Forschungsverbund untersucht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Probekörper aus Naturfaserdämmstoffen (Foto: © Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau)

Braunschweig — Um den Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen signifikant zu steigern, forscht ein Konsortium aus 12 Forschungsinstitutionen interdisziplinär an ganzheitlichen Lösungen. Das vom BMEL geförderte Projekt startete am 1.12.2016 mit einer Laufzeit von drei Jahren.

Um Herstellern, Planern und Verarbeitern von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen die Anwendbarkeit zu erleichtern, ermitteln die Forscher im Rahmen des Verbundprojekts Materialkennwerte, die z. B. aufwändige Bauteilprüfungen im Schall- und Brandschutz reduzieren. Darüber hinaus wollen die Beteiligten echte Anwendungshemmnisse ausräumen. Dies betrifft beispielsweise Normen und andere baurechtliche Vorschriften, die in Zeiten entstanden, in denen es kaum Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gab. Daher ist ein weiteres Ziel die Entwicklung von Messverfahren, die die spezifischen Eigenschaften von Dämmstoffen aus NawaRo besser berücksichtigen. Um den Zusatznutzen der Dämmstoffe zu demonstrieren, nehmen die Projektbeteiligten auch Nachhaltigkeitsbewertungen vor.

Die sechs Arbeitsbereiche des Projekts „Brandschutz und Glimmverhalten“, „Schallschutz“, „Wärmeschutz“, „Nachhaltigkeitsanalysen“, „Feuchteschutz“ und „Emissionen“ führen erstmal zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Themas. Im Arbeitsbereich Brandschutz erarbeiten die Forscher Parameter zur Berechnung der Feuerwiderstandsdauer bei Konstruktionen mit Dämmstoffen aus NawaRo, ein „B1-Äquivalent“ bei Wärmedämmverbundsystemen sowie einen Brandschutzleitfaden für die Gebäudeklassen 4 und 5. Als eigenständige Materialeigenschaft dieser Dämmstoffe untersuchen sie auch das Glimmverhalten. Um das schalltechnische Verhalten von Bauteilen zu beurteilen, ggf. auch rechnerisch zu ermitteln, erarbeiten die Wissenschaftler im Arbeitsbereich Schallschutz entsprechende Primärdaten und Parameter.

Im Arbeitsbereich Wärmeschutz untersuchen die Projektpartner die feuchteabhängige Wärmeleitfähigkeit und prüfen Möglichkeiten, diese zu verringern. Bewertungen der Nachhaltigkeit stellen den positiven Zusatznutzen der Dämmstoffe quantifizierbar dar. Im Arbeitsbereich Feuchteschutz erarbeiten die Forscher Methoden, wie Schimmelresistenz material- und anwendungsgerecht untersucht werden kann. Die Projektpartner zeigen im Arbeitsbereich Emissionen, welche Risiken es im Hinblick auf Emissionen gesundheitsbeeinträchtigender oder geruchlich relevanter Stoffe gibt und wie diese ggf. minimiert werden können. Darüber hinaus prüfen sie auch, inwieweit Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einen Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffkonzentration in der Raumluft leisten können.

Am Forschungsverbund beteiligt sind neben dem Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI folgende Institutionen: Institut für Holztechnologie Dresden gGmbh, Hochschule Rosenheim (Fakultät für Angewandte Natur- und Geisteswissenschaften), Technische Universität Braunschweig (Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz, Fachgebiet Brandschutz), Hochschule Magdeburg-Stendal, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V., Papiertechnische Stiftung, Johann Heinrich von Thünen-Institut (Thünen-Institut für Holzforschung), Universität Stuttgart (Lehrstuhl für Bauphysik, Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung), Technische Universität Dresden, Materialprüfungsamt Nordrhein-Westfalen. Die Forschungsinstitute arbeiten im Projekt mit zahlreichen namhaften Unternehmen und Verbänden zusammen.

Die Gesamtfördersumme des Verbundprojekts beläuft sich auf über 4 Millionen Euro bei einer Laufzeit von drei Jahren. Gefördert wird es im Rahmen des Förderschwerpunkts „Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“ im Förderbereich „Stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen“ des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Quelle: Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI