmen sehen in der Digitalisierung eine große Notwendigkeit, während sie aus praktischen Gründen oft noch davor zurückschrecken. Das ergab eine Umfrage der Netwaste | Ideen für Entsorger Ende 2016 unter 170 Teilnehmern.

55 Prozent der Teilnehmer geben an, dass die Digitalisierung schon heute stark ihr Unternehmen beeinflusst. 35 Prozent sehen eine nur teilweise Beeinflussung, und für 10 Prozent spielt die Digitalisierung derzeit überhaupt keine Rolle. Ebenso sind 55 Prozent – unabhängig von der Unternehmensgröße davon überzeugt, dass die Abfallwirtschaft in nächster Zukunft sehr stark von der Digitalisierung beeinflusst wird. Die restlichen 45 Prozent vermuten hingegen nur eine teilweise Digitalisierung.

E-Commerce wird wichtiger

Im Mittelpunkt des digitalen Interesses steht bei nahezu allen Unternehmen das „Gefunden werden“ im Internet. 80 Prozent haben auf einem Entsorgungsportal wie zum Beispiel wer-entsorgt-was.de ein Firmenprofil erstellt. 75 Prozent präsentieren ihr Unternehmen in den sozialen Medien, und 55 Prozent machen sogar Online-Werbung auf Suchportalen wie Google.

Auch das Thema E-Commerce scheint immer wichtiger zu werden: So geben bereits 45 Prozent der Teilnehmer an, einen eigenen Online-Shop zu betreiben. 40 Prozent sind auf einem Portal mit einem digitalen Shop vertreten. Bei diesen Zahlen sind auch jene Betriebe miteingeschlossen, die die Shops noch nicht verwirklicht, aber zumindest bereits in konkreter Planung haben.

Skepsis gegenüber Robotern und Selbstfahrern

Die zukünftige Bedeutung der Digitalisierung wird im Allgemeinen sehr hoch eingeschätzt. 75 Prozent glauben, dass elektronische Rechnungen in Zukunft eine hohe Bedeutung haben. 70 Prozent räumen Serviceportalen eine Zukunft ein. Bei der Live-Fahrzeugverfolgung liegt die Zahl bei 65 Prozent, bei papierloser Auftragsdurchführung und bei der digitalen Behältererfassung bei immerhin 60 Prozent.

Während 45 Prozent der Befragten Robotern bei der Abfallsortierung eine Zukunft geben, glauben nur 35 Prozent an ihren Einsatz in der Abfallsammlung. Auch sehen nur 35 Prozent eine Zukunft für selbstfahrende Behälter, und lediglich 30 Prozent messen selbstfahrenden Müll-LKWs eine Zukunft zu.

Die Digitalisierung der Abfallwirtschaft ist jedoch für viele Befragten mit Problemen verbunden. 52,3 Prozent sprechen von fehlenden Schnittstellen und mangelhaften technischen Standards. 42,5 Prozent fürchten hohe Investitionskosten. Den Weg zum modernen, digitalen Entsorger dürfte laut Umfrage vor allem die starke Beanspruchung durch das operative Tagesgeschäft behindern. Fast die Hälfte der Teilnehmer (47,5 Prozent) nannte diesen Hinderungsgrund. 37,5 Prozent fürchten außerdem, dass ihre Mitarbeiter nicht über die notwendigen digitalen Kompetenzen verfügen.

Digital- oder Analog-Entsorger?

Die Abfallwirtschaft wird immer digitaler – das ist das eindeutige Fazit der Umfrage. Und: Es ist eine digitale Teilung der Entsorgungsbranche zu befürchten. Auf der einen Seite entwickeln sich innovative Unternehmer zum “Digital-Entsorger”, die umfassend auf die Digitalisierung setzen und Geschäftsprozesse und Interaktionen mit Kunden, Lieferanten und Partnern digital abbilden. Auf der anderen Seite verbleiben offenbar “Analog-Entsorger”, die den digitalen Anschluss verlieren werden. Ob diese “Analog-Entsorger” langfristig im Markt bestehen bleiben, ist mehr als fraglich.

Insofern seien – Netwaste zufolge – die Umfrageergebnisse auch ein Weckruf an die Branche. „Kein Entsorger, ob groß oder klein, ob kommunal oder privat, darf den Zug der Digitalisierung verpassen“, warnt Netwaste-Geschäftsführer Georg Mechsner und spricht die deutliche Empfehlung aus: “Ihre Kunden wandern ins Internet und ihre Wettbewerber machen es auch. Fangen Sie lieber heute als morgen an, Ihr Unternehmen fit zu machen für die digitale Zukunft.”

Weitere Details zu den Umfrageergebnissen sind unter netwaste.de erhältlich.

Autor: Georg Mechsner

Quelle: Netwaste