NGO: Deutschland ist verantwortlich für die weltweit schlimmsten Abwrackpraktiken

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Ship dismantling by beaching in South Asia (Foto: NGO Shipbreaking Platform)

Brüssel — Die NGO Shipbreaking Platform hat eine Liste aller Abwrackschiffe im Jahr 2016 zusammengestellt und analysiert. Setzt man die Größe der Handelsflotte in Relation zur Zahl der unverantwortlich abgewrackten Schrottschiffe, ist Deutschland dabei verantwortlich für die schlimmsten Abwrackpraktiken unter allen Seefahrtsnationen weltweit.

Deutsche Reeder, Banken und Schiffsfonds haben die niederschmetternde Zahl von 98 Schiffen auf Strände in Südasiens auflaufen lassen – von insgesamt 100 Schrottschiffen. Das heißt: 98 Prozent aller zur Verschrottung verkaufen Schiffen landeten auf fernöstlichen Stränden. Davon gingen 40 Prozent der deutschen Schrotttonnage nach Bangladesch, dessen Abwrackpraktiken als die schlimmsten gelten.

Zu den laut NGO Shipbreaking Platform unverantwortlichsten Reedereien (teil gemeinsam mit ihren Banken oder Insolvenzverwaltern) gehören Hansa Mare (12 Scchiffe), Alpha Ship, F. Laeisz und Peter Doehle (je 7 Schiffe), und Dr. Peters, König & Cie, Norddeutsche Vermögen und Rickmers (je 6 Schiffe). Ebenso verkaufte Dr Oetker sein Containerschiff Cap Steward an bangladeschische Verschrotter.

Die deutschen Abwrackpraktiken verlangen einen hohen Tribut. Während der Verschrottung der „Renate N.“ bei Seiko Shipbreaking in Chittagong, Bangladesch, kamen drei Arbeiter ums Leben. Das Schiff gehörte der Reederei Neu Seeschifffahrt und wurde über den cash buyer Wirana gehandelt. Selbst der UN-Sonderberichterstatter für Giftstoffe und Menschenrechte brachte seine Sorgen in einem Schreiben an die Bundesregierung zum Ausdruck, in dem er die minderwertigen Verschrottungspraktiken der deutschen Reeder kritisiert. Im November starb ein weiterer Arbeiter in Bangladesch bei der Verschrottung des nur 10 Jahre alten, defizitären Containerschiffs Viktoria Wulff.

“Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeiter in den Abwrackwerfen mit ihrem Leben bezahlen für die verfehlten Geschäftspraktiken deutscher Reeder und Schiffsfonds. Auf Grund einer Vielzahl von Insolvenzen – Folge kurzsichtiger und hochriskanter Investments – versuchen die von Gerichten ernannten Insolvenzverwalter, die unrentablen Schiffe so schnell wie möglich auf die Abwrackstrände nach Südasien zu transferieren. Die Rechnung für die Habgier der Schifffahrtsindustrie zahlen Menschen und Umwelt“, sagt NGO-Geschäftsführerin Patricia Heidegger.

Quelle: NGO Shipbreaking Platform