Schweiz ermittelt erstmals systematisch Lebensmittel-Abfälle und -Verluste

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Food waste (Foto: © Thorsten Freyer /http://www.pixelio.de)

Bern, Schweiz — Erstmals werden in der Schweiz die Lebensmittelabfälle, der so genannte Food Waste, systematisch ermittelt. Dabei werden alle Nahrungsmittelverluste von der Produktion, über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung geprüft. Nach Studien über Food Waste in der Gastronomie und bei den Grossverteilern beleuchtet die neueste Untersuchung des BAFU nun die Verluste in der Lebensmittelindustrie. In diesem Bereich könnten über 300.000 Tonnen Food Waste verhindert werden.

Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel geht gemäss Schätzungen der Food and Agriculture Organization FAO weltweit verloren. Für die Schweiz geht man von der gleichen Grössenordnung aus; dies entspricht etwa 300 kg pro Kopf und Jahr. Als Food Waste bezeichnet werden jene Lebensmittel, die für den menschlichen Konsum produziert wurden und auf dem Weg vom Acker bis auf den Teller verloren gehen oder weggeworfen werden.

Verlust von rund 500.000 Tonnen

Die schweizerische Lebensmittelindustrie produziert pro Jahr 2.3 Millionen Tonnen Lebensmittel und Halbfabrikate. Das hat das BAFU in seiner neuesten Studie „Organische Verluste aus der Lebensmittelindustrie in der Schweiz“ ermittelt. Dabei fällt über alle acht Hauptbranchen betrachtet (z.B. Getreideverarbeitung, Kakao und Kaffee oder Milchprodukte) ein Verlust von rund 500.000 Tonnen an. 125.000 Tonnen dieser Verluste, gut ein Viertel, sind nicht geniessbare Bestandteile wie Knochen oder Schälabfälle.

Drei Viertel der Verluste betreffen geniessbare Bestandteile. Die Menge beläuft sich auf 375.000 Tonnen oder 14 Prozent der gesamten Lebensmittelproduktion. Dabei dominieren zwei Hauptursachen:

  • der fehlende Absatzmarkt für Nebenprodukte wie zum Beispiel Molke oder Kleie (20 Prozent).
  • der Stand der Technik (20 Prozent): Diese Lebensmittelabfälle sind zwar geniessbar, aber nach aktuellem Stand der Technik nicht vermeidbar.

Hauptanteil bleibt im Kreislauf erhalten

Ursachen für diese Verluste sind ungenaue Planung oder technisch bedingte deklassierte Produkte wie zum Beispiel beschädigte Schokoladentafeln. Es zeigt sich also, dass in der Technik ein grosses Potential zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen liegt.

Der Hauptanteil (75 Prozent) der anfallenden organischen Verluste aus der Lebensmittelindustrie wird an Tiere verfüttert und bleibt somit im Kreislauf der Nahrungsmittelproduktion erhalten. Rund 20 Prozent wird zu Biogas verwertet oder als Kompost recycliert. Nur ein geringer Anteil wird in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt. Verschenkte Ware macht mit weniger als 1 Prozent einen marginalen Anteil aus.

Das BAFU stellt diese Studie der Lebensmittelindustrie zur Verfügung, zeigt das Sparpotenzial für die betroffenen Branchen auf und unterstützt zudem die Branchen in der Umsetzung von Massnahmen zur Vermeidung von Food Waste. Der Report „Organische Verluste aus der Lebensmittelindustrie“ kann unter newsd.admin.ch hruntergeladen werden.

Quelle: BAFU Bundesamt für Umwelt