BDEW: 43 Prozent aller Kraftwerks-Neubauten sind in Frage gestellt

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Umspannwerk (Foto: ©ErichWestendarp / http://www.pixelio.de)

Hannover — „Die Lage auf dem Kraftwerksmarkt hat sich weiter verschärft. Die Verunsicherung der Investoren wird immer größer und auch der wirtschaftliche Druck auf die bestehenden Kraftwerke nimmt ständig zu. Inzwischen sind 43 Prozent aller geplanten Kraftwerksneubauten in Frage gestellt. Dies betrifft konkret 32 der insgesamt 74 bis ins Jahr 2020 geplanten Anlagen, im vergangenen Jahr waren es noch 22“, erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bei der Vorstellung der neuen BDEW-Kraftwerksliste heute auf der Hannover Messe.

Realisierung vielfach unsicher

Der BDEW stellte in Hannover nicht nur die neue Kraftwerksliste, sondern auch die nach heutigem Erkenntnisstand absehbaren Zu- und Abgänge bei der gesicherten Kraftwerksleistung vor. „Denn nur so bekommt man ein komplettes Bild über die weiteren Entwicklungen auf dem Kraftwerksmarkt in den nächsten Jahren“, weiß Hildegard Müller. Bei zahlreichen in der Kraftwerksliste enthaltenen Projekten ist laut BDEW noch unsicher, ob diese am Ende auch realisiert werden. Negativ wirken sich zusätzlich auch die Kraftwerke aus, für die bei der Bundesnetzagentur ein Antrag auf Stilllegung vorliegt. Durch den Ausstieg aus der Kernenergie würden weitere Kapazitäten vom Netz gehen. Müller: „Es muss nach heutigem Kenntnisstand davon ausgegangen werden, dass die gesicherte Leistung bis zum Abschalten der letzten Kernkraftwerke 2022 um 13.600 Megawatt zurückgehen wird, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern. Dies macht den Handlungsdruck für die Politik deutlich.“

Vorbereitungen für Kapazitätsmärkte treffen

„Die Fakten der BDEW-Kraftwerksliste und die voraussichtlichen Abgänge aus dem bestehenden Kraftwerkspark zeigen, dass die Politik sich nach Einbringung der EEG-Reform nun umgehend intensiv um die Probleme auf dem Kraftwerksmarkt kümmern muss. Der Gesetzgeber muss wie im Koalitionsvertrag angekündigt die Vorbereitungen für Kapazitätsmärkte treffen, damit wir auf mögliche Engpässe in ein paar Jahren vorbereitet sind. Dies macht unter anderem die stark wachsende Zurückhaltung der Investoren ganz deutlich. Ohne rasche Klarheit über die zukünftigen Marktstrukturen und das entsprechende Kapazitätsmarktmodell wird die Situation im Kraftwerkspark zu einem ernsten Problem des Industriestandortes Deutschland führen“, erläuterte Hildegard Müller.

Wirtschaftlicher Betrieb zumindest fraglich

Laut der BDEW-Kraftwerksliste sind zwar insgesamt 74 größere Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 38.000 Megawatt in Planung, im Genehmigungsverfahren, genehmigt, im Bau oder im Probebetrieb. Auch gehen in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich noch fünf Steinkohlekraftwerke und vier Erdgaskraftwerke ans Netz. „Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Planungen für diese Anlagen unter anderen Marktbedingungen im vergangenen Jahrzehnt begonnen wurden. Ein wirtschaftlicher Betrieb dieser Kraftwerke ist auf dem jetzigen Markt zumindest fraglich“, so Müller.

Offshore-Bereich erfreulich

Erfreulich seien wiederum die Entwicklungen im Bereich der Offshore-Windanlagen. „Positiv ist, dass immer mehr Offshore-Windanlagen ans Netz gehen. Allein in diesem und im nächsten Jahr sollen neun Windparks ihren Betrieb starten. Ein Grund dafür ist, dass der Netzanschluss inzwischen deutlich strukturierter und geordneter verläuft. Die Maßnahmen der Politik, der Übertragungsnetzbetreiber und der Anlagenbetreiber entfalten also ganz offensichtlich ihre Wirkung“, sagte Hildegard Müller.

Zahlen und Fakten zur BDEW-Pressekonferenz können unter bdew.de(1) , die BDEW Kraftwerksliste unter bdew.de(2) , die BDEW Kraftwerksliste Auswertung unter bdew.de(3)  und die Grafik zu „Kapazitätsentwicklung: Kraftwerke mit hoher Verfügbarkeit und hoher Realisierungswahrscheinlichkeit“ unter bdew.de(4)  heruntergeladen werden.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)