8. Forum Grüner Punkt: Grüner Punkt stellt Nachhaltigkeitsbericht in Aussicht

990
Quelle: Der Grüne Punkt - Duales System Deutschland GmbH (DSD)

Köln — Rund 100 Teilnehmer diskutierten auf dem 8. Forum Grüner Punkt über Perspektiven des Verpackungsrecyclings vor dem Hintergrund des geplanten Verpackungsgesetzes. „Nachhaltigkeit neu denken“ – dieses Leitmotiv haben manche Unternehmen bereits in der Praxis umgesetzt.

Kunden bei der nachhaltigen Gestaltung ihrer Verpackungen zu beraten – „Design4Recycling“ nennt der Grüne Punkt diese Dienstleistung – stellt im Nachhaltigkeitsportfolio der Gruppe einen wichtigen Punkt dar. Dr. Markus Helftewes, Geschäftsführer Der Grüne Punkt, kündigte für das kommende Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht nach aktuellen internationalen Standards an. „Voraussetzung dafür ist unter anderem eine Stakeholderbefragung, die dabei hilft, die wichtigsten Handlungsfelder zu identifizieren.“ Der Grüne Punkt hat dazu 2016 sowohl interne als auch externe Stakeholder befragt; insgesamt haben 322 Personen teilgenommen. „Sowohl interne als auch externe Teilnehmer der Befragung haben Wirtschaftlichkeit als das wichtigste Thema genannt“, erklärte Helftewes. Die Ökologie ist das zweitwichtigste Thema. „Den externen Teilnehmern war darüber hinaus das Thema Compliance sehr wichtig.“

Nicht nur Erhöhung der Recyclingquoten

Kunden und andere externe Partner des Grünen Punkts interessieren sich also vor allem für das wirtschaftliche Handeln des Grünen Punkts, daneben vor allem dafür, wie sich das Unternehmen gegenüber Umwelt und Gesellschaft verhält. Dieses Ergebnis passt sehr gut zu den Themen des Forums, die derzeit auch die Diskussionen in der Branche beherrschen. So will die Bundesregierung noch in dieser Legislaturperiode ein Verpackungsgesetz verabschieden, dessen Kernthemen Ernst Schwanhold von Cyclos Future erläuterte: „Im Verpackungsgesetz geht es zuvorderst um die Erhöhung der Recyclingquoten, die sich in 20 Jahren kaum verändert haben. Künftig soll auch die Recyclingfähigkeit von Verpackungen eine Rolle bei der Beteiligung am dualen System spielen.“ Zudem wolle das Gesetz die Abstimmung zwischen Kommunen und Systembetreibern verbessern.

Wesentliche Verbesserung durch Zentrale Stelle

Nicht zuletzt aber würde das Gesetz eine sogenannte Zentrale Stelle einführen, deren Ziele und Aufgaben Gunda Rachut, Geschäftsführerin der BHIM Zentrale Wertstoffstelle Projektgesellschaft mbH, umriss. Die Zentrale Stelle soll die Aufgabe eines Schiedsrichters im Markt der dualen Systeme übernehmen. Rachut begegnete den Vorwürfen, die Zentrale Stelle werde eine Monsterbehörde, in der sich die Verpflichteten selbst überprüfen würden: „Beides ist durch das Gesetz und die Anlage der Zentralen Stelle ausgeschlossen. Das Bundeskartellamt wacht sehr genau über die Verfassung und die Tätigkeit der künftigen Zentralen Stelle.“

Heute würden 200 Millionen Euro jährlich an Kosten von den Verpflichteten für Inverkehrbringer übernommen, die ihre Verpackungen nicht oder nur teilweise lizenzierten. Die Unternehmen erwarteten, dass sich hier etwas tue – die Zentrale Stelle könne zu einer wesentlichen Verbesserung führen. Maximal 30 Mitarbeiter würden für diese Aufgabe ausreichen.

Problem: Lizenzierung der Prüfer

Bis es soweit ist, könnte „ProVerpackV“ helfen, eine Initiative von drei Sachverständigenbüros, die Jörg Scheibel von REVISA Cycleproof vorstellte. ProVerpackV auditiere Sachverständige und führe sie auf einer öffentlichen Liste – die mit einem solchen Label ausgestatteten Sachverständigen könnten Unternehmen prüfen, denen eine einwandfreie Lizenzierung wichtig sei. Auch deren Namen würden dann veröffentlicht. Damit begegnet ProVerpackV einem weitverbreiteten Problem: Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern, die die Lizenzierung in den verpflichteten Unternehmen prüften, fehlten oft die nötigen Spezialkenntnisse, der durchgeführten Prüfung damit die nötige Qualität.

Dr. Sven Rutkowsky, Partner beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney, stellte ein Modell vor, wie die Recyclingfähigkeit von Verpackungen im dualen System gefördert werden könnte. Ein einfacher Abschlag beim Lizenzentgelt ist nicht möglich, da es bei zehn konkurrierenden Systembetreibern keine einheitliche Preisliste gibt. Im Auftrag des Grünen Punkts hat A.T. Kearney verschiedene Möglichkeiten untersucht, recyclingfreundliche Verpackungen im dualen System zu bevorteilen. Das Modell, das alle Bedingungen am besten erfülle, beruht auf einem Fonds, in den alle Inverkehrbringer einzahlen.

Nachweislich recyclingfähige Verpackungen würden durch unabhängige Gutachter zertifiziert. Mit diesen Zertifikaten könnten die Hersteller Nachweise über hochwertig recycelte Verpackungen bei den dualen Systembetreibern erwerben, die dann wiederum zu Auszahlungen aus dem Fonds führen. Wer also besonders gut recycelbare Verpackungen auf den Markt bringt, erhält einen finanziellen Vorteil. „Das schafft zugleich für die Systembetreiber einen Anreiz, für eine möglichst hochwertige Verwertung zu sorgen“, betonte Rutkowsky.

Quelle: DSD – Duales System Holding GmbH & Co. KG