bvse-Altholztag: Potenzial heben und Wettbewerbsbedingungen harmonisieren

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Foto: O. Kürth/Recyclingportal.eu

Bonn — „Altholz bietet noch erhebliches Verwertungspotenzial. Von den ca. 7,9 Mio. Tonnen Althölzern, die jährlich in Deutschland anfallen, werden bisher nur 20 Prozent stofflich aber 80 Prozent energetisch verwertet“, so bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock beim 3. Altholztag seines Verbandes Ende März. Die Tagung zeigte, dass sowohl die Qualität der Sortierung als auch die gesetzlichen und wettbewerblichen Rahmenbedingungen zu mehr Recycling beitragen können.

Österreich fördert stofflichen Einsatz

Hubert Grech (Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) berichtete, wie sein Land die Recyclingholzverordnung so umgestaltet hat, dass der stoffliche Einsatz von Recyclingholz stieg. Dreh- und Angelpunkt der Verordnung war dabei zum einen das Abfallende von Altholz, das beispielsweise naturbelassene Hölzer recht einfach erreichen können. Zum anderen haben die Recyclingvorgaben für die Holzwerkstoffindustrie – insbesondere die Berechnung der Grenzwerte, in die der Recyclingholzanteil einfließt – einen Anreiz für mehr Sortierung und Aufbereitung geschaffen. Auch in Deutschland hat man bemerkt, dass die Verordnung Wirkung gezeigt hat, das berichteten insbesondere die Branchenvertreter aus Süddeutschland, die nach der Einführung einen verstärkten Materialabfluss Richtung Österreich wahrgenommen haben.

Bayern hat Exportkontrollen verschärft

Gleichzeitig macht auch der zunehmende Export von Altholz nach Süd- und Osteuropa der Branche zu schaffen. Viele Marktteilnehmer fragen sich jedoch, ob das Altholz tatsächlich zur stofflichen Verwertung exportiert wird, wie es die Abfallverbringungsverordnung vorsieht. Auch die Behörden scheinen daran zu zweifeln. Gertraud Servi (Regierung von Oberbayern) erläuterte das behördliche Vorgehen zur Notifizierung und Kontrolle des Exports von Altholz. Auch wenn es nicht möglich sei, Exporte zu verhindern, wenn die Empfängerstaaten die Einhaltung ihrer nationalen Standards bestätigen, habe der Freistaat die Kontrolle der Verbringung deutlich verschärft, beispielsweise durch Beprobungen in den exportierenden Betrieben sowie Straßenkontrollen. Die Branche begrüßt diese Bemühungen: „Um Marktverwerfungen und Ressourcenschwund zu verhindern, brauchen wir in Europa gleichmäßige Wettbewerbsbedingungen“, forderte bvse-Fachreferent Andreas Habel.

Altholz kann die Holzlücke füllen

Mehr Altholz einzusetzen macht nicht nur aus ökologischen sondern auch aus ökonomischen Gründen Sinn. Bei steigenden Holzpreisen und der zunehmenden energetischen Verwertung von Frischholz könne Altholz die entstandene „Holzlücke“ füllen, wie Dr. Steffen Körner (Glunz AG) darstellte. Der „Urban Forest“, müsse besser ausgeschöpft und im Sinne einer Kaskade ressourceneffizient genutzt werden.

Voraussetzung für eine effizientere Nutzung ist der Ausbau der Sortierung von Altholzsortimenten, insbesondere der stärker verunreinigten Altholzkategorien zwei bis vier, wie Peter Meinlschmidt (Fraunhofer Institut für Holzforschung WKI) deutlich machte. Um auch diese zu separieren, sollte die professionelle Sortier- und Sichtungstechnik, wie sie auch bei Altkunststoffen oder Altpapier Standard ist, in höherem Maße angewandt werden. Seine Forschungen haben gezeigt, dass so über 50 Prozent des Altholzaufkommens stofflich nutzbar gemacht werden könnte.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.