MAVO BauCycle: Nachhaltigere Bauwirtschaft durch Bauschutt-Recycling

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Bauschutt (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Oberhausen — Keine Branche verursacht so hohe Abfallmengen wie die Bauindustrie. Davon wird jedoch insbesondere im Hochbau nur ein Bruchteil wiederverwertet. Der Workshop „UMSICHT: Zur Sache! Zirkuläre Bauwirtschaft – Chance oder nur Sand im Getriebe?“ thematisiert die Frage, wie sich Bauschutt zu hochwertigen Produkten recyceln lässt und somit ein Beitrag für nachhaltigeres Bauen geleistet werden kann.

Rund 600 Millionen Tonnen mineralische Baustoffe werden im deutschen Bausektor jährlich verarbeitet. Ausgelöst durch den Generationswechsel von Bestandsbauten oder der Erneuerung von Verkehrs- und Energieinfrastrukturen fallen durch Abbruch so hohe Abfallmengen an wie in keiner anderen Branche. Doch gerade einmal fünf Prozent des Bauschutts gelangt als hochwertiges Produkt zurück in die Bauwirtschaft. Der größte Teil des Bauabbruchs landet im Unterbau von Straßen, in Deponiebefestigungen oder direkt auf der Deponie. Hochwertige Verwertungswege fehlen oft.

Bedingt liegt das an der stofflichen Heterogenität von Baustoffen und den damit verbundenen sicherheitstechnischen Herausforderungen. Um eine zirkuläre Wirtschaft in der Baubranche zu implementieren, sind Sortierverfahren, Logistikkonzepte und Produktinnovationen erforderlich, die deutlich über den heutigen Stand der Technik hinausgehen. Ziel muss es deshalb sein, von heterogenem Bauschutt zu qualitätsgesicherten Sekundärrohstoffen zu gelangen, die wieder in hochwertigen Anwendungen eingesetzt werden können und den Bausektor somit nachhaltiger gestalten.

Chancen und Risiken einer zirkulären Bauwirtschaft

Genau hier setzt ein Forschungskonsortium von vier Fraunhofer-Instituten an, zu dem auch Fraunhofer UMSICHT gehört. Seit Anfang 2016 wird im Rahmen des Projekts „MAVO BauCycle“ untersucht, wie sich Ressourcenschutz, die hochwertige Verwertung von Baustoffen und die intelligente Stoffstromsteuerung miteinander verzahnen lassen. Ziel des Projekts ist insbesondere die Sortierung und Aufbereitung von heute anfallenden feinkörnigen Abbruchmaterialien sowie die Herstellung von Recyclingbaustoffen, die anschließend in den ursprünglichen Baukreislauf zurückgeführt werden. Auf diese Weise soll der Einsatz von Primärrohstoffen reduziert, ein nachhaltigeres Bauen ermöglicht und der Verknappung von Deponierraum entgegengewirkt werden. Ab dem 17. Januar 2017 wird der Fraunhofer Verbund zum Start der Messe Bau außerdem eine Stakeholderumfrage zu relevanten Themenbereichen der zirkulären Bauwirtschaft durchführen.

Der Workshop „UMSICHT: Zur Sache! Zirkuläre Bauwirtschaft – Chance oder nur Sand im Getriebe?“ informiert über neue Konzepte im Bereich Bauschutt-Recycling, diskutiert mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft Herausforderungen und Lösungsansätze für die optische Sortierung von Bauschutt und lädt zum Informationsaustausch zwischen Referenten und Besuchern ein.

Die Veranstaltung findet am 26. Januar bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen statt. Weitere Informationen, Anmeldung und Programm sind unter umsicht.fraunhofer.de erhältlich.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT