DGAW für ambitionierten Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammnutzung

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Klärschlamm-Aufbereitung (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Berlin — Es sei ein ökologisch und gesundheitspolitisch falsches Signal, auch weiterhin mit Medikamentenrückständen, Mikroplastik und sonstigen Schadstoffen potentiell belastete Klärschlämme zur Düngung landwirtschaftlicher Produktionsflächen zuzulassen. Zu diesem Urteil kommt hat der Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) e.V., Thomas Obermeier, hinsichtlich der Forderung des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, qualitativ hochwertige Schlämme auch weiterhin in der Landwirtschaft auszubringen.

„Die thermische Klärschlammverwertung hingegen ermöglicht die Rückgewinnung von wertvollen Düngern und zugleich die Unterbrechung der Schadstoffkreisläufe. Die thermische Klärschlammverwertung in Monoverbrennungsanlagen mit anschließender Phosphorrückgewinnung aus der Asche ist der Königsweg der Klärschlammverwertung“, meint zudem Prof. Dr. Martin Faulstich, Präsidiumsmitglied der DGAW und ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Sachverständigenrats für Umweltfragen.

„Die DGAW hat die Bundesregierung in der Verbändeanhörung eindrücklich vor der Fortsetzung der bodenbezogenen Klärschlammverwertung gewarnt und sie in ihrem Bestreben bestärkt, in die Phosphorrückgewinnung einzusteigen“, erklärt Thomas Obermeier. Diese für das Überleben aller Lebewesen essentielle Ressource aus der Asche thermisch verwerteter Klärschlämme zurückzugewinnen, sei zudem ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

Eine zunächst vorgesehene Sonderregelung für bestimmte Kläranlagen hatte die DGAW vor einem Jahr zwar als praktikabel angesehen. „Die jetzt nach der Kabinettsabstimmung vorgenommene Erweiterung der Sonderregelung und die Ausdehnung der Übergangsfristen sehen wir jedoch kritisch, weil der Einstieg für Investoren und der Einsatz neuer Technologien in eine nachhaltige Phosphorrückgewinnung erschwert werden“, argumentiert Obermeier. Leider sei im Verordnungsentwurf die Anregung der DGAW zu Qualitätsanforderungen für den zurückzugewinnenden Phosphor nicht aufgenommen worden. Ebenso wenig habe die Forderung nach einer Beimischungspflicht für zurückgewonnenen Phosphor in Mineraldüngern Einlass in den Verordnungstext gefunden. Der Aufbau eines Nachfragemarktes werde ohne dieses Gebot erheblich erschwert.

Klärschlamm ist unbestritten eine Schadstoffsenke. Die DGAW tritt daher dafür ein, diesen dementsprechend zu behandeln und für eine umweltgerechte Beseitigung dieser Schadstoffe Sorge zu tragen. Wenn hingegen der BDE auf Ressourcenschutz durch die Ausbringung von Klärschlamm auf Böden verweise, so verkenne er den Vorsorgegesichtspunkt einer nachhaltigen Abfallwirtschaft „Niemand käme“, so Obermeier, „auf die Idee, saure Böden mit einem niedrigen pH-Wert mit schädlichen Filterstäuben zu behandeln, nur weil sie einen hohen pH-Wert haben.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW)