BV WindEnergie widerspricht Remondis: Faserverbundwerkstoffe sind kein Problem

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Mechanische Rotorblatt-Zerlegung (Foto: Kroll / recyclingportal.eu)

Berlin — Windräder sind aus Verbundstoffen gebaut. „Die können wir nicht recyceln“, erklärte gestern Herwart Wilms, Manager des führenden deutschen Recyclingkonzern Remondis, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘. Dem widerspricht Hermann Albers, Präsident Bundesverband WindEnergie: Windkraftanlagen haben eine hohe Widerverwertungsquote.

„Wir sind überrascht, dass eines der wichtigsten Entsorgungsunternehmen in Deutschland, für sich keine Möglichkeit sieht, alte Windenergieanlagen einer sinnvollen Verwertung zuzuführen. Diese Befürchtung ist mit Blick auf die Entsorgungsbranche unbegründet und falsch“, macht Hermann Albers deutlich.

Zunächst bestehe ein funktionierender Markt für Altanlagen. Werde doch eine Entsorgung rückgebauter Windenergieanlagen erforderlich, so seien die Stahl-, Kupfer-, Aluminium- und Betonkomponenten völlig unspektakulär neuen Einsatzmöglichkeiten zuzuführen. Hinsichtlich der Entsorgung der Rotorblätter von Windenergieanlagen ist festzustellen, dass diese für die Recyclingbranche in Deutschland kein Neuland sind. So bestehen etablierte Entsorgungsmöglichkeiten für Faserverbundteile, die etwa im Bootsbau, Flugzeugbau und der Automobilindustrie eine immer weitere Verbreitung finden.

Die Rotorblätter setzen sich in der Regel aus Glasfaser und Polyester-, Venylester- oder Epoxydharz zusammen. Für neue Blätter werde nur noch Epoxydharz verwendet. Diese Blätter und jene, die mit Kohlefaser verarbeitet sind, seien in einer Epoxymatrix eingebettet. Unterschieden würden also Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) oder Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK).

Seit die TA Abfall festlegt, dass Stoffe mit einem Energiegehalt über 6000 KJ/kg nicht mehr deponiert werden dürfen ist klar, dass für Faserverbundteile, die nicht weiter genutzt werden können, sichere Entsorgungsmöglichkeiten genutzt werden müssen. In der Regel wird eine thermische Verwertung angestrebt. Angesichts des hohen Brennwertes ist der Einsatz in der energieintensiven Zementherstellung bewährt.

Bei GFK kommen im Handlaminat Glas und Harz im Verhältnis von circa 1 : 1 vor. Das Glas, welches bei der Verwertung übrig bleibt, kann entweder dem normalen Glasrecycling zugeführt werden oder wird als Faserarmierung in Klebstoffen oder Zementen eingesetzt (Beispielsweise in Frostschutzfliesenkleber für den Außenbereich).

Bei CFK fällt kein Glas an, der enthaltene Kohlenstoff verbrennt. Es gibt Forschungsarbeiten u.a. am Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT) mit dem Ziel, die Fasern von der Matrix zu lösen und dann gesonderte Entsorgungsmöglichkeiten zu erschließen. Hier könnte sich perspektivisch ein ertragreicher Recyclingmarkt entwickeln.

„Wir haben den Eindruck, dass sich die Entsorgungswirtschaft den – durch den steigenden Einsatz von Faserverbundwerkstoffen in immer mehr Sektoren der Industrie eröffnenden -Perspektiven zuwendet und an Möglichkeiten für ein wirtschaftlich erfolgreiches Recycling arbeitet. Die Sorge, künftig vor Bergen alter Rotorblätter zu stehen, sind mehr als unbegründet“, fasst Hermann Albers zusammen.

Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.