26. Dresdner Verpackungstagung: Nachhaltigkeit und Recycling im Fokus

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Papier-Verpackungen (Foto: Verband Deutscher Papierfabriken e.V.)

Berlin / Dresden — Nach den Rekordzahlen des Vorjahres konnte die Dresdner Verpackungstagung erneut mit einer starken Präsenz der Branche glänzen. Winfried Batzke, einer der Geschäftsführer des veranstaltenden Deutschen Verpackungsinstituts, zeigte sich zufrieden: „Es gab viele spannende Informationen, wir hatten exklusive Einblicke, neue Erkenntnisse und reichlich Anlässe für gute Diskussionen im Netzwerk.“ Mehrfach kam dabei die Thema Rohstoffe und Recycling von Verpackungen zur Sprache.

Mit Biomasse-Konzept Materialaufwand gesenkt

Über Investitionen und Nachhaltigkeit berichtete Ari Kiviranta, Senior Vice President Production & Technology der Metsä Board Corporation. Seiner Darstellung nach verringerte sich der Materialaufwand für leichtgewichtiger Karton zwischen 1980 und 2010 von 315 auf 275 g/m3. In den Jahren zwischen 2009 und 2015 konnten die CO2-Emission pro Tonne des Produkts um 42 Prozent gesenkt werden, der Prozesswasserverbrauch um 16 Prozent und der Energieverbrauch um 10 Prozent. 60 Prozent der benötigten Energie stammen inzwischen aus Bioquellen. Mit der neuen „modernsten Faltschachtelkartonmaschine Europas“, einer neuen Extrusionsbeschichtungs-Anlage in Husum und dem „weltweiten ersten Bioproduktewerk der nächsten Generation“ in Äänekoski sieht sich Metsä gut gerüstet für die Zukunft. Bei dem Biomasse-Konzept wird laut Kiviranta jeder Teil eines Baumes optimal verwertet, was die vollständige Nutzung aller Nebenprodukte einschließt.

Bereit für die nächste Generation recycelbarer Folien

Ediz Türkmen, Geschäftsführer der Korozo GmbH warb in der Folge für die Hightech-Folien seines Unternehmens und den Industriestandort Türkei. Nach dem gescheiterten Militärputsch und der weiterhin angespannten politischen Lage in der Türkei zeige sich die Kunststoffindustrie unbeeindruckt. Der Verband schätzt den Output der türkischen Kunststoffverarbeitung für 2016 auf 9 Mio. Tonnen, wobei der Verpackungssektor mit 3,4 Mio. Tonnen den Großteil abnimmt. Aktuell ist die Türkei damit europäisch die Nummer zwei der Kunststoffverarbeitung hinter Deutschland.

Im Bereich der Hightech-Folien könne Korozo als einziges Unternehmen sowohl Siegelfolie als auch Duplex und Triplex-Verbunde selbst herstellen und darüber Nachverfolgbarkeit, Nachhaltigkeit und Qualität der Deckelfolie gewährleisten. Das Marktpotential speziell der Kapseln sieht Türkmen noch lange nicht ausgereizt. In den USA gebe es bereits Angebot zum Beispiel für Suppen oder Cola aus der Kapsel. Korozo habe bereits die nächste Generation recycelbarer Folie entwickelt, doch seien Industrie und Endverbrauche noch nicht bereit, die höheren Kosten hierfür zu tragen.

Fokus auf nachwachsende Rohstoffe statt Kompostierbarkeit

Nachhaltige Verpackungslösungen aus Sicht eines Folienherstellers thematisierte Dirk Stolte, Leiter Forschung und Entwicklung der prepacgroup. Über eine Reihe von konkreten Zahlen zeigte Stolte, wie gering der Einsatz von Mineralöl und der entstehende CO2-Ausstoß einer Verpackung im Vergleich zum verpackten Gut sind. „Der CO2 Ausstoß, verursacht durch die Produktion von einem Kg Rindfleisch, ist 65x höher als der für die benötigte Verpackung.“ Trotzdem sei das Maß wichtig, „weder unterverpackt noch überverpackt. Beides hat negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Ressourcen“. Als Smart Point einer Verpackung sieht Stolte die Materialeinsatz-Effizienz, die Reduktion der Dicke, die Anpassung des Formats und den abgewogenen Einsatz von Biokunststoffen. Auch bei der prepacgroup konnte man die Menge des eingesetzten Materials in den vergangenen Jahren deutlich senken. Zum Abschluss warf Stolte einen differenzierten Blick auf das Thema Biokunststoffe. Sein Fazit: „Es ist ein zunehmender Trend zu beobachten, dass der Fokus stärker auf nachwachsende Rohstoffe als auf die Kompostierbarkeit gelegt wird.“

