vbw-Studie: Rohstoffversorgung nicht durchgängig gesichert

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Wulfenit (Foto: ©Dieter Schütz / http://www.pixelio.de)

München — Die Rohstoffversorgung deutscher und bayerischer Unternehmen ist nicht durchgängig gesichert. Vor allem bei Metallen und Mineralien für innovative Technologien – beispielsweise die Elektromobilität – ist sie risikobehaftet. Das ist ein zentrales Ergebnis der neuen Rohstoff-Studie, die im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstellt wurde.

vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt betont: „Für die Industrie ist eine langfristig gesicherte Rohstoffversorgung Voraussetzung, um produzieren und damit Wachstum und Arbeitsplätze schaffen zu können. Zur erfolgreichen Weiterentwicklung des Produktionsstandorts Deutschland und des Freistaats mit seinem hohen Industrieanteil ist es daher unerlässlich, die Rohstoffversorgung nachhaltig zu sichern. Hier sind Wirtschaft und Politik gleichermaßen gefordert.“

Für die vbw Studie wurden 45 Rohstoffe nach verschiedenen Risikokriterien analysiert. Die Versorgung von Unternehmen mit 33 von diesen Rohstoffen wurde mit den Ampelfarben gelb oder rot bewertet. Brossardt: „Das Ergebnis gibt Anlass zur Sorge, denn: Deutschland ist bei fast allen wichtigen metallischen Primärrohstoffen auf das Ausland angewiesen. Eine hohe Konzentration der Vorkommen auf wenige Länder, politische Instabilität in Förderstaaten, strategische Handelsbeschränkungen und die fehlende Substituierbarkeit von Metallen und Mineralien erhöhen die Risiken der Rohstoffversorgung.“ Während das für die chemische Industrie wichtige Chrom und das für die Elektroindustrie und Medizintechnik bedeutende Tantal im Risiko höher eingestuft wurden als in der Vorgängerstudie 2015, rangieren die Seltenen Erden unverändert in der höchsten Risikoklasse: „Für die Herstellung vieler Hightech-Produkte sind Scandium, Yttrium und Neodym unverzichtbar. Dabei ist ihr Vorkommen regional stark konzentriert und sie sind ohne Leistungseinbußen nicht ersetzbar.“

Die vbw Studie belegt, dass die Anzahl der benötigten Rohstoffe zur Herstellung eines einzelnen Produktes seit einigen Jahren rasant ansteigt. „Das ist für die Unternehmen eine Herausforderung. Zur Verbesserung ihrer Rohstoffversorgung sollten sie sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammenschließen, ihren Materialeinsatz noch effizienter gestalten oder Ersatzstoffe selbst erforschen. Wegen der politischen Dimensionen des Themas müssen Bundesregierung und Bayerische Staatsregierung die Firmen dabei unterstützen, indem sie sich für einen freien Welthandel, den Erhalt internationaler Rohstoffmärkte und die Erschließung neuer Rohstoffmärkte sowie für Länderpartnerschaften mit Förderländern einsetzen“, so Brossardt.

Die vbw Studie „Rohstoffsituation der bayerischen Wirtschaft“ wurde erstmals 2009 veröffentlicht. Die aktuelle Auflage steht unter vbw-bayern.de zum Download zur Verfügung.

Quelle: vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.