IKB: Anhebungen für Schrottpreise kräftiger als erwartet ausgefallen

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Stahlschrott (Foto: Marc Weigert)

Düsseldorf — Nach einem Einbruch zu Jahresbeginn 2016 hat die Weltrohstahlproduktion Ende Oktober diesen Rückgang ausgeglichen. Die IKB Deutsche Industriebank erwartet daher für 2016 einen Anstieg um 0,5 Prozent. Die Produktion in China dürfte nach dem starken Wachstum ab Jahresmitte um 0,75 Prozent zulegen.

Fehleinschätzungen über die Gesamtproduktion Chinas waren denn auch eine der Ursachen für das zuletzt starke Anziehen bei Vormaterialpreisen. Während die Erzeugung in Deutschland eine Tonnage von gut 42 Mio. t erreichen dürfte, sinkt sie in der EU aufgrund von Stilllegungen in Großbritannien leicht. Die Türkei hat sich dagegen erholt. Die Nachfrage im Inland wird durch die Automobilindustrie und die Belebung der Bauwirtschaft getragen. Positiv haben sich auch Einfuhrzölle ausgewirkt. Massenstahl leidet allerdings weiter unter Exporten u. a. der Türkei, Russlands und Chinas.

Im Durchschnitt des November 2016 zogen die Schrottpreise um 30 bis 35 €/t an. Damit fielen die Preisanhebungen kräftiger als erwartet aus. Grund war zu einem, dass Stahlwerke infolge der gestiegenen Vormaterialpreise (Kokskohle, Eisenerz) wieder vermehrt Schrott einsetzten. Zum anderen sanken auch die Knüppelexporte aus China, was vor allem in der Golfregion und der Türkei zu mehr Schrotteinsatz führte. Altschrotte sind unverändert knapp. Die anziehenden Exportpreise in die Türkei stimulierten entsprechend das Inlandspreisniveau. Auch die Nachfrage aus einigen Nachbarländern ließ deutlich höhere Aufschläge zu. Die höheren Eisenerz-Spotpreise stützen zwar das Dezemberpreisniveau, insgesamt könnten die Preise aber abbröckeln. Die IKB sieht zu Jahresbeginn 2017 höhere Preise (+6 Prozent), vorausgesetzt, die türkische Nachfrage bricht infolge innenpolitischer Turbulenzen nicht ein.

Die Weltrohstahlpreise zogen im November 2016 auf breiter Front an. Innerhalb Europas war bei Flachprodukten ein kräftiger Anstieg festzustellen: Warmbreitband legte um 5 Prozent gegenüber dem Oktoberdurchschnitt zu. Verzinkte Bleche haben sich seit Jahresbeginn um ein Drittel verteuert. Bei Langprodukten dagegen fiel für Walzdraht der Preisanstieg unterdurchschnittlich aus. Die Spotmarktpreise für Eisenerz frei China zogen im November im Monatsmittel um 14 US-Dollar an und erreichten das höchste Niveau seit Ende 2014. Die unverändert sehr gute Erzversorgung begrenzt aber in den nächsten Monaten stärkere Preisanhebungen. Bei den europäischen Stahlpreisen erwartet die IKB in den nächsten drei Monaten eine leichte Erhöhung (+5 Prozent), die auch die Langprodukte vollumfänglich erfassen sollte.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank