BAFU-Studie: Viele Wertstoffe könnten in der Sammlung statt im Abfall landen

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Gelbe Säcke (Foto: ©Moni Sertel/Pixelio.de)

Bern, Schweiz — Der Abfall in der Schweiz besteht zu einem Fünftel aus Stoffen, die verwertbar wären. Das zeigt die am 28. Januar 2014 präsentierte Studie „Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2012“ des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Die separate Sammlung und Wiederverwertung wertvoller Stoffe kann demnach weiter ausgebaut werden. Auf diese Weise würden Stoffkreisläufe geschlossen und gleichzeitig Schadstoffe entfernt. Der Bundesrat fördert den schonenderen Umgang der natürlichen Ressourcen mit seinen Bestrebungen für eine Grüne Wirtschaft.

Rund 5.6 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle pro Jahr fallen in der Schweiz an. Das sind rund 690 Kilogramm pro Person. Davon werden 2.8 Millionen Tonnen separat gesammelt und verwertet. Die andere Hälfte wird in Müllverbrennungsanlagen verbrannt, wobei die anfallende Wärme genutzt wird. Die verbrannten Siedlungsabfälle umfassen Abfälle aus Haushalten (gut 1.6 Millionen Tonnen) sowie den Kehricht aus Industrie- und Gewerbebetrieben (rund 1.2 Mio. Tonnen). Nicht zu den Siedlungsabfällen gehören Produktionsabfälle aus Industrie und Gewerbe, Bauabfälle, Klärschlamm und Sonderabfälle.

Bleibende Verwertungspotenziale

Laut Erhebung landen viele rezyklierbare Stoffe im Abfall. Schätzungsweise rund ein Fünftel oder 340.000 Tonnen des Kehrichts wären noch verwertbar gewesen. Zwei Drittel dieser ungenutzten Wertstoffe entfallen auf so genannte biogene Abfälle – also Abfälle, die sich kompostieren oder vergären lassen. Sie machten nicht nur den grössten Anteil am Kehricht aus, sondern sie haben seit 2001 auch deutlich zugenommen – dies, obwohl in vielen Gemeinden Grüngutsammlungen bestehen.

Papier und Karton im Abfall sind gegenüber der letzten Untersuchung anteilsmässig zurückgegangen: Papier von 16 auf 13.5 Prozent, Karton von 4 auf 3.8 Prozent. In absoluten Zahlen: Im Abfall fanden sich rund 220.000 Tonnen Papier, rund ein Viertel davon – in erster Linie Zeitungen – wären verwertbar gewesen. Zudem gelangten 63.000 Tonnen Karton in den Abfall, ebenfalls rund ein Viertel davon verwertbar.

Getrenntsammlung ausbaufähig

Auch beim Glas werden trotz eines flächendeckenden Sammelsystems und hohem Rücklauf jährlich mehr als 60.000 Tonnen im Kehricht entsorgt, wovon schätzungsweise 16.000 Tonnen noch verwertbar wären. Ebenso finden sich rund 8.000 Tonnen PET-Getränkeflaschen im Hausmüll.

Aus diesen Zahlen geht hervor, dass die getrennte Sammlung wertvoller Stoffe ausgebaut werden kann. Ihre Verwertung würde dazu beitragen, Stoffkreisläufe zu schliessen, wodurch die natürlichen Ressourcen geschont würden. Dieses Ziel verfolgt auch der Bundesrat mit der Grünen Wirtschaft. Er hat dafür im März 2013 den Aktionsplan Grüne Wirtschaft verabschiedet, der auch Massnahmen im Bereich Abfall und Rohstoffe vorsieht.

Verursachergerechte Abfallgebühren helfen

Die Erhebung offenbart ausserdem grosse Unterschiede bei den Kehrichtmengen pro Person und Jahr. So haben ländlich geprägte Gemeinden markant geringere Kehrichtmengen unterhalb des Durchschnitts, touristisch geprägte dafür markant höhere. Den grössten Einfluss auf Menge und Zusammensetzung des anfallenden Abfalls hat aber das Gebührensystem. Gemeinden, die für den Kehricht eine Gewichts- oder eine Sackgebühr erheben, entsorgen pro Einwohner und Jahr durchschnittlich gut 80 Kilogramm weniger Kehricht als Gemeinden ohne verursachergerechtes Gebührensystem.

In Gemeinden mit verursachergerechten Abfallgebühren landen insbesondere weniger Glas, Zeitungen und Karton im Kehricht. Dies deutet darauf hin, dass die Möglichkeit zur Separatsammlung in diesen Gemeinden deutlich besser genutzt wird. Mit Sackgebühren steht den Gemeinden somit ein griffiges Instrument zur Verfügung, mit dem sie auf die Abfallmenge sowie auf die Menge wertvoller Stoffe im Kehricht Einfluss nehmen können.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung lebt heute noch in Gemeinden ohne Sackgebühren. Würden auch diese Gemeinden verursachergerechte Abfallgebührensysteme einführen, liessen sich laut Hochrechnungen jedes Jahr 11.000 bis 20.000 Tonnen Papier und Karton und 4.000 bis 12.000 Tonnen Glas verwerten, die heute mit dem Hauskehricht entsorgt werden und als Rohstoffe verloren gehen.

Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU