China wird wichtigster Markt für die Stromerzeugung aus fester Biomasse

1191
Biomasse-Anlage (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Köln — Durch hohe Zubauraten und ambitionierte Ausbauziele wird China der größte Markt für Biomassekraftwerke weltweit. In Europa bleibt vor allem der Zubau von Kleinanlagen dynamisch. Das sind Ergebnisse einer aktuellen ecoprog-Marktuntersuchung. Aktuell sind weltweit über 3.300 Biomassekraftwerke mit einer installierten Kapazität von rund 49 GW in Betrieb. Fast die Hälfte dieser Anlagen steht in Europa. Diese machen jedoch nur ein Drittel der installierten Kapazitäten aus. Das liegt an der durchschnittlich geringen Anlagenkapazität von rund 10 MW. Denn der europäische Biomassemarkt wird von Fördersystemen bestimmt, die überwiegend Kleinanlagen in den Mittelpunkt stellen (<5 MW).

In Nord- und Südamerika sowie Asien sind die meisten Anlagen fast doppelt so groß. Hier befinden sich die Anlagen überwiegend an industriellen Standorten mit einem großen Anteil biogener Abfälle. Hierunter fällt etwa die Verarbeitung von Holz, Zuckerrohr oder Palmöl. Durch den hohen Wärmebedarf der Industrien sind die Anlagen größer dimensioniert und durch die lokale Brennstoffverfügbarkeit aus Reststoffen in der Regel nicht von einer öffentlichen Förderung abhängig.

Attraktive Einspeisevergütung in China

Bis 2025 wird die weltweite Anzahl an Biomassekraftwerken auf 5.700 ansteigen. Die installierte Kapazität wird sich auf fast 74 GW erhöhen. Das entspricht einem Zubau von 2.400 Anlagen mit einer Leistung von 26,5 GW. Hauptgrund hierfür ist die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die mittlerweile in über 140 Ländern etabliert ist.

China wird in den kommenden zehn Jahren der wichtigste Wachstumsmarkt – dank einer attraktiven Einspeisevergütung für Strom aus Biomasse in Höhe von 0,75 RMB/kWh (10,2 €ct/kWh). Durch das durchschnittlich geringe Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro/MW amortisieren sich die Investitionskosten zudem vergleichsweise schnell. Auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. So wurde im November ein ambitioniertes Ausbauziel auf 15 GW bis 2020 festgelegt. Durch einen Zubau von rund 750 MW pro Jahr wird China trotz des geringen Investitionsniveaus zum umsatzstärksten nationalen Biomassemarkt der Welt.

Zunehmend Kleinanlagen in Europa

Während in China der standardisierte Bau von reinen Stromerzeugern mit einer Leistung von 30 MW vorangetrieben wird, werden in Europa zunehmend Kleinanlagen errichtet, die in der Regel über eine Wärmenutzung verfügen. Denn in vielen Ländern ist die Abwärmenutzung Pflicht für die Auszahlung einer Förderung. Zudem sind die Rauchgasreinigungsvorschriften und die Lohnniveaus in Europa deutlich strenger/höher als in Asien. Dementsprechend hoch sind die durchschnittlichen Investitionskosten, die etwa 5,4 Millionen Euro/MW betragen. Neubauten sind daher in Europa deutlich teuer als in Asien. Zudem bedingt der alternde Anlagenbestand in Europa eine zunehmende Modernisierungstätigkeit.

Im regionalen Vergleich bleibt Europa in den nächsten zehn Jahren daher die Region mit den höchsten Umsätzen in Neubauten und Modernisierung, obwohl der Kapazitätsausbau im Vergleich zu den letzten zehn Jahren sinken wird. Der Zubau von Kleinanlagen im Leistungsbereich von 1 MW bleibt durch die meist guten Förderbedingungen weiterhin dynamisch, vor allem in Italien.

Europäisches Gesamtlevel der Förderung sinkend

Allerdings sinkt das Gesamtlevel der Förderung, aufgrund hoher Kosten und ökologischer Gesichtspunkte, derzeit in vielen europäischen Ländern im Wesentlichen zulasten größerer Projekte (>5 MW). In Bulgarien und Rumänien wurde die Förderung im Jahr 2016 sogar komplett eingestellt. In Frankreich wurde die feste Einspeisevergütung 2016 durch ein auf 50 MW pro Jahr gedeckeltes Auktionsmodell ersetzt. Im Vereinigten Königreich wird in der aktuellen Förderrunde auf die Subventionierung von Umrüstungsprojekten von Kohlekraftwerken auf eine reine Biomassenutzung verzichtet. Auch in Deutschland wurden die Bedingungen für Biomassekraftwerke durch die Einführung des EEG 2017 nicht verbessert.

Nord- und Südamerika bleiben weiterhin vor allem in den Leitmärkten Brasilien, Kanada und den USA attraktive Märkte für die Stromerzeugung aus fester Biomasse.

Die Untersuchung „Biomass to Power“ ist die umfangreichste ihrer Art, da sie als einzige auf einer Auswertung des weltweiten Anlagenbestandes – und nicht nur der öffentlichen Statistiken – basiert. Die aktuelle siebte Ausgabe der Untersuchung ist unter ecoprog.de zu finden.

Quelle: ecoprog GmbH