Design4Recycling

Christina Schulz, Projektmanagerin für Nachhaltigkeit bei Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH, gab in ihrem Vortrag spannende Einblicke und praktische Tipps hinsichtlich der Herausforderungen einer recyclinggerechten Verpackungsgestaltung. Mit dem Konzept Design4Recycling wird schon am Anfang einer Verpackung der Schlüssel für die optimale Verwertung in einem „Closed Loop“ gelegt, damit aus einer Verpackung nach dem Recycling wieder eine Verpackung werden kann. Eine recyclinggerechte Verpackung schafft laut Schulz deutliche Vorteile, da sie den Sortier- und Verwertungsprozess unterstützt, zu hochwertigem Premium-Rezyklat verarbeitet werden kann, die Umwelt schont und den Weg zu einer modernen Kreislaufwirtschaft unterstützt. Design4Recycling beginne bei der Analyse der Verpackungskomponenten und beinhalte Typ und Kombination der verwendeten Materialien, Restentleerbarkeit, Einfärbungen, Bedruckung, Klebstoffe, Verschlüsse und anderes mehr. Zum Ende ihres Vortrages informierte Christina Schulz über die Neuerungen im aktuellen Entwurf des VerpackG gegenüber der VerpackV. Ein wichtiger Punkt dabei: „Für die Verwendung von recyclingfähigen Materialien sowie Rezyklaten und nachwachsenden Rohstoffen sollen Anreize geschaffen werden die sich in den Beteiligungsentgelten niederschlagen.“

Transportverpackungen aus dem 3D-Drucker

Über Transportverpackungen aus dem 3D-Drucker berichtete Jörg Loges, stellvertretender Institutsleiter des Instituts für Verpackungstechnik (IfV). Im Fokus standen additiv gefertigte Transportverpackungen aus nachhaltigen Rohstoffen – wie z.B. der Druck mit Pulver aus der Miscanthus-Pflanze (Elefantengras) – und die Möglichkeiten des 3D-Drucks für Verpackung und Logistik. „Wenn Produkte immer weiter individualisiert werden, müssen dafür dann auch die entsprechenden Verpackungen produziert werden“, so Jörg Loges. Zukünftige Anwendungsbereiche der 3D-gedruckten Verpackung könnten ebenso im Drucken großvolumiger Transportverpackungen und Ladungsträger liege wie in der gedruckten Verpackung als Smart Object. Als nächste Herausforderungen für Forschung und Entwicklung nannte Loges neue, verfeinerte Druckverfahren, Materialentwicklung, Automatisierung und die Kombination mit anderen Verpackungsmaterialien in einem Fertigungsschritt.

Foodmailer – Verpackung aus 100 Prozent Wellpappe

Eine mehrfach ausgezeichnete Innovation beim temperaturgeführten Versand im Onlinehandel präsentierte Stefan Lerchner, Leiter Marketing der Dinkhauser Kartonagen Vertriebs GmbH zum Abschluss Verpackungstagung. Der „foodmailer“ stellt sich dabei als Systemlösung aus Verpackung, Kühlmittel und Kalkulator dar. Die Verpackung aus 100 Prozent Wellpappe integriert eine ausgetüftelte Lösung für die Luftzirkulation und verwendet ein lebensmittelunbedenkliches, quellbares Pulver, wie man es aus Windeln kennt. Der foodmailer kann volumensparend zum Anwender transportiert werden, wo er in Wasser gelegt und anschließend auf die benötigte Temperatur gefroren wird. Die Verpackung benötigt auch im Einsatz weniger Volumen als Styropor und ist deshalb günstiger beim Transport. Die Entsorgung kann regelgerecht über das Altpapier erfolgen. Mit dem Online-Kalkulator können Verwender zudem den genauen Bedarf an Verpackung individuell für ihr Produkt und die jeweilige Transportentfernung berechnen.

Der 27. Dresdner Verpackungstagung ist für den 30.November und 1. Dezember 2017 geplant.

Quelle: Deutsches Verpackungsinstitut e. V.